Kritik in Vorbereitung,
Skizze 19. Juli 1998;
80 Minuten Theater für einsame Herzen, zum Preis von 7% eines Stundenservice. Dusche für die schwarzen Füsse (nachher) nicht inbegriffen.
Einzeln werden die Zuschauer durch eine Pipeline künstlerischer Behandlungen geschickt, welche in einem Labyrinth aus Vorhängen, Netzen und Spiegeln auf ihrem Weg auf sie warten - mit der Illusion, sie selber würden den Weg bestimmen (obgleich in Wirklichkeit) ein Abkommen vom Zuschauertunnel kaum möglich ist. Damit scheitert das Konzept schon im Ansatz. Wo es sich verbietet, die ZuschauerInnen wirklich der Angst auszusetzen im Labyrinth verloren zu gehen, wo die Geisterbahn notabene mit superexistentiellen Scherzchen sich begüngen muss, können nach der der Veranstaltunge eigenen Esoterik auch keine Antworten gefunden werden.
Die Wahrnehmung der Erlebnisse im Labyrinth ist im Prinzip eine dreistufige. Unmittelbar wird zuerst der eigene Weg als das vorgegebene Stück empfunden. Dann wird klar, dass die Verkaufsbehauptung, jeder erlebe seinen eigenen Gang wohl zutrifft. Auf dass man im Nachhinein sich bewusst wird, wie unpersönlich ein subjektiv so intensiv empfundenes Service eigentlich sein kann um trotzdem zu beglücken.
Denn dieses geschieht wohl vielen, die Kritiken in NZZ und TAGI sind eindrückliche Beispiele dafür: Daniele Muscioni stellt wie oft sexuelle Andeutungen in den Raum, ohne sich wirklich zu kompromittieren - "... die empfohlene Reisezeit kurz vor dem Schlafengehen. (Eine traumhafte Nacht ist nicht garantiert, aber mit grosser Wahrscheinlichkeit die Folge.)" - und Tobi Müller lässt im Nachdrogenrausch gleich "die Hose runter" und den "übersexten Kreis 4" als "B-Mobvie" an sich vorbeiziehen. Manche Rezensenten (i.e. mindestens einer) wurden trotzdem nicht überzeugt.
Freilich wär' ja alles schön und gut, lehrreich und überhaupt - wenn es zynischer Brechung oder gar Reflexion gäbe, wenn diese theatralische Lebenshilfe statt zu verzaubern und billige Weisheiten zu verschenken ab und zu Leben spielte. Doch sie überlässt die ZuschauerIn ungeschützt ihrer eigenen Naivität und vermag auch sich selbst nicht zu hinterfragen.
Doch das Leben draussen wird es schon richten. Wenn dies die Meinung wäre, Oraculos wäre wirklich eine Gemeinheit. Wäre wenn. Tatsächlich alles Schimäre.
Ein Spiel an der Oberfläche - und dieses Urteil ist nicht nur die
Replik auf die Behängung des Rezensenten mit der Tarot-Karte
des Liebenden ... obwohl es - zugegebenermassen - ein schöner Gedanke
ist, dass ein Kritiker das Theater liebt ... aber: alles Lüge! Tanz
den NZZ!