April 12, 1998This page is part of Zurich's
Cynical Theatre Guide. It presents reviews of theatre
shows performed in one of Zurich's 10 major theatres (Opera, Schauspielhaus,
Theater Neumarkt, Stadthof 11, Theaterhaus Gessnerallee, Schauspiel Akademie
Theater, Rote Fabrik, Theater an der Sihl, Theater Heddy Maria Wettstein,
and Theater an derr Winkelwiese). Most reviews will be written in German,
but we shall also publish short notes and commentaries in English.
Programm
Die Antwort dieser dankenswerter Weise letzten Herbst von einem Kinderpsychologen der Universität Fribourg in ch.talk aufgeworfenen Frage ist offensichtlich. Kultur bestand schon immer in der Selektion! Intelligenz, welche eine conditio sine qua non für Selektion ist, kann sich nur ausserhalb menschlicher Planung in der totalen Vorraussetzunglosigkeit entwickeln! Deshalb muss es zentraler Bestandteil des N.-Nachtcafe-Konzepts sein, dass es kein Konzept gibt, sondern nur eine praeapperzeptionistische Intuition der Handlung. Deren Illusion muss gestützt werden durch ein Auftreten der Charaktäre, welches jedweden Bezug zum Diskussionsobjekt verschleiert. Der Professor muss klarstellen, dass er selbst in den letzten 10 Jahren keinen direkten Kontakt zu Bibliotheken hatte. (Z.B. kann er für Zettelkastenbibliotheken plädieren und zur Untermauerung ex contrario kann er derzeit gerade eine Bibliothek planen.) Der Journalist muss fast (sic!) völlig dem Klischee eines weltentfremdeten Internetfreaks entsprechen. Dieser Eindruck sollte, ebenfalls ex contrario, durch sporadische `gescheite' Einwürfe verstärkt werden.
Der Kern des Spiels ist letztendlich die Erzeugung des dramatischen Leidensdrucks eines Werdens aus dem Sein das durch das Werden behindert wird. In Übereinstimmung mit dem virtuellen Plauderwesen passiert dieser aber nur in Vorstellung bei der Annteilnahme der Zuschauer am Leid der beiden Veranstaltervertreter, dem Intellektuellen und dem leichten Mädchen. Auf einer billigen Ebene wird der Kulturstau durch die sinnwidrige Verwendung des Wortes Kultur symbolisiert, zu der ja in erster Linie auch technischen Wissen zählt (d.h. neben dem Wissen um die Herstellung auch das Wissen um den vernünftigen Gebrauch von Werkzeugen). Psychologisch untermauert wird das Auftreten des Professors als Vertreter der Kultur gegen die Vermehrung von Kultur durch sein Toilettenargument, welches mit dem Angeben beispielhafter Literatur noch verstärkt werden kann (z.B. `Il principe' von Macchiavelli, um die Assoziation vom Herrschen und Zurückhalten kulturellem Fortschritts durch Verteilung von intellektuell anspruchsvollen gesellschaftlichen Funktionen nahezulegen, ins rechte Licht zu rücken).
Wichtig ist (N^4!) die Doppeldeutig- und also -bödigkeit, die Ungleichheit des Ähnlichen, oder wie sie da so sagen. Der Professor will vorselektionierte Bücher für Auserwählte. Hier könnte ein zweiter Professor im Publikum eingeführt werden, der mangelnde Selektion des Professors im Stück für das Stück beklagt. Möglicherweise könnte man die Professoren durch echte Professoren darstellen lassen, um wiederum ex contrario ... Dazu gehört auch, dass die Einwürfe des leichten Mädchens - 40 kg? - möglichst grundgescheit sind. Den normalen Zuschauern erscheint es so kompetent und adrett, vor den Insidern hingegen distanziert es sich janusgesichtig von der blinden Weltfremdheit des Intellektuellen. So primitiv und ungestalt die Kritik des Intellektuellen, so präzise und vernünftig der Rettungsversuch der Abseilerin - auf jeden Fall zu einem Zeitpunkt, da die Sinnlosigkeit der Veranstaltung gesichert ist.
Kommentar, erste Skizze 15.1.98;
Das Kochrezept ist einfach. Man kündige eine Veranstaltung zu
einem Zeitthema an, mit einem Text der pseudo genug ist, um die Leser des
Programms zu faszinieren und tatsachennah genug, um sie vom Besuch der
Veranstaltung abzuhalten. Bei der nächsten Subventionsdiskussion kann
man dann erfolgreich auf derartige Veranstaltungen verweisen: Die Zahl
derer, die das Programm gelesen haben ist wesentlich grösser als die
Zahl derer, die dort waren oder wissen, was dort geschah. Also kann man
davon ausgehen, dass man für den billigen Preis des Verfassens der
Ankündigung die Chancen auf Subventionen signifikant vergrössert
hat. ..... (Fortsetzung folgt)
.....
Wenns den Theatern nicht so recht läuft muss Aussertheatralisches her! Zum Teil (vermutlich) ernst gemeinte Veranstaltungen, beispielsweise versucht das Theater an der Winkelwiese die Diskussion über die Beihilfe zum Selbstmord älterer schwergebrechlicher oder -kranker Menschen zu stimulieren, zum Teil auch ernst gemeinte, siehe oben, am besten aber Geselliges und Gesellschaftliches, nämlich Parties: Schlagerparties!
Winkelwiese und Neumarkt haben es am letzten Ende vorgemacht, es werden hoffentlich andere nicht folgen. Zwar schaffte der fast alles fressende Rezensent es nicht, sich einen überblick zu schaffen, aber nach dem "Abend der Leidenschaft im 2. Stock der Villa Tobler mit der theaterfalle zürich und einer Kurzbesichtigung der Schlagernacht im Neumarkt, kniff er feige vor dem Besuch der Schlagerparty in der Villa Tobler.
