Blickfelder
'98:
Gemeine
Kurzkritiken
(PAGE 24_B of Zurich's
Cynical Theatre Guide)
March 29, 1998
Contrary to some more or less cynical notes on
this page: We recommend this festivals to our readers ...
Click here to
read the festival programme!
More detailed information about the festival and the invited performing
groups may be obtained from
fachstelle schule&theater
snail: Erziehungsdirektion des Kantons Zürich, CH-8035 Zurich
voice: (+41 1) 368 26 13
fax: (+41 1) 368 26 11
-
Click here for an image of `Don Quijote'
performed by Theater Plovdiv from Bulgaria (175 K)
-
Click here for an image of Belgian Hip-hop
performance from the Bronx, New York (314 K)
Age recommendations as given by the organizers of the festival
are indicated by coloured balls:
= for children younger
than 8 years of age and others
= for children between
6 and 11 years of age and others
= for young people
between 10 and 15 years of age and others
= for young people
older than 14 years of age and others
= for adults and
others
The artistic quality of the various shows is indicated by thumbs



means terragreat, 

means gigagreat, 
means
megagreat,
means kilogreat, 
means great (= slightly above average professional quality), 
means very good (= average professional quality or slightly below) ,
means good, 
means nice
(= average amateur theatre quality), 

means not really convincing, ...
...
means, that one might also consider it to be
... (and some do, but we don't)
Das
Festivalprogramm
- kritisiert
(die Reihenfolge der Produktionen entspricht nicht der
Chronolie sondern den Angaben des Erziehungsdirektion,
was auch immer für ordnende Masstäbe diese
dazu verwendet hat)
Die Regierung: Regierung
spielt Autofahren im Schauspiel
Akademie Theater

für Erwachsene und andere
... und spielt und spielt eigentlich nicht, sondern horcht auf den
Text vom Band, während das Publikum lacht, die Experten im Programm
blättern und der Kritiker ab und zu aufwacht und wieder einnickt,
oder doch nicht
... die Schauspieler oder auch Ausstellungsstücke sind geistig
Behinderte, der Text (ihnen meist glaubhaft nahe) erzählt von den
Gedanken auf der Autobahn, universell banal, teils eindeutig im einschlägigen
Alltagsdenken, teils im gutbekannten, einschlägigen, dem Klischee
über die Darsteller treffend entsprechenden, Tonfall, teils ferne
intellektuelle Notiz zu österreichischen Literaten wie Brecht und
Handke (jaja, der Osten ... hätt man noch hinzufügen können)
... meist freilich nett oder einfach lustig ekelerregend, beispielsweise
bei den Masturbations- oder den Nasenbohr-Vorstellungen
... Gedanken riesenhaft aufgeblasen in den Köpfen des Darstellerteams,
Regierung genannt, geistige Behinderung als mentaler Zustand des normalen
Menschen
... leider nur selten genau und treffend, und auch dies nur unverbindlich
leicht oder auch daneben
... das Grundmotiv von der anerzogenenen Ähnlichkeit des Denkens
in einer.spezifischen Situation wie einer Fahrt auf der Autobahn, gedoppelt
durch das fastavantgardistische Musizieren der Darsteller schafft sprachlich
wie szenisch wenig Dichte, und umhüllt mehr als darzustellen
... trotzdem ein sehenswerter Theaterversuch
... am Ende applaudiert das Publikum zufrieden
alles in allem: 
Theatre Populaire Romand: L'intervention
im Schauspiel Akademie Theater

für Erwachsene und andere
... Victo Hugos Komödie - ein anachronistisches Theatererlebnis
in französischer Sprache
... wozu? was soll das? dass es so was noch gibt!
... für die Einladung zum Festival spricht nur, dass man heutzutage
selten Gelegenheit hat, derartig antiquiertes Theater zu sehen
... und dass die Ehefrau nun wirklich als elelerregendes (subjektiv
formuliert) männerstörendes Übel dargestellt wird
... auch auf die (lokale und sprachliche) Entfernung graut einem
(wie dem Rezensenten) noch bevor mann sich vorstellt mit so einem Wesen
selber verheiratet zu sein
alles in allem:
Mabproduction: Marie. Woyzeck
im kitz - Junges Theater Zürich, dem Theater
an der Sihl

