Kurznotiz , 10. Juli 1998;
Das Gastspiel des Théâtre de la Fraternité aus Ouagadougou (Burkina Faso) wurde eifrig beklatscht im Neumarkttheater und die Gesichter der Heimgänger waren durchwegs zufriedene. Ein Rätsel wie so viele in der Zürcher Theaterszene.
Mag sein, dass auf einer höheren Bühne oder gar im Freien die Vorstellung anders und wesentlich besser zur Geltung kommt (weil dann das Bühnenbild ganz aufgestellt werden könnte). Mag sein, dass die (authentisch scheinenden) Charaktäre von Afrikanern, Leuten aus Burkina Faso, den Ouagadougouanern, als bekannte Dorfcharaktäre wiedererkannt werden und ihre Verpflanzung in den Dürrenmattschen Kontext wesentlich lustiger noch ist, als die Beibehaltung der europäischen Städtenahmen aufs hiesige Publikum wirkt (das ist der Express von Venedig nach Stockholm ... glucks!).
Da Theater aber, Festivallismusgejeier hin oder her, eine lokale Angelegenheit
ist, fast nur im Jetzt und im Hier stattfinden kann, bleibt für das
Publikum nur der Eindruck guten Willens, Dürrenmatt mit semiprofessionellen
Mitteln zu spielen. Die Lebensart der Darsteller und der Zynismus der Schweizer,
dies nimmt man von diesem Theaterabend mit, sind allzuverschiedene Gesellen.
Oder auch nicht. Denn dem Publikum hats ja (von einigen, die vorzeitig
gegangen sind, abgesehen) gefallen. ...
P.S.: Der Tagi beobachtete z.T. Ähnliches und schloss daraus,
dass die Aufführung ein grosser Erfolg sei. Ein Unbedarfte fragte
sich, wie sie's denn meinten ...