Aber warum?
Was treibt zu solchen vermutlich sogar für den Grossteil der hiesigen Theaterleute masochistischen Übungen? In der Winkelwiese ist es vermutlich die nicht ganz unberechtigte Angst den bevorstehenden erzwungenen Exodus (auf Zeit?) aud der Villa Tobler während deren Renovation nicht zu überstehen. Die geplanten oder zumindest angekündigten über die Stadt verteilten Aktivitäten mit Focus Hurenviertel (Zwinglistrasse?) sind zwar eine grosse Chance für eine künstlerischen Neubeginn und eine Änderung der Publikumsorientierung, doch zum einen ist oder wäre der Erfolg eines derartigen Unterfangens objektiv betrachtet zumindest unsicher, zum anderen ist es, pessimistisch formuliert, unwahrscheinlich. Nach unserer zynischen Beurteilung fehlen hierfür Know-how und Interesse.
Zwar gibt es persönliche Übereinstimmung zwischen der derzeit in der Winkelwiese aufspielenden theaterfalle und der Gruppe Engel, welche 1996 mehr gesellschaftlich denn künstlerisch erfolgreich ein Weihnachtsspiel in der Hohlstrasse 30 organisiert hat, doch deren beider Hang zu esoterische Ironie ist nur in Ausnahmefällen - Engel im Turm, Dezember 1997 - erträglich und stellt in der Leidenschaffts-Praxis fast schon eine delikthafte schwere Drohung dar, welcher geradezu physische Tätlichkeit eignet. Sprachlich unsensibel, unfähig zwischen Schrott, wirksamen Kitsch und ansatzweiser Poesie zu unterscheiden serviert man dem Publikum einen schillernden fehlfarbigen Brei, an dessen abgeschmackter, humorloser Ungesalzenheit man nur schweres Liebesunglück der KöchInnen diagonstiziert werden kann. Theater für die kompromissgeschädigte, partnerschaftliche Witzegesellschaft, welche/s in alttestamemtarischer Strenge intellektuelle Analyse, Sarkasmus und Witz ablehnt. Nette Menschen, nettes Theater, nette Gesellschaft, aber ach, so bigott prüde, dass ihnen Bernhards journalistische Tätigkeit eine schlimmere Schande wäre als ein weiblicher Orgasmus.
Aber, who knows! Vielleicht passiert gerade dort und dann Kunst,
wo sie am wenigsten verdient ist. Das Neumarkt Theater beweist ja
schon ja seit Jahren dass Publikumsgunst die Kunst nicht auschliesst.
So traten sie dann an, die Opapas, die Tanten und Onkels, Anständige
der Kinderschändergeneration, im Neumarkt, zum Tanz, gestylt.
Schlagernacht! Und sie werden dieses Theater, so die Hoffnung,
vor Subventionskürzungen bewahren, es schützen vor dem Zwingligeist
dieser Stadt. Vielleicht.
Aber - steht es so schlimm? Ist es wirklich wahr, dass das Neumarkt heuer nicht zum Berliner Theatertreffen eingeladen werden soll (obwohl der Neumarkt-Krapp , tapsig hin oder her, ein überlegenswerter Kandidat für diese deutschsprachige Leistungsschau wäre)? Kein Imperial Motel (hoffentlich), kein Faust II (wohl auch nicht) in Berlin? Ist der Schlager die letzte Rettung des Neumarkts?
Es wird böse enden. Aber das ist ja auch dumm, oder?
Der Objektivität halber - warum eigentlich - sei hier vermerkt,
dass die Schlagernacht im Neumarkt am letzten des Jänners eine Veranstaltung
des Altstadthauses war, man dem Herausgeber eine weidlich ungenutzte Presseeintrittskarte
gewährte und nach Mitternacht der Spass vermutlich dann doch richtig
losgegangen ist. Der Mephisto aus Faust
II schien es auf jeden Fall noch abzuwarten, aber was bleibt einem
armen Tropf schon für eine Hoffnung, der sogar einen derart blassen
Fauenliebling wie den Neuenschwandner-Faust nicht halten konnte.
Demnächst wieder Anspruchsvolles in Zürcher Theater
- oder auch nicht.
In der guten Tradition samstagabendlicher Fernsehquizsendungen gestaltet sich Romulus Enthüllung seiner jahrzehntelang befolgten Strategie gegenüber seiner Frau mehr zur Abrechnung von Ehegründen eines alten Ehepaares denn zu einem dramatischen Moment der Wahrheit. Der nachfolgende Kaisermord wäre eine Farce - Romulus Verurteilung seiner Mörder mit Ausnahme Aemilians sind nur Worte, weder hohl noch von Gewicht - wenn nicht die Nachricht von der Ankunft der Germanen die grenzdebile Schar von letzten römischen Würdenträgern in die Luft schlüge. Die erweisen sich dann exemplarisch freilich als noch grössere Schwätzer als der Kaiser und unterwerfen sich prompt - dürrenmatt so logisch.
Die Anleihen von Regie und Bühnenbildgestaltung am Kindertheater und an Beckett sind unübersehbar - entsprechend gespalten reagierte die Presse. Zitiert wird - wer hätte das gedacht !! - das Endspiel, oder auch nicht, zumindest nur ein bisschen. Die Situation ist von Anfang an unwirklich: Ein Rom, dass nur mehr aus einem Bauernhof besteht, in einer heutigen Welt, in der die Hochfinanz als weltweit agierende Hosenfirma ihre Fäden zieht. Und ein Kaiser, der mit den letzten Blättern seines goldenen Lorbeerkranz seine Rechnungen bezahlt, ein gewandter Glatzkopf als vereitelter Romaufkäfer und ein Theoderich als zweite einer Doppelrolle, deren erste als androgynes Hosenmodell den Kaiser vom Hosenkonzept überzeugen soll.
