Allgemeiner Kommentar, in Vorbereitung befindlich, 22.Juli 1998:
Die Verantwortlichen haben das Problem erkannt und zum Teil schon vorher die Befürchtung konzediert, die sich nun traurig bestätigt hat: Die Zürcher Festspiele sind kein Fest, sondern nur eine Fortführung der Saison - mit bestenfalls ähnlichen, meist aber geringeren Besucherzahlen als sonst, müssen wir noch hinzufügen.
Das Angebot geht in der quantitativen Fülle der Zürcher Theaterjahrs unter.Verkaufen tut sich erfolgreich, was sich immer gut verkauft, nämlich Produktionen, die in oder belanglos sind. Substanz hingegen findet kaum Anklang beim Publikum. Eine ernste Diskussion des Festspielangebots gibt es nicht. Und selbst die Szene betritt nur bei Marthaler, Müller oder Afrika in grösseren Mengen den Publikumsraum.
Angesichts dieser limnikolen Wirklichkeit ist auch in Zukunft von den Festivalmachern kein künstlerisches Management beabsichtigt, wie bei der Eröffnungsfeier zum Ausdruck kam. Wenn überhaupt, so verlässt sich die operante High Society auf das Selbstharzen des mitfanzierten Schauspiels, auf dass die von ihr angestrebte, durchaus löbliche, Erhöhung der Lebensqualität in Zürich sich auch mit Kristallierungsmaterial für zeitgeistige Kunst schmücken kann.
Als Konzept unterstellt, das vom Volk die Begleichung einer Holschuld
einfordert, stimmen wir diesem lockeren Umgang mit Steuergeldern, im zynischen
Herzen eins, durchaus zu. Als lieblos Schlamperei verurteilen wir dieses
Kunstmanagement
mit der Tarnkappe aber gleichzeitig und vor allem als schlicht desaströse
politische Inkompetenz.
Man mag klagen und Zähne knirschen: in einer hochtechnisierten Gesellschaft diesseits von Eboli muss das Interesse für Theater provoziert und geschürt werden. Wer sich vor dem Publikum fürchtet, das Theater als Teil der jugendlangen Party begreift, der hat Theater nie erlebt oder dieses Erlebnis verdrängt. Theater passiert. Es braucht zwar viel Arbeit und Leidenschaft, um zustande zu kommen, persönlichen Aufwand und kommunales wie privates Geld. Es braucht Ort, Zeit, Teile und Ganzes, Text, Körper und Technik und am wenigsten die Zuschauenden, um die es geht. Aber dann passiert es - ohne Rücksicht auf das Publikum und nur mit ihm, der bereits vergangene Augenblick und die Dauer der Kunst.
Deswegen muss man das Publikum ins Theater treiben, locken, stopfen, die Räume nicht ausgefüllt aber bereit und das heisst: mit anwesendem Publikum. Theater vor dreiviertel leeren Häusern spielen, vor Auserwählten, vor einem Publikum, in dem die Mathematiker die demokratische 5% Hürde überschreiten, kann nicht der Sinn dieser in jeder Hinsicht unbilligen Festspiele sein!. So exklusiv es auch immer ist, Theater muss eine attraktive offene Anstalt sein.
Die Zürcher Festspiele sind das sicher nicht. Viele Zürcher wissen nicht einmal von ihrer Existenz. Fragt man dort, wo das intellektuelle Potential am konzentriertesten vorhanden sein sollte, an der Universität oder der ETH, so kennen dem Namen nach die Festspiele wenige, dem Inhalten und den Orten nach praktisch niemand. Fragen auserhalb von Zürich geben den Festivalbekanntmachern - so es so jemand überhaupt gibt in der Festspielorganisation - ein noch vernichtenderes Zeugnis.
Grund hierfür ist nicht die Ignoranz des Publikums sondern die der Festspielmacher, welche zufrieden damit sind, dass das Opernhaus gefüllt ist. Diese Kritik mag ungerecht erscheinen, verdanken wir alle Herrn Pereira und seinem Team, dass wir viele tolle Aufführungen heuer sehen durften in den diversen Zürcher Schauspieltheatern: ohne ihr Engagement gäbe es für die meisten der gezeigten Gastspiele nicht nur keinen Anlass, sondern auch kein Geld. Trotzdem genugt dies dem Festspielanspruch nicht.