für Erwachsene und andere
... Beat Fäh gibt Büchners Woyzeck in Aktion; sein
Trick dabei ist simpel.: mit der kulissenlosen Präsentation des Texts
evoziert er beim Publikum Assoziationen an andere Inszenierungen (deren
Kenntnis man beim heutigen Besucher eines Jugendtheaterfestivals glücklicherweise
voraussetzen darf)
... ein Paar erzählt schauspielend Woyzecks Schicksal und
gelangt dabei von anfänglicher Brechtelei tatsächlich zu Büchner,
ohne freilich jemals unmittelbar auf der Bühne Spannung schaffen zu
können.
... die auf den kontextkundigen Zuschauer einbrandende Sprache Büchners
schafft eine beklemmende Atmosphäre, obwohl der Woyzeck-Darsteller
nach konventionellen Theaterkritierien nicht zu bewegen vermag
... wie dies auf textfremde ZuschauerInnen wirkt ist schwer zu beurteilen
... andererseits sind für Durchschnittsgebildete, wie den Rezensenten,
die intellektuellen Konzepte fast transparent (im Sinne der Informatik),
obwohl die Umwidmungen einzelner Textpassagen, das Einbeziehen von lebensgrossen
Stoffpuppen als Woyzeck- und Marie-Darsteller, etc., sicher einen tieferen,
symbolischen Sinn ergeben
... die Fehler liegen im Detail des Marketings: zwar publizierte die
NZZ ähnlich wie im Fall des Theaterhauses Gessnerallee kostenlos eine
Webeannonce "... wird er (Woyzeck) systematisch depontenziert und, im Namen
der Freiheit, psychologisch verstümmelt. In Fäh und Büchner
finden sich Brüder im Geist ...", aber eben nur in der Abteilung Zürcher
Kultur ...
... in Erinnerung bleibt vor allem die Fickmaschnine als Beinprothese
alias Tambourmajor
alles in allem:
Theatre collectif Forman: Comment le diable
fut trompe par un laboureur de papefige im
Theaterhaus Gessnerallee
für Erwachsene
und andere
... nach einer Märchengeschichte von François Rabelais
... von ausgesprochen grauenvoller rustikaler Ästhetik das Bühnenbild
... der Rezensent konnte der Kunst der Formanbrüder nicht folgen
(was vielleicht an der Neuartigkeit ihrer Ästhetik liegt, die die
NZZ ja an in der Produktion `Opera Baroque' überschwenglich gelobt
hat)
.... im Artikel Mikro-Sensationen der Ausgabe vom 14. März: schreibt
die NZZ (zu dieser Produktion):
"M.D. Herr lass es blitzen, donnern und das Theaterhaus Gessnerallee
in der Sihl versinken - diese Produktion ist der siebte Tag der Schöpfung.
Alles was danach kommt wird nur mehr ein Schatten sein dieser Apotheose.
Mit einer apokalyptischen Tonspur setzt das Théâtre collectif
Forman aus Prag den Bühnenraum in Schwingung und das Publikum
auf einer Insel ab; die Tiefe des Raums gebiert - hinter und vor Weidengeflecht
und Bäumen, deren verschreckte Äste den Himmel anklagen - bei
der uns das Hören vergeht und das Sehen neu stattfindet für eine
Kunstform, die menschliche Makrobereiche mikroskopisch ausleuchtet;"
... wunderschön der als überdimensionale, auf Räder
montierte Ratsche, dargestellte Acker und das Treiben der bösen Mächte
darin
alles in allem:
Theater Plovdiv: Don Quijote
im Theaterhaus Gessnerallee