Letztendlich scheitert die assoziationsreiche Inszenierung (und an Dürrenmatt) an sich selbst, oder plakativer formuliert, am realitätsnahen Herumspazieren der Hühner auf der Bühne und dem daraus resultierenden märchenartigen Eindruck der Palastszenerie. Mag der buntfarbige Bühnenhintergrund auch kitschig wirken, so begrüdet er doch kinem schrägen Humor, der Idee und Wirklichkeit in Einklang bringen könnte. Andererseits aber bleibt Dürrenmatts Geschichte als ernsthafte historische Möglichkeit im vorgestellten Szenario nicht vorstellbar.
Romulus' jenseits von abgeklärtes Opfer-Kalkül, Rom durch seine Herrschaft den Germanen zur Beseitigung auszuliefern, erscheint unglaubwürdig, seine Existenz ohne Hinterland eine absurde Theateridee. Das tumbe Deutschtum der wilden Germanensöhne im zweiten Teil läft in einem abstrakten Raum ab, dessen ästhetischer Bezug zur postpost Atmosphäre des ersten Teils sich zumindest dem Rezensenten nicht erschloss. Es erinnert an filmische Glanzleistungen a la "Als die Frauen noch Schwänze hatten", doch damit hat es sich. Bindeglied der Szenenfolge ist nur Cziesla, der irgendwie und sowieso unbeeindruckt im grunzzufriedenen schauspielerwo spielt, weit weg oder überdrüber irgendwelchen tödlichen Wirklichkeiten.
Gezeichnet wird so mehr ein Sittengemälde eines - hochkarätigen - Schauspielerstalls denn eine eigentümliche geschichtliche Episode: Anne-Marie Blanc tritt auf, weil sie schon bei der Uraufführung vor 50 Jahren dabei, Gardi Hutter tritt auf, weil sie Käse ist (und versucht vor jedem Akt den Vorhang zu bemalen) und Kronlachner schlurft vermutlich auf, weil sich mittlerweile nicht einmal mehr sein Kontrabass regelmässig ausverkaufen lässt. Und die Regie verzichtet auf die Anklage Romulus, auf die die erklärtermassen von Dürrenmatt beabsichtigte Freisprechung folgen könnte, weil das gebildete Publikum seinen Dürrenmatt schon in- und auswendig kennt.
Und die jungen, die Dürrenmatt nicht verstehen, die finden sich
das Schwertschwingen Theoderichs und andere Gags lustig. .....
Vor der Pause amüsierte die Cie Philipp Saire mit herzerwärmendem Witz und naiv pseudowissenschaftlich Anatomiestudium der zweifelhaftesten Art. Nach der Pause auf den Lichtbalken in nachtschwarzer Bühne setzte dann die Schwerkraft dem tänzerischen Versuchen bisweilen doch recht enttáuschend klare Grenzen. Kunst ist also doch schwieriger als Unterhaltung? Nein, so einfach ist das freilich nicht. ....................
Das brillianteste und klareres Programm als die leicht philosophischen
Texte der `Hintergrundinformation' (welche es trotzdem wert wären
als Programm herausgegeben zu werden),ist das Plakat der Produktion, das
mit fotographischen Mitteln ein Wesen des Tanzes auf den Punkt bringt:
den Augenblick. Leichtigkeit meint in dieser Produktionen den einen Augenblick
von (empfundener) Schönheit und Schwerelosigkeit; keinen gestellten,
gekünstelten, getricksten, sondern einen der vor dem Rückfall
zur Erde kommt. Und dafür, um ihn zu erreichen, wie ihn zu schätzen
braucht es das Mass, das im ersten Teil genommen wird (nicht ohne so manchen
guten dummen Witz und ein bisschen Selbstbespiegelungserotik). Im zweiten
Teil wird der Augenblick durch die klar durchkonzipierte Lichtregie
unter anderem räumlich erzeugt. Doch die Konsequenz der Inszenierung
fordert Opfer und trotz oder wegen teils überzeugender Augenblicke
enttäuscht manche erdendenschwere Bewegung doppelt. Damit hat die
Produktion auch ihren pädagogischen Wert, die Konzentration auf das
Wesentliche zu lehren, die Loslösung von der Gesamthaftigkeit.
Was ist das ganze, das sich öffnet für die Analyse? Wo beginnt die Tragödie, der spätere Wahnsinn, das Leid, die Schönheit. Die es gibt. (Im ahnungsvollen Gesicht?) Wie vögelt es sich in der Partyszene?
Die britische Theatergruppe Frantic stellt diese Fragen, indem sie durchtrainierte kleinfeiste Partcharaktäre purzeln und ihre Welt aufsagen lässt. Antworten legt sie nicht nahe. Der Vorhang zu und wirklich alle Fragen offen.
Das Publikum hat es begeistert.
Das Szenario ist, wie es bei Musil üblich ist. Tina Engel und Ernst Stoetzner spielen cool philosophisch ambitionierten PD für Medizin und geistesverwandte, wenn auch nicht wirklich verständige Ehefrau, Wolfgang Maria Bauer anselmt kopfverwindend den Aussteiger und Anne Tismer verinnerlicht schief das esoterische Frauenzimmer, Schwägerin des PD und Ehefrau seines ordinarialen vätzerlichen Freunds Josef. Zeitlos alle, weder damals, und noch weniger heute.
