Kurznotiz, 19. Juli 1998;
Liat Dror und Nir Ben Gal scheidet mit ihrem klischeeierten Israelbild die Geister. Tanz, regelmässig, immer wieder und wieder, in allen Formationen, regelmässiges, kraftvolles, ewig gleiches Runden, Schwingen Kreisen. Man kann kaum dabei sein. Entweder man ist woanders oder man sitzt alleine auf seinem Stuhl in der Zuschauertribühne, angezogen aber aussen vor. Theater, das sich dem Erlebnis verweigert, ein krasser Gegensatz zur Oraculos-Veranstaltung im Kasernenareal.
Theater auch, das die Egozentrik bisweilen bis zur moralischen Widerlichkeit
treibt, wenn beispielsweise Liat Dror sich amüsiert und sich ganz
ihrem Tanz hingebt, während die übrigen 9 Tänzerinnen zur
alles andere als eindeutig bestimmenden Musik sich darauf konzentrieren
müssen, ihr im Gleichklang zu folgen. Diese semi-aktive, `lauwarme'
Replikation, lässt die MittänzerInnen ausser sich tanzen und
zeigt im Widerspruch zur fröhlichen Gruppendynamik, zum Schwatzen,
Lachen und zum erotischen Herumkugeln, das Gespenst der grausigen Wahrheit
hinter dem fröhlichen Kibbutz-Geist: "Every community corrupts, absolute
community corrupts absolutely!"