June 19, 1998
Leonce und Lena im Schauspielhaus Zürich --
ein bürgerliches Trauerspiel ![]()
SchauspielerInnen haben nicht immer Lust zu spielen,
Regisseure und Bühnenbildner haben den PC entdeckt,
höhere Ideen gab es zuletzt vor 150 Jahren,
die Sprechtechnik der Schauspielhauscrew ist sehr gut,
warum also dieses Theater im Theater,
wo doch der Sommer vor der Tür steht
und es im Utoquai gleich lustig ist?
Die Regie bemüht sich, uns und das Bühnenbild, sorgt für Action - mit Hechtsprung ins Fensterloch und Selbstertränkung in der Waschmuschel - und - weils im Lied der Heimat so erfolgreich war? - fúr ein bisschen noistalgische Chambriererei, für psychologische Interpretation, mit Wilson-Blue als Backup. Auf der Bühne anwesend, im eigentlicheren Sinn, ist nur der fast-debile alte König. Leonce erzeugt zwar immerhin noch Geräuschkulisse, Valerio buhlt um den Beifall des jungen Publikums, der Haushofmeister heisst Jens Winterstein und dem Aufputz der Gouvernante sieht man an, dass er komisch sein soll, aber die im Titel angekündigte Lena ging der Regie samt dem Rest der Komödie verloren. Zwar vermeint sich der Rezensent an ein weisses Kleid zu erinnern und dass sie tatsächlich aufgetreten ist, aber das war immer nur sehr kurz.
Sie können, verehrte Leserin auf jeden Fall ganz beruhigt sein - um eine Liebeskomödie handelt es sich nicht, von Zynismus oder gar Sarkasmus kann keine Rede sein. Das Fleisch was geschnitten wird ist königlichster Hofpipopanz aus lang vergangner Zeit. Dafür erleben Sie aber, ganz gut gesprochen, die Tristesse männlichen Intellekts - und das Leid einer verflossnen Geliebten: einen schwarzbraunen Verzweiflungstanz, um es politisch inkorrekt zu formulieren.
Theater zum Leiden, am meisten für den Rezensenten, dem es wohl wieder einmal nicht gelungen ist mit dieser Kritik, zu kachieren, wie sehr er sich gelangweilt hat. Leute wie er sollten sich solche anspruchsvollen produktionen nicht anschauen.
.