Opfer dieser Schaustellerei wird Ludwig Böttger als Dektektiv Stader, dessen Text vom Wissenschaftlichen im Detektiven im allgemeinen Sinnnirwana vollends blödsinnig wirkt. Manches böte sich da an, doch die Dramaturgie verehrt wohl Franz Joseph H. (und wird konsequenterweise im Web-Programm gleich gar nicht erwähnt). Dafür kann sich Gerd Böckmann als hölzerner Josef gut in Szene setzen, zumal er sich nicht an heutigen Realitäten messen muss.
Geredet wird - naturgemäss - viel, interpretiert entsprechend musilant sparsam. So kommt die Unspielbarkeit des in allen Charätären gescheiten Texts recht gut zur Geltung. Dort wo es sinnvoll möglich ist, erzeugen Pausen zur lokalen Sinnverkehrung von Sätzen Interesse und Spannung. In Textpassagen ohne Argumente aus dem scheinbaren Gegenteil hingegen, gehen die Darsteller vollkommen in die Sprache ein, dass die Gedanken des Publikums leicht enteilen können.
Die Psychologie bleibt dabei aussen vor. Die eigenartige Atmosphäre der kleinen Gesellschaftserneuerer-Gesellschaft, in der anspruchsvolle Wortschwalle selbstverständlich und die Sprachdukten mehr als nur ähnlich sind, wird hinter den wahnlosen Fluchtideen der frigiden, nach Demütigung schmachtenden Gattin Josefs versteckt. Die im Hintergrund sichtbare, unscharfe, saftige Natur deckt dazu als Metapher das Spezielle der Szene zu, statt es zu kontrastieren, und hindert so ebenfalls die Einordnung des Geschehens.
Die Zuschauer erleben eine wirklichkeitsnahe und doch nicht ganz fassbare, eine im naiven Detail unstimmige Traumwelt, deren letzte Konklusion die ist, dass Intellektt konsequent verstanden doch nur wieder Esoterik ist. Hier und jetzt und heute oder damals historisch betrachtet gibt es nicht.
Modern weil zeitlos also. Aber immerhin gut übertrieben. Wussten
Sie übrigens, dass aus Modern Moder wird, wenn ein Rezensent sich
ein bisschen schwer tut beim Tippen? (vermutlich eine freudsche fehlleistung
- grins)
Hans Tuerlings Choreographie befremdet und fördert Ratlosigkeit. Das Spiel pendelt zwischen allegorisch anektdotischem Konkreten, diffusem Nichts und abstrakten Bewegungsbildern. Man ziert sich und spielt untereinander, undurchschaubare, meist sinnleere Spiele. Eine menage a trois ohne erkennbare Leidenschaft, und manchmal auch nur ein Nebeneinander im riesigen Badezimmer (im Hause d'Annunzios in Pescara?!) mit grossem Perserteppich. Nicht Fleisch, sondern Stellungen werden gezeigt, Schamhaare als Sekundenglück und nackter Blitze-Po im Donnerkrachen sind mehr Plastiken zum Schauen denn Verführungen zum Handeln, Gehen und auf allen Vieren Kriechen sind ästhetische, grossräumige Ornamente, welches das gute alte deutsche Wandertheater gekonnter realisieren als dieses je sich selbst verstanden hat. So entsteht geometrische Struktur, aber stes nur ein bisschen, wie auch die drei Darsteller als Vögelchen auf der Bühne fröhlich springend bisweilen über die Bühne wirbeln, ohne wirklich in die Höhe zu kommen. Die lange Weile kräuselt sich stets nur lokal. Veränderung passiert nur als dramatiischer Durchlauf des Konzepts.
Das Spiel funktioniert, weil es, durchaus vordergründig und insgeheim, das Publikum miteinbezieht. Gar manche/r hält für erotisches Geplänkel - die Kritiken in der Pressemappe zeigens zynisch unkommentiert - was sich als quälende Langeweile gibt: beispielsweise und exemplarisch im Faltenspiel einer Rückansicht. Was Männer aus Höflichkeit so treiben, wenn sie eine Frau nicht alleine lassen wollen, wie sehr sie auch gelangweilt sind, es wird nicht immer recht verstanden (von Kritikerinnen). Der Blick in den Spiegel, in dem manch einer auf der Uhr die restliche Dauer der Langeweile errechnet, erheitert kaum, so er denn überhaupt getan wird. Dafür erregt er - offensichtlich - und bewegt so doch - minim - die Ereignislosigkeit dieses allerlangweiligsten Schauereignisses.
Aber eben., eben. Gerade die so direkt ausgegebene Langeweile ist nur eine halbe Sache. Eine unergründliche Faszination erhält der dramatischen Vernunft zum Trotz die Aufmerksamkeit - zumindest die 55 Minuten, die die Auffhrung dauert. Zurück bleibt danach die Überzeugung, dass der am Ende so gar versiegende Spannungsfluss beabsichtigt und freie Wahl des Choreographen ist. Wollte er, könnte er wohl, wenn nicht 2 so doch 1 1/2 Stunden uns langeweilen. Sein Nicht-Theater beweist sich selbt darin, dass das Publikum in der Meinung, nicht aber im Ort spaltet. Der ödensten Handlungslosigkeit brachte (am 1. Vorstellungsabend) das Publikum respektvolles Schweigen entgegen und blieb; die meisten auch noch lange nachher im Foyer des Theaterhauses, um das Phänomen der Produktion - meist wohl ergebnislos - zu besprechen.