Nach Miguel Cervantes. Starke Bilder und eine beeindruckende Theateratmosphäre
... und bezwing den unbezwingbaren Feind - die KLischeelinie kommt
... Theater, das sein Handwerk beherrscht, das weiss, wo man steht
... trotz vieler Einschübe in deutscher Sprache blieb manches
freilich unverständlich und die surreale Grundkonstellation eröffnete
sich - offensichtlich und hörbar - grossen Teilen des jungen Publikums
nicht
... das sind die, die warten - das Publikum - und das hier - ein Papierhaufen
aus dem alsbald die VolksdarstellerInnen kriechern - das ist Dreck, erklärt
die Stimme, der die beiden Scheinwerfer gehören, ihm, dem Verrückten:
"Wenn Du mich brauchst, schrei, wenn Du kannst."
... der Tonfall trifft in der fremden Sprache bisweilen daneben,
nicht jedes der Bilder überrascht oder ist mit Sinn verknüpfbar
und so herrschte zu Beginn auch beim Rezensenten ratlose Langeweile - verschärft
durch die musikalische Untermalung vom Band nebst dem metallenen, stimmarmen
Gesang der SchauspielerInnen
... doch träum den unträumbaren Traum, das Publikum lief
in Scharen weg und der Tor ward geweckt
... im Licht, nicht im Dunkeln, liegt unser Interesse, und im lichtarmen
mondlicht gewannen die Papierfiguren alias Dulcinea und Don Quijote Ausstrahlung,
Faszination und Überzeugungskraft
... die Projektion entfaltet quasi ihre Objektgestalt im diffusen Licht
... - aber dies sind ja lauter Gemeinheiten
alles in allem:
Stimmhorn: Schnee im
Schauspiel Akademie Theater
für Erwachsene und
andere
... ein kaum szenisches Klangwerk, hölzerne und ein rein
menschlicher Klangkörper mit schöner Technik zum tönen
gebracht
... der Wunsch des Publikums nach gefälligen, statischen (für
sich stehenden) Lautpinseleien als Komposition für die Kritik befriedigt
mit einem Requisiten-Bühnenbild fürs Festival
... ein grosser Ball, dem langsam die Luft ausgelassen wird, Hei...
Heimat, Heimat! die Geräusche nach dem Schneefall
... ein Hintereinandersetzen von Musikflecken, schon aufeinander bezogen,
doch einfach einfach und ein wenig wenig, so fein gewoben wie ein Fleckerlteppich
alles in allem: 
Figurentheater Tübingen: Nachtgesichter
im Puppentheater

für Erwachsene und andere
... laut Programm ein phantasievoller Nachruf auf den französischen
Schriftsteller Max Jacob, Freund Picassos, Jude, Maler, gestorben im KZ
... dabei geht es gar besinnlich zu,
... dem Nachtgesichterreigen fehlen das im ausführlicheren Programm
versprochene Höllengrauen und die Geschichte
... das Spiel mit Gummifiguren und Papierfetzen ist ideenreich doch
auf Dauer allzu redundant
... und Humor und Assoziation sind von einer allzu delikaten Subtilität,
welche sich unglücklicherweise im Schlussbild selbst entlarvt, im
verschmitzten Lächeln eines schönen Männergesichts ...
alles in allem:
Trickster / Bricconi Divini: Tracce
im Fabriktheater der Roten Fabrik
für Erwachsene
und ältere Gymnasiasten
... das Programm verspricht: nach Spuren von Ernst Bloch., der grossartige
Geschichtenerzahler Marco Baliani begegnet Pasolini, Calvino, Rilke, Tarkovskij,
eine Vorlesung in italienischer Sprache
... wir haben es nicht gesehen
alles in allem:
Paul Middellijn & Roby Alberga: Secrets
im Puppentheater


in englischer Sprache, eigentlich für Kinder
... simple Geschichten, simple Gestalten: ein Erzähler begleitet
von einem Gitaristen, beide Holländer aus Surinam oder Surinamesen
aus Holland
... genauer: (grösstenteils) einfach erzählte Geschichten,
mit klarer pädagogischer Absicht, mit wenig Widerhaken
... die Märchengeschichten gewannen zwar durchaus die Aufmerksamkeit
des kinderlosen Publikums, doch Spannung kam selten auf
... möglicherweise hatte der Geschichtenzáhler schlicht
einen schlechten Tag - die Lieblosigkeit seiner Kurzschlüsse übertrug
sich trotz professioneller Erzähldarbietung aufs Publikum, und das
Fehlen eines erkennbaren Konzepts fúr den Abend verstärkte
den Eindruck, ein an Erwachsene angepasstes Kindermenü vorgesetzt
zu bekommen
alles in allem: 
Teatro Pan: Fenix, al suono dell'anima
la materia si trasforma im Schauspiel
Akademie Theater