Festspielen sollten ein Fest, liebsam oder verhasst, einer Stadt sein, für Bewohner und für Gäste. Und es ist Illusion zu meinen, Feste können man in einer grösseren Kommune so feiern wie sie fallen. Grosse Feste brauchen neben einer guten Organisation eine Idee und Werbung. Grössere Organisationsprobleme sind uns nicht bekannt. Die Idee gab es im Ansatz mit dem Theatern der Nationen, wenn auch kaum durchdacht, die Werbung fehlte ganz und gar.
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Kommentar zum Theater der Nationen, wird gerade angedacht ...
Andenkensskizze:
Wenn Mann und Frau sich in der Ehe begegnen als zwei, die erst anfangen
wollen miteinander, dann ist die Ermordung der Frau ebenso unausweichlich
wie der Wahnsinn des Manns.Wenn Frau sich nach einem gehörten Autounfall
in eine Wohnung flüchtet, dann tritt sie die Schamanin an genau so
zwangsläufig, wie das für den zweifelhaften zynischen Witz eines
amerikanophilen Koreaners gilt.
Wurscht ist, was zwei Enden hat. Huhu!
Und sonst? Wenig Durchgedachtes, viel Gluschtereien.
Wir sind die Klinik. huhu! Wir schwanzen, jaja! haha! haha!
Er aber verbringt den nächsten Tag wie sonst. Denn wer weder trinkt,
noch tanzt noch schnakselt, wer nur ... redet - der auch fit ist am nächsten
Tag ... haha!
Ach ... welch honiglicher Labsal da des Rezensenten Auge trübte, wenn sie sich bog, schlaflos in Athen ... aahhhhh!!!! ... den Verliebten die gemeinschi Faschimaschi betrog ... chhhhhhhhh! ...welch Kunst der teutschen Rede - welch lustvoller Wunscht ... stöhn!!!! ... und die leziösen technischen Lampereien im Kindertheater ... uuhhh ...Kultur im Schlaf ... jajaja!
War das nichtindische Indische all die offerierten Gelegenheiten auf
den hölzernern Brettern wert, auf die man verzichtete dafür?
Oder sollten wir umgekehrt der Kritik der NZZ zu Oraculos zustimmen?
Sonst: Kulturstunde: mit Dürrenmatt - hehe!, Aborigines - ? ?, Cuba libre - oleole!, Tango!Tango -MD!, Hausmeisterinnenstunde - bussibusi! und mit Tim Krohn (nebst unrasierten Schauspielern) - bähbäh!
Zuckzuck! Ruckruck! Zuckzuck! .....
Wunschzettel fürs nächste Jahr ... (in Vorbereitung)
Liebes Pereira-Kind!
Wir mögen Dich alle ganz furchtbar gern! Aberr magst Du auch uns und die Kunst?
Natürlich wissen und schätzen wir, dass Du echte Perlen vor die Säue wirfst, die sich da akrat für Schauspiel und nicht für die teure Oper interessieren und wir fühlen uns auch grunzwohl als Säuli, und pudelten uns oft vor Vergnügen bei manchem Entgegenblick dieser Festspiele - unvergesslich die Neumarktcrew nach dem ersten Abend von Sikim for the Living!
Aber wir müssen Dir leider trotzdem ernsten Tones ins Ohr quietschen: Eine Schauspielsau hat hohe Ansprüche! Sie fragt sich zum Beispiel - und dies soll hier wirklich nur ein Beispiel sein - nicht dass das gleich interpretiert wird - "Was Steckt dahinter? Warum werfen die da hinter der Boxwand uns das in die Futtertröge?"
Die Antwort natürlich und auf jedes Beispiel: "Der letzte Vorhang zu und alle Fragen offen?" Wenn wir wenigstens wüssten, welche wir gehabt haben sollten! Gelt! Grunz!
Dein ganz liebes Publikum
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