Der Charme der Produktion liegt zweifelsohne in der naiven, puren Schönheit
mancher Szenen, welche freilich nie ein Mass erreicht, das weitergehenden
Ansprüche an den Fortgang fordern würde. Die Bescheidenheit
der Handlung lässt die motorischen wie die inhaltlichen Bilder zur
Geltung kommen und Sinn und Schönheit entfalten. Fast unbemerkt entfaltet
Tuerling mit den drei - vom eher betrüblichen Herumspringen und anderen
Bewegungsversuchen abgesehen - bravourösen TänzerInnen
eine ganz und gar intellektuelle, sinnliche Welt, in der vieles an Gedanken
verwirklicht wird, wenn auch manches misslingt. Kein ganz grosser, aber
doch ein mehr als nur wichtiger Theaterabend. Oder, wie bei Wilhelm Busch,
auch auf die Gefahr hin konkret missverstanden zu werden. Dies war
der dritte und bisher tollste Streich im tanzmonat januar, doch die abschliessende
Furchtbarkeit folgt sogleich: 28. und 29. Jänner, Bagnolet Schweiz.
Mit grosser Energie treibt das Duo Roswitha Dost und Bern Rumpf sein Publikum durchs Theaterfigurenkabinett des Autors Lutz Hübner, in dem verschiedene Prototypenpaare Regisseur/Schauspielerin stets die Kästchenszene aus Faust I (eben Seite 89 ff) proben. Rumpf setzt sich die Larven der verschiedenen Regisseurstypen auf, kriecht geradezu in diese Figuren hinein und reichert sie noch durch Dialekt an, Dost überrascht bisweilen mit sensiblen sinnstiftenden Sprechungen der Gretchenworte, als Kontrast zu hilflosen, rüden oder dümmlichen Verhunzungen.
Das Ergebnis überrascht nicht wirklich: Wo immer Goethes Text tatsächlich zur Diskussion steht (und sich Autor Hübner und Regisseurschauspielerregisseur Dost genügend Zeit genommen haben sich dem eigenen Text sorgfältig zu überlegen) entsteht Spannung, passiert vielleicht Theater - wo nicht, dort ist es halt wie in einem ein bisschen besseren Lustig-Kabarett: "Gscheit sein, über die anderen lachen!" Der Versuch, mit Klischees Theater zu machen ist mutig und bei vielen Szenemenschen auch erfolgreich (nur dass es die halt in Bern nicht in so grosser Zahl gibt), er entspräche aber mehr dem, was man von einem Stadttheater in einer Kleinstadt erwartet. Dass deren Mief überzeugend simuliert wurde, ist ein zweifelhafter Erfolg - für das Berner Schlachthaus wie für die Theatergruppe Klappsitz.
Nichtsdestotrotz, der Theaterort, an dem bis 1911 tatsächlich geschlachtet
wurde, ist einen Besuch wert.
Schlachthaus-Vorschau:
Mitte Februar wird das neue Theater auch von der Schweizer Prominenz beehrt: Nikola Weisse und Werner Lüdi treten mit ihrer Produktion `Madame Thérèse' auf. So die Veranstalter der Versuchung widerstehen können, mehr Plätze zu verkaufen als es hat (wie z.B. letztes Jahr das Theater Neumarkt, vom Theaterspektakel ganz zu schweigen), und Frau Weisse die Untiefen des Stücks voll auszuspielt und auch Werner Lüdi gerade Lust hat Musik zu machen, im Fall, dass all diese Unwahrscheinlichkeiten zusammentreffen und das Publikum passt, könnte dies dank der genuinen Atmosphäre des Spielorts ein theatralisches Kultereignis jenseits der Frage des guten Geschmacks werden. Aufführungen finden vom 18.2. bis zum 22.2. (Beginn jeweils 20.30) statt. Für ein vollständiges Programm klicken sie hier!
Die Nacht ist Szene oft, erhellt nur von Regieideen bei Shakespeare. Doch wenn die grossen Kinder Liebe spielen, dann wird es heller, wenn auch - zum Glück - nicht ganz. Der Einführung kurzer Sinn. Marcelo Diaz, der Direktor des Theaters an der Sihl, versucht sich als Regisseurdramaturg und patscht Liebesszenen aus den Stücken `Hamlet', `Wie es Euch gefällt', `Ein Sommernachtstraum' und `Romeo und Julia' zu einer `Schicksale'-Collage zusammen, dass den einen der Schauer überrieselt und den anderen es eine wahre Freude ist, nämlich ihm und seinen jungen DarstellerInnen. Ob Artisten, Samurais oder shakespearesinistre Gestalten, zur Kunst erklärt sind alle Theater. Und da dieses alles darf, fängt es in der SAZ schon gleich ganz übel an mit dem Versuch, `positive' Massenhysterie durch Musik zu erzeugen. Für einmal ein Musikantenstadel an der Gessnerallee. Olé! Und geht dann in eine Schületheatermoderation à la "... und jetzt laufen die Shakespeareprotagonisten ein ...' über. Wer geht, der soll dies schon in den ersten 5 Minuten tun, so er den Mut hat vor aller Augen frevelhaft dem jungen Blute zu entsagen. Olé! Olé!
Danach gelingt in sporadischen, aber doch zahlreichen Einzelszenen, mit dem einen oder anderen Regiegag - nicht alle davon neu, aber einige recht gut - überzeugender Sinn und es entsteht Spannung, auch wenn die dramaturgischen Spannungsbögen separiert voneinander ablaufen und zu keinen Gemeinsamkeiten finden, ganz abgesehen von der alles zermanschenden Zwischenmoderation. Wo ein zugrunde liegendes Konzept doch behauptet wird, werl irgendwie und sowieso, entsteht hässlich unfärbige Vagheit und Nichtigkeit, die - aber - meist durch die kindlich peinsame Pänetranz der Moderation überkleistert wird. Olé! Olé! Die im Titel angekündigte Schicksalidee bleibt jedenfalls Geheimnis des dramarisierenden Regisseurs.