für Jugendliche und Erwachsene
... Esoterik gegen Vergewaltigungsschock
... eine Schnellheilung mit musikalischen Strichen
rudimentär (und für den Rezensenten unverständlich) illustriert
- interessant immerhin die Variation des Themas Singen in der Badewanne
(bzw. wie hier im Alltag);
... im Apregie
diskutierten frau die Frage, ob eine derartige Verharmlosung von Kriegsverbrechenfolgen
moralisch akzeptabel sei
... im übrigen und überhaupt: Geigerei
und Schauspielerei sind halt zweierlei (eine der beiden Darstellerinnen
war dem Vernehmen nach eine professionelle Musikerin) und die Idee, jemanden
auf der Bühne unmittelbare Schrecken und Furchtbarkeit seiner Lebensgeschichter
erzählen zu lassen eine sehr gewagte
alles in allem:
Hush, Hush, Hush: Carte Blanche in
der Aktionshalle der Roten Fabrik

für Jugendliche und Erwachsene
... Hip-Hop aus der New Yorker Bronx, Breakdance mit Headspins und
perfekter Akrobatik, Capouira aus Rio de Janeiro und traditionelle ghanesische
Tänze verspricht das Programm - und verschweigt dabei (oder
deutet es nur an in der Nebenbe,erkung, dass dabei Geschichten erzählt
werden), dass es sich um den ernsthaften Versuch handelt, Theater zu machen
... ein Versuch, der scheitert
... möglicherweise waren die TänzerInnen in der von uns gesehenen
dritten Vorstellung bereits restlos frustriert, passiert ist auf der Bühne
jedenfalls nichts, schon gar keine Geschichten
... von diesen waren allenfalls einige lieblosen Ansätze erkennbar
... bei der Premiere soll das Publikum laut Festivalchef Sonanini stark
gest:ort haben, in der von uns konsumierten Samstagvorstellung demonstrierte
es nur sein Missverständnis der theatralischen Absichten, durch hartnäckige,
wenn auch zuletzt nur mehr klägliche Versuche, Szenenapplaus zu spenden,
im Widerspruch zu den Tanzfiguren, die zum wesentlichen Teil aus Soloabbrüchen
bestanden
... im übrigen und überhaupt, obwohl das Stück bei der
Premiere vom jungen Publikum abgelehnt wurde, beschreibt es die stets präzise
NZZ als jugendgerecht, im Widerspruch zu den Aussagen der Festivalleitung,
könnte man anfügen
alles in allem: 
Theater Katerland: Wunderzeiten
im Fabriktheater der Roten Fabrik

