Zürcher Theaterspektakel 1998 -
das erste Wochenende ...
(Surf Zurich's Cynical Theatre Guide!)
August 24, 1998
 
  Ein Skandälchen zum Auftakt
Femtella von Taoufik Jebali und El Teatro (Tunesien) 
 
Ein Kaleidoskop, erste Version 21.8.98:
 
  • eine Kritik, 21.8.98:

  • .
     
  • ein Bericht, 21.8.98:

  • Das Publikum lachte viel und langweilte sich sehr. Und der Applaus war wohl bestimmt.
     
  • ein Kommentar, 21./24..8.98:

  • Andere mögen bei Fometella anderswo anderes erleben - in der feuchten (aber am Eröffnungstag noch erträglichen) Schwüle des Pavillons, umspielt von denWiesengeräuschen und Stimmungen der Landiwiese, reagierte das Publikum anscheinend mit hilflosem Geplauder und Gelächter aud das Nichtgeschehen auf der Bühne, ebendort fünf Menschen 60 Minuten zusammenstehen. Die denkbaren Gründe dafür sind mannigfach und für den Einzelfall wohl verschiedenste. Offensichtlich ist nur in Zürich das Scheitern des Konzepts wie die Zustimmung des (Premieren-)Publikums.

    Woher aber kommt letztere, hier und jetzt? Warum fehlt die Empörung, welche von anderen Aufführungsstätten durch die Spektakelmacher kolportiert wurde?

    Zum ersten passiert kein Versagen, weil nichts passiert. Zum zweiten vermag vermutlich kaum jemand unter den ZuschauerInnen mit dem Gezeigten sich kritisch auseinanderzusetzen. Und zum dritten mag jeder sich ausrechnen, dass es den professionellen KritikerInnen ähnlich geht. Wir erfahren also, insbesondere jene, die mit zeitgenössischer (Theater-)Kunst nichts anfangen können, dass die Macht des Kunstverstands ausser Kraft, ad absurdum geführt wird. Und diese vorgeführte Ohnmacht ist lächerlich - zumindest bis dass sie mit tiefintellektuellen Erklärungen zurückschlägt.

    In diesem Sinn ist die Aufführung ein Skandal, weil sie eine Provokation ist, in gegensätzlicheM, einfacher konventionell verständlichen auch, als Vorführung von moderner Kunst (oder einer des Publikums, gemäss Wahrnehmungswollen).

    Gescheitert ist sie freilich in der Konzeptlosigkeit oder Konzeptunkenntlichkeit ihrer ultraminimalistischen Reduktion, welche nur mehr einige wenige sinnleere/entleerte Bewegungen übrig lässt.. Im Programm steht "Auf der Bühne ein Sofa, fünf unbewegte Figuren, gefangen in einem Bild, das sich nie zu verändern scheint und doch - nach einem Augenblick der Unaufmerksamkeit - immer wieder neu entsteht. Gesprochen wird kein Wort." Eben dies ist nicht der Fall. Sollte es als Theater wirken, bräuchte es einen heiligeren Aufführungstempel, ein besser angelegtes Publikum und ein stärkeres Aufführungsteam. Doch statt wegzuschauen und uns irritieren zu lassen, schauen wir hin, wenn etwas passiert, konzentrieren uns auf die Veränderungen und vermissen deren zeitliche Dramaturgie.

    Nach 60 Minuten der Wahrnehmung des statischen Bildes mit zeitlichen Faltungen trennt sich nur einer leicht, dem einmal der Zynismus fern. Der Rezensent enthielt sich so des Buhs...:-)
     

  • einige weitere Bermerkungen, derzeit in Arbeit, 24.8.98;

  • Falsch ist, dass die Vorstellung ganze 70 Minuten dauerte, wie in der NZZ behauptet wurde. Eher schon stimmte die Ankündigung im Programm einer 60-minütigen Vorstellung.
    Richtig dürfte wohl sein, dass die Gruppe nach der ersten Vorstellung eine andere war als vorher - so ganz locker schienen sie die Reaktionen des Publikums nicht wegzustecken ...
    Richtig könnte sein, dass für jene, welche ganz nahe sassen und die Gabe der intellektuellen Einsicht besassen, sich das offenbarte, was im Programm ähnlich angedeutet und von der NZZ nachher so berichtet wurde: "millimetergrosse Bewegungen ... im Puls der Körpersäfte" ...  - die NZZ wieder einmal das Organ für schleimige Berichterstattung;-)
    Falsch ist, dass, wie andere berichteten, diese Art von Theater für uns zu fremd ist, um verstanden zu werden. Noch falscher wäre es, dieses Theater als exotisch im Sinne von typisch tunesisch anzusehen.
    Im übrigen und überhaupt: Diese Produktion wurde am falschen Ort gezeigt. Ernsthaftes Theater braucht einen hehren Raum, will es nicht zum blossen Spektakel verkommen!
     
     
     
     

      Shockheaded Peter von Phelim McDermodt, Julian Crouch & The Tiger Lillies eine tobende Schweinehalle und stille Gesichter 

    Kritik in Arbeit, vorerst hier nur eine Skizze, 23. August;

    Die jungen wie die alten sogutten, die zwischendrinn schunkelten - und doch waren viele Gesichter recht ernst beim Austritt aus der schräg untermalten, theatralischen Umsetzung des Struwelpeter-Bilderbuchs. Der Mangel an Freude, der einen an das Verlassen einer Mozartschen Figaronacht in Salzburg hätte erinnern können, lag vielleicht daran, dass denen auf der Bühne es nicht allen recht wohl schien bei der von ihnen entfachten , an welchen Stellen entfachten, Begeisterung und die Zugabe sich auch Gemütsmenschen als makabre offenbarte. Vielleicht war das Publikum aber auch sensibler als das lautsstarke, freudige Gestürm, welches während der Vorstellung veranstaltete.