Dessen Sündenregister im übrigen und weil wir gerade dabei sind, noch ein längeres in dieser Produktion. Ganz oben an der dritten Stelle nach Auftakt und Moderation steht darauf die Gestalt des Pucks: feist und beschränkt walzt sie durch die Gegend und träufelt - elegant gemeint - den schlafenden Schlampen und Schwänzen aus der Stadt stehenden Fusses die rechten Wendungen von der hohen Hand auf die Augen, wenn er nicht der Lustigkeit halber sie auch - versehentlich und folgenlos - der Moderatorin ins Auge spritzt. Man hat sich offensichtlich etwas gedacht dabei, aber was? Olé?
Wie überhaupt die Produktist ion reich ist, an sich etwas Gedachtem. Und der Verdacht keimt bald einmal auf, dass hier einer schlicht einige sausprobiert hat. Die SchauspielschülerInnen tragen keine Masken, sondern sie spielen sich selber. Dies wirkt echt und in Ansätzen auch reizvoll, es langweilt aber auch, soferne man nicht sehr viel Interesse dem Dargestellten entgegenbringt, oder, schlimmer, es belustigt. Symptomatisch für letzteres präsentierten gerade die seligen Heiterkeitsausbrüche der Szene angesichts des Selbstmords Ophelias dem Regisseur ein vernichtendes Urteil über seinen natürlichen Umgang mit den DarstellerInnen. Olé!
Alles in allem, ist die Produktion Schicksale ein im Einzelnen bemerkenswerter und als Zwischenbilanz für die jungen Darsteller durchaus vielversprechender Abend, der aber auch zeigte, wie weit der Weg für die Darsteller zur Schauspielerei noch ist und bisweilen die Gunstbereitschaft des Publikums ein kleines bisschen strapazierte. Regisseur Diaz hat die Gelegenheit genutzt zu experimentieren, den Kindern etwas beizubringen und - vor allem - selber Spass zu haben. Und das Publikum hat die Gelegenheit in die fröhliche Intimität dieses Treibens einzutauchen und den Reiz der Jugend zu geniessen. Die Schauspielkunst aber liegt jenseits dieser knackigen Tollheiten. Sie ist finsterer sozusagen, nicht heller.
Wie auch immer, Theaterinteressierten sei der Besuch empfohlen!
(Und seiens ein bisschen nett zu den jungen Leuten und applaudierens
fleissig!)
Theaterhaus Gessnerallee presented contemporary dance as 3 French radio dramas: Haïkus urbains (choreographed by Yann Marusich), L'armour de la fille et du garçon (Pascal Gravat & Prisca Harsch), and Un instant (noemi Lapzeon). Considering these shows due to invited choreographers as representatives of the state of the art would compel one to demand an immediate stop of any public fundings for dance. We do not mean to criticise that such are indeed subsidized, as eaxh of them was in its own way somewhat attractive, but we do criticize that they were chosen as representatives of Swiss dance.
Contemporary dance which cannot express itself without language is simply absurd. However, all three shows were grounded on their relations to the carpet of noise, consisting in parts - or as a whole in Lapzeon's show, respectively - of spoken text. Dance has often been called a universal language, and so did the organizer of the `Schweizer Tanztage' in his introduction. The selected shows have proven the opposite: Dance may be understood as an exclusive spectacle for the those who have got culture, i.e. they speak the right language. Well, at least one might guess that this was the idea of the organizers from the French speaking part of Switzerland. But maybe, on the contrary they intend to teach us, that only those who do understand the language of art, will eventually be able to realize that it lacks the skill of expressing itself properly ...
.....
Am meisten überzeugen von den gezeigten 4 Produktionen konnte das Heimspiel "Terrain fragile" von Jaccard/Schelling/Bertinelli (wenn auch der Bezug zwischen den schönen Kritiken aus der Pressemappe bzw. der dort abgedruckten Eigeninterpretation und der gezeigten Choreographie nicht gerade augenscheinlich war). Allerdings fehlt es der Produktiom aus dem Jahre 1996 in manchen Szenen noch an Stringenz und an Kraft, etwas zu kommunizieren - sie hat sich sozusagen noch nicht selbst gefunden: mal ist etwas da auf der Bühne, mal erscheint dies gerade beobachtete etwas nur eine Projektion gewesen zu sein. Worum es denn ging fragen Sie? Um interpretierbare Bewegungen, ja. einen Tanz ruckender Puppen, zwei männliche an Fäden hängend, voll Ungeduld, ihre Röcke, sich darin drehend, und eine weibliche, engelhaft, daran hernunterschwebend, die Männer(spieldosen)bedienerin. Um Mutationen, Entkleidungen zu silbernen Geschöpfen, aber um mehr aber dann doch nicht.
"Wörter, nichts anderes als Wörter existieren zwischen uns" und dem Publikum: Der zweiten Choreographie des Abends, "Palabras" von Marcela San Pedro mangelte es ein bisschen an innerem Kontext, an Eindrücklichkeit. Wie die Arbeiten der eingeladenen Choreographen am 1. Tag spielt auch in diesem Tanz der Text eine grosse Rolle. Der Liebesschmerz ist Routine, die kleine Perversion bekannt (und hier nicht genannt) und der Rücken entzückend, doch die Spannung fehlt.