für Jugendliche ab 12
... der mutige Versuch Schülertheater von professionellen Schauspielern
spielen zu lassen, die (männlich-)pubertären Probleme mit Eltern,
Lehrern und Mädchen quasi pubertierend darzusttelen
... am Ende treibts der beste Freund mit dem besten Mädchen -
wie im richtigen Fernsehen
... zuvor nervt sich Gott über die vielen Gebete - er würde
gerne den Job wechseln
... oder auch die peinliche Lüftung schauspielerischer Nullbegabung
mit selten typisch untypischer Mutter und entsprechendem Lehrer
... am wohlsten fühlen sich die schauspielerInnen offensichtlich
beim Flirten, Tänzeln und Schwänzeln, oder (im Fall des Lehrer/Freund-Doppelrollendarstellers)
als Idioten - dabei können sie auch überzeugen
... das Publikum begeistert sich freilich nicht nur an der überzeugenden
(kurzfristigen) Lehrerdebilität , sondern amüsiert sich auch
und gerade über die an Schultheater erinnernden Textpassagen,
in denen Lehrer- und Elterverhalten sprachlich und schauspielerisch hilflosest
karikiert wird
... Theater also, das - beabsichtigt oder unfreiwillig - die kulturelle
Prägung des jugendlichen Publikums offenlegt - und eigentlich eine
ernsthafte Analyse derselbigen fordert (Welcher Code wird in dieser Vorstellung
übermittelt? Was bewegt die Jugendlichen an dieser vom erwachsenen
Standpunkt blamablen Vorstellung - warum funktioniert sie?)
... zynisch gefragt, genügen die Themen alleine, um Aufmerksamkeit
zu schaffen?
... bei meinen Nachbarn gab es im übrigen Zoff nach der Vorstellung:
¨Müsst Ihr immer alles kritisieren!!" mussten sich die Männer
schimpfen lassen: neben all den Argumenten, die man ansonsten bei dieser
Frage entgegnen kann - angefangen Verweis auf die Geschichte des 20. Jahrhunderts,
oder dem Hinweis, dass der Wunsch Zusammenhänge zu verstehen per se
eigentlich nicht frauenfeindlich ist - wäre im konkreten Fall ein
anspruchsvolles unkritische Urteil über dies Produktion ein vernichtendes:
untauglich!
alles in allem:
Hip-Hop-Theater Basel: Gleis
X im Theaterhaus Gessnerallee
für Jugendliche von
Jugendlichen der Basler Hip-Hop-Szene
... tänzerisch ein Flop
... trotz (sehr kurzer) anfänglicher und (längerer) schlussendlicher
peinlicher Kindlichkeiten der Geschichte eine tatsächlich spannungsgeladene
Inszenierung, die von ihrer Spannung auch einiges ans Publikum abgibt
... eine ein bisschen zu aufklärerische Darstellung des Lebens
der Basler Jugend, wie es so ist
... für einmal ein geglückter Versuch Laientheater
... musikalisch unauffällig: gefälliger (textlich freilich
nicht nur für `Hochdeutsche' bisweilen schwer verständlicher)
Rap - jaja, dass es so was noch gibt (im Elfenbeintum des Internets ist
man schon weit weg vom wirklichen Leben, das zumindest konnte der Rezensent
lernen)
alles in allem: 
Theater Spilkischte: Aus der Früherheit
im Fabriktheater der Roten Fabrik

