Zürcher Theaterkritiken 1997/98,
der Gemeinheiten dritter Teil (Sektion v)

 
 

The Dance of Nothing in der Gessnerallee --
Gemeinschaft, Hierachie und ein müder Rezensent
 
 

Kurznotiz, 19. Juli 1998;

Liat Dror und Nir Ben Gal scheidet mit ihrem klischeeierten Israelbild die Geister. Tanz, regelmässig, immer wieder und wieder, in allen Formationen, regelmässiges, kraftvolles, ewig gleiches Runden, Schwingen Kreisen. Man kann kaum dabei sein. Entweder man ist woanders oder man sitzt alleine auf seinem Stuhl in der Zuschauertribühne, angezogen aber aussen vor. Theater, das sich dem Erlebnis verweigert, ein krasser Gegensatz zur Oraculos-Veranstaltung im Kasernenareal.

Theater auch, das die Egozentrik bisweilen bis zur moralischen Widerlichkeit treibt, wenn beispielsweise Liat Dror sich amüsiert und sich ganz ihrem Tanz hingebt, während die übrigen 9 Tänzerinnen zur alles andere als eindeutig bestimmenden Musik sich darauf konzentrieren müssen, ihr im Gleichklang zu folgen. Diese semi-aktive, `lauwarme' Replikation, lässt die MittänzerInnen ausser sich tanzen und zeigt im Widerspruch zur fröhlichen Gruppendynamik, zum Schwatzen, Lachen und zum erotischen Herumkugeln, das Gespenst der grausigen Wahrheit hinter dem fröhlichen Kibbutz-Geist: "Every community corrupts, absolute community corrupts absolutely!"