Zürcher Theaterkritiken 1997/98,
der Gemeinheiten dritter Teil (Sektion s)

 
 

Uttarpriyabarshi --
eine farbenprächtige Show in der Schauspiel Akademie
 
 

Notiz, Version 8. Juli 1998;

der unmittelbare sinnliche Eindruck
oder
eine Idee der guten alten Broadway-Cabaret/Tanzshows
oder
die maskenhafte Lächelstarre des Friedens

Symbole, Krieg, Herrschaft, Rachegeister, Frauen, Weiser, Frieden - so die Kurzzusammenfassung, Details mögen Sie, geschätzte Surferin, bei verständigeren erfahren. Modernes experimentelles Theater aus dem indischen Subkontinent, aus einer Provinz, die seit einem halben Jahrhundert einen blutigen Befreiungskrieg gegen den indischen Staat führt, ein Plädoyer für den Frieden und gegen die Unterwerfung, das uns sehr amerikanisch vorkam.

Der Ort der Aufführung, das SAZ-Theater, bietet den sensibilisierenden Andachtsrahmen, dessen das Fremde bedarf, um sich für den zynischen westlichen Konsum zu erschliessen. Und entlarft die Zeitungsfüller, welche darüber plärren, dass das Theater der Nationen (das den Auftritt organisiert hat), und die internationalen Festivals überhaupt, letzlich zur weltweiten kulturellen Nivellierung führen, als Wahrnehmungsdefraudanten.

Freilich, im Wesentlichen kommen nur Stimmungen rüber, doch die einfache Technik, wie diese erzeugt werden, ist eine lehrreiche, die es ermöglicht, aus dem kulturellen Event, der vordergründig Bildung anbietet, tatsächlich ein bisschen Erkenntnis nach Hause zu nehmen. Oder ermöglichte. Denn die beiden Aufführungstermine lagen besonders ungünstig: der Samstag des Züri-Fäschts mit einem der Viertelfinalspiele der Fussball-WM und der Sonntag nach dem Samstag (im Fall des Rezensenten der Sonntag, an dem er um 6 in der Früh nach Hause gondelte).
 
Die angedeutete politische Botschaft blieb übrigens eine fragwürdige - wenn auch im Kontrast mit der beschämenden Entgleisung der  Schlagzeile der Sonntagszeitung vom selben Tag eine notwendige: Der Frieden sind aufgesetzte, láchelnde masken, welche in ihrer Interpretation auf die traditionellen Wurzeln offensichtlich anders wirken als in der mitteleuropäischen Apperzeption. Womit das Theater wieder einmal damit endete, dass wir begriffen, dass wir nichts begriffen hatten:-)