Kurznotiz, 22. Juli 1998;
Der Asphaltschwumm des Turmfischs lehrte uns mancherlei. Zuerst einmal, das Kuba in ist, weil die Vorstellung ausgebucht war. Dann das gewöhnliches Zürcher Festspielpublikum (aus Deutschland oder von der NZZ) den Salzburger Komfort des Schauspiel Akademie Theaters nicht eben schätzt. Schliesslich, dass verschiedewne Kulturen doch sehr unterschiedlich sein können.
Die Lumpenkostüme wirkten hierzulande plump, die darunter versteckten Glitzerkostüme blass und das nackte Fleisch antiquiert. Der Zauber der Aufführung lag nicht in ihrer Ironie, deren Mattigkeit sie selber entschuldigt, sondern in der naiven, direkten Präsentation bekannter Tanzszenen und -szenarien. Bei allem möglichen kulturellen Missverständnis (oder echter Platitüde), liegt in DanzAlbiertas unretardierten Umsetzung von Ideen und auch im professionell getanzten, laienhaften, unmittelbar Wechsel zwischen gestischen Extremen die Fazination einer für unsere Augen unbekannten, und zumindest deshalb eigen (und also authentisch) wirkenden Körpersprache.
Und was den offensichtlich gemeinten, aber unentdeckbaren Witz betrifft:
Den lieferten die Damen der schreibenden Zunft dieser Stadt nach: Monika
Burris analytischer `Tagi'-Scharfblick brachte die kubanische Truppe DanzAlbierta
auf ihren kolumbianischen Punkt und die beiden von der NZZ rieben, hinter
dem Rezensenten sitzend, schon vor der Aufführung ihren Kren, der
im Text nacher die "(selbt)ironische Brechung von ethnischen Klischees"
lobend herausstrich.