Zürcher Theaterkritiken 1997/98,
der Gemeinheiten dritter Teil (Sektion q)

 
 

En Soort of Hades --
heitere, holländische Fürchterlickeiten,
ein vollumfassendes Kaleidoskop 
 
 

in Arbeit, 7. Juli 1998;

In dieser Abteilung für psychisch Kranke gibt es alles, was so das Herz and mittelgrossem menschlichen Elend begehrt. Einschliesslich polizeilichem Übergriff. Was fällt Ihnen so ein? Gibts. Gibts alles hier.

Aber immerhin, es geht lustig zu. Leider sind für den des Holländischen Unkundigen, nur einige einfache, der zahlreichen, überlappend und sogar parallel sich abspielenden Geschichten verständlich.So rückt beispielsweise aus verständlichkeitsgründen die Geschichte der Tochter, die den Vater beschuldigt, sie sexuell missbraucht zu haben ins Zentrum des Geschehens.

Die Bühne schliesst direkt quer an die Zuschauertribühne an, ein hoher Saal mit verstreuten Krankenhausbetten, einer Fernsehecke, Tischen mit Zeitschriftenstapeln, Telefonmünzapparat und einem Sekretär für den sporadisch anwesenden Arzt. Eine schattenlose Hölle in die einzelnen klare, wenn auch bisweilern missverständliche, Konturen haben. Der Wahnsinn steht den einen breit, den anderen schmal ins Gesicht geschrieben, Verzweiflung, Hektik, Verbohrtheit, und die wenigen Besucher, vor allem ein Ehemann und der der oben erwähnte Vater, sehen auch kaum gesünder aus.

Die Wirkung der Aufführung in der Sprachfremde beruht auf der Furchtbarkeit der Erkenntnis, dass die hier Gestandeten durchaus heilbar scheinen, Menschen wie Du und ich, und doch eine Rückkehr ins Leben unmöglich scheint. und in der schier überwältigenden Erheiterung, die dem Anblick von Leben im Leiden innewohnt. Ob dies bisweilen zum Kitsch kandiert, oder wunderschönes Theater noch diesseits des Allzumenschlichen, oder schlicht deprimierend langweilig, ist Geschmacksfrage. Katharsis? Vielleicht.

Die Tiefe des Stücks oder die Oberflächlichkeit seiner Klischees ist für den Rezensenten mangels Sprachkenntnissen nicht entscheidbar. Die Art und Weise, wie die Botschaften von Text und Text und Spiel und Kontext einander gegenübergestellt werden, war aber einen 3-stündigen Sprachkurs wert. Selten, dass einer Erzählung von der Vergewaltigung der Töchter einen derart belustigt.

Distanziertes Mitgefühl statt Verständnis ist an diesem Abend die Publikumstherapie. Man mag dieses lebendige holländische Spital mit seinen starken Schauspielercharaktären für eine grosse Lüge halten und sich an der Volsständigkeit des Sammelsuriums stossen,  eine Verdummung ist es trotz seines humanistisch apllativen Charakters einmal nicht. Schade, dass diese Form von Esoterik so wenig Besucher anzog.