    Das Theater der monströsen Puppen, in einem Bühnenzimmerhaus, hinter dessen Türen sich angekündigt die monströsesten aller Monster, böse Kinder, verbergen, funktionierte nicht, denn der Schrecken seiner Alpträume erreichte das Publikum nicht, und es funktionierte, denn die Monster die es schuf lachten im Publikum, spieen die unheimliche Lust aus, die ihnen das Abschneiden der Daumen entfachte, und jauchzten der Geilheit ob des Grausens.

    Dies warf die alten Fragen zum Erfolg des Struwelpeters wieder auf - und beantwortete sie freilich auch nicht. Die beobachtbare Korrellation mit dem Alter der Reagierenden und deren meist ähnlichen Zwiespältigkeiten waren zwar ein bemerkenswertes Beispiel für das oft behauptete bessere Verständnis zwischen Gross-Eltern und Kindern, doch simple Reduktion auf infantiles, respektive seniles Verdrängertum - oder im Gegenteile auf missverstandene, missgemeinte Gefühlswärme der Mittelalterlichen, denen sowohl Saft als auch Weisheit fehlen - wúrde dem Phänomen Struwelpeters im Allgemeinen, beziehungsweise der Aufführung im Speziellen, nich gerecht, weil sie Grausen und Brutalität wegerklärte.

    Gewalt ist dem Menschen ein Genuss. Das Schlachten seiner Artgenossen wie seiner selber ist eine seiner Leidenschaften. Verstümmelung kann Lust bedeuten, sei es, dass ein Judoka absichtlich seinem Gegner die Sehnen zerfetzt, sei es, dass Eltern ihre Kindern von der Polizei verprügeln lassen, um die Gewalttätigkeit der Polizei anzuprangern, um nur zwei Beispiele der hochzivilsierten demokratischen Wirklichkeit zu zitieren. Und auch über VerfasserInnen von Theaterkritiken mag sich jeder seine Meinung bilden.

    Und das Verstümmelte befriedigt, wie wir allgegenwärtig erfahren, in Der Kunst des Sruwelpeters, des Altwiener Krüppellieds (Krüppel haben so etwas Verführerisches...) oder der ästhetisierten Darstellung von Initiierungsritualen, wie gerade bei den zürcher festspielen gehabt und im zwischenmenschlichen Alltag mit seinen Nahelegungen von Tätowierungen, Zungenringen und Brustvergrösserungen.

    Dazu kommt naturgemäss noch die erfolgreich provozierte Schadenfreude, der man sich im Theater so schrankenlos hingeben darf, die Ohnmacht der Menschlichkeit, in Anspie;ung auf den Publikumserfolg von Femtella (siehe oben), sind wir versuch zu schreiben (doch wir wollen dieses übel geklaute Sujet nich über Gebühr ausschlachten).

    Und dabei geht die möglicherweise/vermutlich beabsichtigte Perspektive des eigenen Horrorhauses wie auch Botschaft, dass die Liebe - im Fall zwischen Mann und Frau - den Horror der Einbildungen mildert, dass die Einbildung des Menschen Waffe gegen die Einbildung ist, unter. Die musikalische Zugabe zum Abschluss, dass den die wirkliche Erwachsenenwelt so verkommne ist, dass sie die Monster unsrer Kindheit tatsächlich sublimst implementiert wirkt wie der Versuch, das Publikum von seiner Begeisterung über das gekonnt ins Szene gestzte Spiel mit Puppen, Verkleidungen und Kindertheaterzaubereien, einzudämmen, zurückzuführen zum Eigentlichen der Geschichte.

    Ein interessanter Aspekt der Aufführung ist das nicht oder kaum Vorhandensein des Ursprungs der Strafen, die Kürze der meist nur oralen Präsentation kindlicher Misse- oder Monstertaten, der die phantasievolle visuelle Ausgestaltung der Strafen gegenübersteht, fast stärker noch als im Original. Dies scheint freilich das Missverständnis zu bewirken, einem Spiel mit Dingen statt mit den abstraktionen von elterlich ausphantasiertem Horror. ....

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    ORACULOS - laufend persönlicher Service im Kasernenareal 
    (by Enrique Vargas & Teatro de los Sentidos) ..... click the title for a commentary!
     
     
     
     
    OXTAIL SOUP im Dansepalais -
    ein Geschichtenerzähler, der immer (faszinieren) kann ...
    und ein verzücktes weibliches Publikum 
    (by Enrique Vargas & Teatro de los Sentidos)
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    no free ticket, no commentary ...;-)
     
     
     
    METAMORPHOSEN in der Roten Fabrik -
    die Provinz probiert Theater ... 
    (Marco Baliani in der Aktionshalle der Roten Fabrik)
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    no free ticket, no review ...;-)
     
     
     
     
    LANGER ZUG, LANGER ZUG TRÄGT DEN UNFERTIGEN.
    SAUL - EIN REQUIEM im Theaterhaus Gessnerallee --
    noch spannend ... (bis auf den draufgesenften Schluss) 
    (in situ im Theaterhaus Gessnerallee)
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    no free ticket, no review ...;-)
     
     
     
     


    copyright by Reinhard Riedl