... ja warum erzählt er uns denn das, was will er uns damit sagen?
... Begebenheiten aus einer Kindheit und Jugend zwischen Schulhof und
Elternhaus, zwischen Schneewalzer und Jazz, behauptet das Programm, und
das trifft auch wirklich zu
... auch wenn die echte Damaligkeit der Spielzeugautos von gewissen
Intellektuellen angezweifelt wurde (die jungen Damen im Publikum habens
durch fröhliches Gelächter kompensiert, diese ewige männliche
Präzesionssucht)
... der Tonfall hat, auch wenn er manchmal recht befremdlich hölzern
klingt, seine eigene Identität, eine allerdings, die fern der heutigen
Gegenwart
... ein seltsam banales Erwachsenentum, unverständlich, grundunverständlich,
fade, von seltsamem farblosem Geruch
... im Zentrum steht die Beziehung zum Vater und die Beziehung zur
Ehefrau, beide sprachlos praktisch
... es gibt nichts zu sagen und darüber vergisst der Darsteller
zu Beginn bezeichnenderweise das Denken, spielt den Assoziationsbogen vom
Regen draussen über die Frage, ob die Armhaare auch einmal weiss werden
werden bis zu irgendwas, ohne jedwede Assoziation als Stakkato aus nichtigen
Weltfragen
... im Alter von 5 Jahren, da kam der Vater heim und danach begann
das Leben nie
... Mädchen zum Knutschen im Autokino, Wirtschaftschule, das gesperrte
Konto, nachdem der Vater erfuhr, dass der er auf die Schauspielschule ging
... warum bleibt ein Rätsel wie das ganze Leben
... glaubthaft irgendwie immerhin, dass das mit der Jugend im Krieg
etwas zu tun hat
... eine Geschichte illustriert mit Photos aus den 50ern
... "Daran musst du aber noch feilen", meint der Vater
... und wir, wir schweigen wieder einmal betroffen ob all der Fragen
offen
... im übrigen und überhaupt: wieder einmal zu schnelles
Theater
... und zu wenig dicht (so oder so - in der Pfanne landest Du immer,
einsamer Theatermann ...)
alles in allem: 
Junges Theater Zurich: Die heimliche Insel
im kitz (Junges Theater Zürich, Theater
and der Sihl, ...)
für Leute ab 10
Der Festspielbeitrag des kitz - ein Theater der fehlenden Bezüge
(Kritik derzeit in Arbeit)
Der höfliche Fremde Hermugucker guckt im Publikum herum, ein schwarzer
Sänger, der keinen ansieht. Der selbstunsichere Eindringling Kennich
biegt seinen Körper zu Skulpturen, richtungslos. Der heimlichen Inselbesitzer,
der vor den Ankunft der anderen zusammen mit dem Lichtspot selbstverliebte,
gaudiomanische Stimmungen auslebt, mal zu Tode betrübt, doch meist
himmelhoch jauchzend, flüchtet bei deren Ankunft ins Gebirge (oder
auf den Hochstand, je nach Phantasie des Publikums)., doch die Pespektive
bleibt am Boden, neutral, parteilos, und geht verloren.
Der fehlende Witz nach dem Theateraufgang über die mit "kenn ich"
beschrifteteten Stufen irritiert vorerst. Regisseur Hawemann lässt
seine Figuren solo über die karge Bühne wandern, ohne Beziehung
zu ihren Bühnengenossen, aber auch ohne Beziehungslosigkeit. Keiner
ist ausgezeichnet, die Regie leitet das Spiel musilant vorurteilslos
und demokratisch und setzt dabei auf einen fast penetrant einfachen Text.
Mit Fortdauer der Aufführung wird klar, dass der assoziationlose Theateraufgang
Strategie ist, Ausdruck der hölzernen Biederkeit dieses in allen
Aspekten hochprofessionellen Kindertheaters, das erstaunlich gar nicht
funktioniert.
Die Aufführung bleibt stets in der vielfachen Einzelhaft zwischen
(Tag-)Traum und Wirklichkeit, doch die DarstellerInnen schaffen es nicht
in dieser Theaterwelt Atmosphären zu gestalten. So bleibt auch die
Geometrie der dramaturgischen Landschaft im Unklaren und das Bühnenbild
nur ein eigentümliches Rätsel, an den Anfang eines Abenteuercomputerspiels
erinnernd.
Die erste Szene, die die (Innen?)-Welt des Inselbesitzers zeigt, ist
zu kurz für Erwachsene, auch wenn für Kinder die Zeitgebung wohl
stimmt. Solchermassen einer ausreichenden Exposition entbehrend erregt
der Auftritt Kennichs niemanden, zumal die Perspektive stets am Boden bleibt.
Dieses Muster der Ablösung wiederholt, ohne freilich aufmerksamkeit
auf sich zu lenken, als Mechanismus transparent zu werden. Ermüdet
durch die Pädagogik und die Poesie verliert das Publikum bald die
Aufmerksamkeit und rettet sich mit Lachern bis zum Finale, das sich ähnlich
blutleer, agressions- und spannungslos abspielt wie das ganze Geschehen.
Kein Kampf, ja nicht einmal eine echte Emotion findet statt zwischen schwarz
(=gut) und weiss (=dumm), zwischen Phantasie und Phantasielosigkeit, zwischen
Bühne und Publikum. Nichts. In schrankenloser Objektivität lässt
die Regie jedwede Zweifelhaftigkeit genauso teilnahmslos dastehen, wie
die vermeintlichen Klarheiten.
........
........
alles in allem: 

Theatre collectif Forman: Opera
Baroque im Puppentheater



für Leute ab 7
... eine Wiederholung eines früheren Gastauftritts, laut NZZ das
Miniaturäquivalent zu Robert Lepage
... sehr lustig, wenn man nicht versteht worums geht - man möchte
schreiben: lustig bis jenseits des Denkens
... im übrigen und überhaupt, bei den Frauen kommt das Kollektiv
Forman toll an: "ich habe nur gelacht" (eine Schauspielerin, nicht rothaarig),
"der erste Höhepunkt des Festivals" (M.D. in NZZ vom 9.3.), ...
... vielleicht ist der Rezensent für diese "neue Ästhetik"
zu langsam im Denken, oder er lässt sich zu leicht von unverständlicher
Heiterkeit ablenken
alles in allem: 