Alsdann folgte Ariella Vidachs lehrreiches "Experiment", ein interaktives System ohne Improvisation und ohne Witz, aber dafür ein weit über den diesbezüglichen, üblichen Unfug sich erhebender Versuch von Multimediakunst. Die Zutaten sind nicht gerade neu, aber mit handwerklichem Geschick zusammengefügt. Videokameras erfassen die Bewegungen der TänzerInnen, das Computersystem gibt diese einerseits auf einer graphischen Oberfläche, die auf eine Leinwand gebeamt wird, leicht verfremdet wieder als Teil einer zwei+epsilon-dimensionalen virtuellen visuellenWelt, andererseits in Form von Geräuschen, welche den Eindruck geben, akkustische Reaktionen der virtuellen Welt auf die Bewegungen, das Eindringen, das Durchgleiten der Körper zu sein. angesichts der Parallelaktion von Tanz und Computerreflektion kommt einem schnell einmal die Ungleichheit des Ähnlichen in den Sinn, es bleibt aber unklar, ob dies der Mailänder Künstlerin beim Entwurf ihres Werks auch so ging. Der Tanz selber verkümmert vor der Videoleinwand und fortschreitend mit der Aufführung verkümmerte auch die Aufmerksamkeit des Rezensenten.
Trotzdem ist das Experiment lehrreich - vor allem deshalb, weil es zum Nachdenken über das Schlagwort interaktiv anregt. Soweit für die ZuschauerInnen wahrnehmbar wird nichts beeinflusst im oder hinter dem Computer, die Aktion findet nur im Benutzerraum, d.h. auf der Bühne statt. Dort aber werden Choreographien vollzogen, in denen die Folge der Benutzeraktivitäten statisch vorgegeben ist und nicht reagiert wird, sondern die im Vorhinein berechnete Aktion vollzogen wird. Die Interaktion ist so schlicht eine Schimäre. Leider eine ernste.
Nach diesem weiterbildenden philosophischen Ausgang dröhnte die
Orma Dance Promotion das Publikum mit Enrico Musmecis Penthiselea zur Musik
von Hugo Wolf schliesslich und zu schlimmer letzt in einen versöhnlichen
Schlussschlaf, welcher dem Rezensenten mit Ohrenstöpseln sanft untermalt
wurde durch ewig wiederkehrendes Gelächter in seiner näheren,offiziell
beschilderten, Umgebung. Leider sind diese Paradoien auf das kjlassische
Ballett immer zu kurz. So wankte er wahrhaft trunken von Angeboten aus
dem Theater zum MacDonalds. Uahhh! Uahhhh! Ahhhh! "Alles völlig bescheuert."
Kommentar, erscheint demnächst (oder auch gar nicht)
Das Theaterhaus Gessnerallee setzte mit seinem tanzmonat einen naturgemäss
widersprüchlichen Akzent, dessen primäre Qualität es war,
Diskussion zu provozieren. Leider wurde dieser Versuch als solcher von
der theaterinteressierten Öffentlichkeit nicht zur Kenntnis bekommen.
Das Publikumsinteresse war bei den 3 Gastspielen und den "Zeitgenössischen
Schweizer Tanztagen" eher gering, bzw. ziemlich einschlägig. ..........
Der Hausherr hat inszeniert und dabei zur Diskussion gestellt, ob denn Theater nicht besser von Nicht-Regisseuren geführt werden sollten. Zu sehen gibt es eine Eheszene: Sie hat festgestellt, er hat einen Lover. Ja mei. Muss man sich dafür ausziehen auf der Bühne. Und natürlich weiss sie nicht, wie darauf reagieren: will sie gefickt werden, oder ekelt sie sich vor ihm. Wie Mann von Frauen weiss, ist das denen ja meist nicht ganz klar, den dummen Ludern. Ihm freilich ist noch vieles andere nicht klar. Lügt einer so erfolgreich? (Hat der männliche Zuschauer da in sich ein untentdecktes Potential in sich schlummern?) Irgendwie kann man ihre Verzweiflung schon verstehen in dieser dramatisch hoffnungslosen Situation, und dies zählt zu den besseren Qualitäten dieses Abends, der ansonsten als Kammerspiel der schlimmeren, nämlich belanglosen, lebensfernen Art, recht langweilt.
Wenn Sie Ihrer PartnerIn erzählen, mit wem (oder was?) Sie in letzter Zeit geschnackselt haben, kommt es Sie vermutlich teurer als ein Besuch im Schauspielhauskeller. Dafür ist es sicher dramatischer und origineller.
Wie auch immer, gähn, vielleicht bsssssssssssssssssahhhhchrrrrahhhchrrrrrahhhchrrrr
Läuft heute der Derrick?
achrrrbssss
Aber cool, der Kerl, irgendwie unecht bsss
Bier, bringst Du mir eins
Bussi
chrrrrrrrrrachr!uaik!
nein, keine solche Lampen, Schatzi
?? ??? ich bin ja im Theater, ahhh, in letzter Zeit bekomme ich im Theater im Hunger ...
Doch ganz im Ernst: Stell Dir vor, Leser, Deine Frau geht mit einer anderen ins Bett und dafür schimpft sie nicht, wenn Du am Abend ins Theater gehst. Würde Dich das stören??
In der Rachearie ist sie ist besonders verletzt eben durch seine Homosexualität? Ein moralisches Klischee, das Regisseur Kuck nicht einmal hinterfragt oder in Zusammenhang bringt mit der Modernität des Paares, er Psychiater, die Wohnung voller Kunst. Statt eines dramatischen Konflikts lässt er uns nackte Weib anschauen, die Biederkeit der Fernsehsiebziger mit der Biederkeit der Theatersiebsziger gedoppelt.
