Zürcher Theatersaison 2006/07 -
das Theater Neumarkt

(Surf Zurich's Cynical Theatre Guide!)
Sept 23, 2006


Kritiken, Kommentare, Notizen
(in umgekehrter chronologischer Reihenfolge)

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Hotel Disparu


Hotel Disparu

"Die Urauffuehrung einer Gemeinschaftsprojekt der Autorin Rebekka Kricheldorf, der Regisseure  Ingo Kerkhof, Erich Sidler und der SchauspielerInnen. ... Eine Koproduktion mit Kerkhof-Produktion und Sophiensæle Berlin. Gefoerdert aus Mitteln des Lotteriefonds des Kantons Zürich und des Hauptstadtkulturfonds Berlin."

DarstellerInnen: Magdalene Artelt, Marianne Hamre, Catherine Janke, Christian Kerepeszki, Christoph Rath, Sigrun Schneggenburger, Birgit Stöger, Heiner Take.

So weit,  so weit. Jeder Abend eine andere Auswahl aus dem Text, jeder Abend neue Situationskomik. An der Premiere 90 Minuten, am dritten Abend 75 Minuten, ..., an der Premiere vielbeklatscht, am dritten Abend muede beklatscht, ...

Wir befinden uns, wo wir uns im Theater schon so oft befunden haben, diesmal in einer Hotelhalle der kleinen Skurillitaeten und mittleren Stoerungen. Man pflegt Rituale, allerdings weniger konsequent und leichter verdaulich als beispielsweise Carp und Marthaler, denn es sind halbe Geschichten mit den Solos, Duos und Terzetten verbunden, die in loser Abfolge, eben frei ausgewaehlt, zu sehen sind. Dies ist - ganz offensichtlich - faszinierend fuer Kritiker und Szeniker und - wahrscheinlich - spannend fuer Szenefremde, die so etwas zum ersten mal erleben. Und es ist schier unertraeglich fad fuer Gewohnheitstheatergaenger. Grund ist, dass es nett gemacht ist und eine Light-Version des Postdramatischen darstellt, das von vielen, auch von Professionellen, traumatisch erlebt wurde. Nomen est omen.

Vieles ist schicksalhaft in diesem Hotel, allerweltsschicksalhaft, verstaendlich und doch speziell. Der Kellner ein Kellner. Das Muttertocherpaar suedseetrippliche Egoistin und abhaengige Hysterikerin, die nur der Mutter wegen zu nichts zu kommen vermeint. Das Geschwisterpaar uneins zueinander gebunden. Der Liebhaber, der den Verlust seiner Liebe nicht fassen kann. Eine zwanghafte Geschichtenerzaehlerin ... Und nichts geht an die Substanz, denn alles spielt im Schleier realistischen Erlebens. So wie der Raucher ohne Zigaretten. Wie ein Abgesang auf Theater.

Der Text ist schlecht - und wird von der Kritik gelobt. Kein Drama, keine Weisheit, sondern witzige Formulierungen. Wenn man ein bisschen lacht, oder amusiert schnaubt, so gibt das keinen Wiederhall, ist weder plaziert noch deplaziert, sondern wie es uns gefaellt. Das Theater Neumarkt macht nicht viel Laerm um nichts, sondern zeigt eine Plauderei um wenig.

Die professionellen Kritiker fanden das gut und teils sogar begeisternd, ganz offensichtlich, weil es ihre Welt ist. Und das legt nahe, dass es einen Massenmarkt fuer dieses Theater gaebe. Alle jene naemlich, die sich eine skurille Verkleidung des alltaeglichen Entsetzens ueber ihre Umwelt und ihre eigenen Verstrickung wuenschen, denen ein traditioneller Shakespeare zu heftig und zu ernst ist, und ein Marthaler-Irgendwas zu lang und ereignislos. Sie bekommen hier einen - je nach Abend mehr oder weniger engagiert belebten - Seelencontainer light.



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