Puppentheater der Stadt Halle:
Ophelias Schattentheater im
Puppentheater
für Kinder ab 7
... poetisches, eher langweiliges Schattentheater nach einer Geschichte
von Michael Ende
... die alte Jungfer Fräulein Ophelia is Souffleuse, das Theater
an dem sie arbeitet wird geschlossen und arbeitslos flüchtet sie sich
in eine Welt der menschenlosen Schatten, gründet mit den ihr von allen
Seiten zulaufenden, sich allzukindlich gebärdenden Schatten ein Schattentheater,
reist um die Welt bis sie am Nordpol der Schatten Tod holt und sie im Himmel
mit ihren nunmehr lichtgestalteten Schatten ihr Weltthearter spielen, d.h.
ihnen soufflieren darf
... die Weltliteratur des Theaters, die Ophelia samt under sonders
auswendig kennt, ist das Internationale in ihrer Kleinstadt, in ihrem kleinen
Leben - eine Literatur, die sich frei von jedweder inhaltlichen Anspielung
auf Schüttelbiers Text als `Sein oder Nichtsein' zitiert, die als
Gesamtschatz bereits vorhanden ist und]der jedwedes unheilige Experiment
wohl fremd ist
... der Geist des Stückks äussert sich in Nebensätzen,
netten Stereotypen: ihre Eltern haben Ophelia nichts hinterlassen als den
Namen und die Liebe zum Theater, was soll da anderes herauskommen als ein
Schattendasein, eine Theaterleidenschaft, die sich im soufflieren von auswendigen
Texten äussert
... verniedlichendes Theater für kleine Kinder, professionell
in Ton und (Schatten-)Bild gesetzt, das davon lebt, dass es ein bisschen
über das billige Klischee hinausgeht und ein bisschen individueller,
eigenständiger ist, immerhin
alles in allem: 
Ond-drom: Euse Muni im
Gemeindezentrum Buchegg


für Kinder ab 5
... haben wir leider im Berufsstress versäumt ...
alles in allem:
Theater Spilkischte: Zum
Fressen gern im Fabriktheater
der Roten Fabrik

für Kinder ab 7 und Frauen
... velut luna, statu variabilis: eine Folge kindertheatertypischer
Szenen, wechselhaft, dass Mitdenken fordernd, doch ohne roten Faden (oder
nur mit einem a posteriori vermeintlichen)
... die Ausgangssituation irritiert: eine ältere Frau mit leicht
krummer Körperhaltung trifft auf jungen, langen, wunderlichen Mann;
sie ist schwanger oder hat etwas Lebendiges gefressen und bisweilen kommuniziert
sie mit diesem etwas in ihrem Bauch oder spuckt kleine Dinge, Knöchelchen
und Schuhbändchen, aus; er lebt mit seinen Dingen, Dosen und Schächtelchen,
die er fürsorglich zärtlich in Aquarien hält; als
sie auftaucht sucht er ihre Aufmerksamkeit und ihren Applaus, doch sie
möchte weiter und bleibt nur weil eine unbekannte Kraft sie - angeblich
- immer wieder zurück in den Bühnenraum drängt
... diese Irritation wird nicht aufgehoben, er/geklärt, sondern
stets neu genährt durch Wunderlichkeiten, teils ganz lebensnah, teils
völlig ausserhalb der gemeinen Lebenserfahrung, bis er zu guter letzt
in ihren Bauch landet;
... das Tempo der Begegnisgeschichte wirkt dabei allerdings künstlich,
zu langsam oder eher zu schnell und lässt das Synthetische des
eigentümlichen, phantasievollen Vexiersspiels störend augenscheinlich
werden (wodurch auch das Enstehen eines Spannungsbogens verhindert wird)
... so langweilt die Müttergeschichte bald und dominiert das Bild
vom Schwan mit krummen Rücken derein Fremdes, Anderes attackiert,
eines Schwans ohne Eleganz und auch ohne erotische Ausstrahlung, der umgekehrt
seiner Infantilität Echtheit gibt aber eine Selbstprojektion nur Frauen
und Kindern nahelegt
... die Szenen bleiben spurlos bis auf das biedere Finale mit dem zum
Mistkratzerli aufgeputzten Männchen, das seine Wohnung im Inneren
der Frau findet, die ihrerseits so eine ihrer (behaupteten zahlreichen)
Geschichten endlich zu einem befriedigenden Ende bringt und zur glücklich
grinsenden Ruhe findet
... nur dass der dürre Witz der Nacherzählung dem Spiel auf
der Bühne fehlt: zu viel bleibt unklar, unangesprochen; die Fülle
der absurden Ideen bleibt ungeklärt in der Zeit stehen ohne zu einer
zwingenden ästhetischen Beziehung zu finden
... letztendlich scheitert das Theater vor allem an der Aufgabe, die
es sich im Titel gestellt hat: der als zauberhaftes Faktum präsentierte
anatomisch visualisierte Zusammenhang zwischen Gebärmutter und Verdauungsstrakt
bleibt ein unverständliches (und eines Mysteriums mangelndes) Bild
für das dramaturgische Scheitern, das den Verzicht auf philosophischen
Tiefgang als schlichtes intellektuelles Defizit blosstellt
... dabei sind einige der Spielideen durchaus treffende Miniaturen
... wie auch immer, Theater für Frauen und vielleicht für
Kinder, nicht so sehr für Erwachsene, denn wie eine Dame der Szene
meinte "Da ist wirklich alles da. " (im Gegensatz zum Theater des Marcelo
Diaz vom kitz)
alles in allem: 
Train Theater Israel: Ein Lichtschimmer
im Museum für Gestaltung