Na ja, immerhin dauert es nicht lange.
Kritik erscheint demnächst ... so es eine Wiederaufnahme gibt
eine Notiz (nebst Empfehlung):
Versatzstücke aus allem und jenem, Erwartetes, Bakanntes, so originell
wie Hasslers unbiederes Akkordeon und seine Kombination mit Celesta, Harmonium,
Klavier und Neumarkt-Scherzen. Zwar kommen Theater und Musik nicht zusammen,
und auf die Dauer fällt es auf, wie daneben die SchauspielerInnen
singen, aber für Theaterlaien ist diese Aufführung sicher ein
Erlebnis! Das richtige, um einem Besuch Zürcher Kultur zu zeigen!
(Und dies meinen wir so zynisch wie ehrlich.)
Eine junge, arbeitslose Frau gibt sich Tagträumen hin. Auf ihrem Balkon schaut sie hinauf zu den Villen der Reichen, die sich dort sicher langweilen vor lauter Wohlstand. Die moralischen Erläuterungen dieser Produktion der Pädagogikabteilung der SAZ sind einfach und bieder wie die Geschichten, die im Tagtraum die Arbeitslose und ihre erträumte reiche Freundin sich gegenseitig erzählen.
Frauen machen Theater, (fast) ganz unter sich. Sie verstehen es dabei vortrefflich die Heiligkeit des Orts, nämlich die Intimität des SAZ-Podiums zu nutzen, ohne die ihre Produktion eine grosse Peinlichkeit wäre. No straight guys, please! Das Publikum bedankt dies mit mehr als nur höflicher Aufmerksamkeit und wird seinerseits dafür zu guter letzt, nach mehreren erfolglosen Lachversuchen, mit sanfter, weiblicher Erheiterung - auf Kosten eines männlichen Zuschauers - belohnt. Wie es sich für zwei nette Gärtnerinnen mit sauberen Händen gehört, die das Publikum sanft wie ihre Blumen nur mit leichtem Humor benetzen, ist das Opfer der Barkeeper, und der Schnaps, der ihm eingeschenkt wird nur Wasser.
Natürlich nimmt es keiner im Publikum krumm, dass die Damen ihre Körper geil oder genüsslich biegen und verwinden, die eine mal Jägerin, die andere meist Softpornoschlampe - stehend und liegend. Der Körper ist hier kein künstlerisches objekt des Anstosses, seine Natur nicht künstlich geformt. Madonna ex contrario dicit.
Die anfänglich geschilderte Erfahrung der Arbeitslosigkeit und der Absagen der Gesellschaft an den jungen Menschen hat frau im übrigen schnell vergessen: Sie spielt im späteren Verlauf der knapp einstündigen Aufführung keine Rolle mehr. Und die Tagtráume sind ähnlich flüchtig (und dem Gedächtnis des Rezensenten schon entfallen). Zu vermerken bleibt lediglich, dass zufällig einmal ein interessanter Theatermoment enstand, als sichtbar zu werden schien in einer Szene, dass die reiche Freundin am sandkastenartigen Swimmingpool weniger Realität als die Träumerin hat, ein fast schrödingersches Katzenbild, vermutlich aber nur eine Luftspiegelung im SAZ-Podium.
Ansonsten hat die Inszenierung ihre besten Momente im Vorspiel, das
heisst im abgedunkelten Warteraum im 1. Stock, von dem man aus auf die
Bühne hinuntersieht, und den leisen, leicht aufgeregten Gesprächen
der SAZlerinnen und ihrem Anhang fröhlich lauschte. Theater für
Softies und Frauen und eine typische Episode in der Zürcher Theater-Odyssee.
eine Kurznotiz, 12.4.98;
Wir haben sie leider wieder einmal nicht mitbekommen, die Handlung, samt Störungen in der ödipalen Phase, Arsen und Spitzenhäubchen, Aktenzeichen XY, den Vorstellungen von Männern, die Frauen missbrauchen, und der besitzergreifenden Umarmung von Liebe und Tod. Stattdessen haben wir dem Tanz zugeschaut uns naturgemäss längere Zeit gelangweilt mit der intellektuell überfrachteten Produktion, die von Einkerkerungen und Ausbrüchen erzählt (in einer mexikanischen Heimfabrik??) und dazu Filmbilder eines Drehorgelmanns auf einem schneebedeckten (heimatlichen) Feld.
Dem mässig originellen Spiel mit dem surrealen Schrecken fehlt die Kälte, die Feuchtigkeit (oder allenfalls auch die Hitze). Die Grundkonstellation bleibt vage, was im Widerspruch zur verpackten Psychologie steht. Die Temperatur, die in den Videobildern eine offensichtliche, kalte Role spielt, ist auf der Bühne (von den Farben insinuiert) eher warm, ohne dass sich der ästhetische Sinn dieser Konstellation ohne weiteres erschlösse. Ähnliches gilt für den Zusammenhang zwischen dem Titel (i.e. seiner ersten Bedeutung Drehorgel) und dem Handlungsablauf (was freilich daran liegen mag, dass wir diesen nicht durchschaut haben).
Und dann passiert es, und die Post geht ab, oder wie gemeine menschen
da so sagen. Ein (leicht gewalttätiger) pas-de-deux, so wunderschön
... und in den letzten Minuten hat der Tanz Inspiration und Power ... (und
man vergisst, dass vieles nur eine Neuverpackung älterer Produktionen
was) ... . Am Ende war es dann doch schon zu früh aus.
copyright by Dipl. Ing. Dr. phil. Reinhard Riedl
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