für Kinder ab 5
... die Wiederholung früherer Gastauftritte im Fabriktheater der
Roten Fabrik und im Puppentheater
... eine Erzählung des Lebens von Louis Braille (Erfinder der
Blindenschrift)
... primär für Kinder, für Erwachsene eher zu dürftig
alles in allem (vom Standpunkt eines Erwachsenen):
, trotzdem - nett und kunstvoll gemacht
Compagnia Abbondanza-Bertoni: Romanzo d'infanzia
im Fabriktheater der Roten Fabrik



für Kinder zwischen 6 und 10 (oder auch noch älter) und ab 30
... über das Problem mit den Eltern und eine Kinderliebe zwischen
zwei Geschwistern - das TänzerInnenpaar spielt Kinder und Eltern,
asynchron, etzählend und tanztheaternd, und so wird die Bühne
zu einer ganzen, harmlosen, lustigen, (brüllend) lärmenden und
poetischen Wirklichkeit
... denn Tanz sagt mehr als tausend Worte, oder wie sie da so sagen
... teils anspruchsvoll sensibel sinnlich (mit für einmal unpeinlicher
Füsschenspielen), teils lauter, grober Unfug, meist präzise und
einfallsreich (originell, wenn man sich traute, dies zu schreiben) - in
einigen wenigen Details aber noch ungenau (z.B. was die Altersdefinition
der Kinder betrifft) und zu variationsarm (im Lauten und im Zitternden,
welche als Masken verwendet werden), bisweilen fehlt dem Entsetzen auf
der Bühne auch die Überzeugungskraft
... mit Publikumsintegration (Vorsicht!)
... und dolce vita der Schluss
alles in allem aus unserer Sicht der Höhepunkt des Festivals: 
Puppentheater Margrit Gysin: Allerleirauh
im Kellertheater des GZ Buchegg


ab 5 Jahren, in Schweizerdeutsch
... ein Versuch, ein Märchen zu erzählen, so ungeglättet,
wie es von den Gebrüdern Grimm aufgeschrieben wurde
... durch die Soloperformerin Magrit Gysin mit aktiver Beteiligung
des ganz jungen Publikums, das freilich gegen Ende der Geschichte überdrüssig
wird
... etwas kommt auf die Welt, wie gehen wir damit um - Theater wird
gespielt, können wir etwas damit anfangen, uns ihm hingeben, sind
wir zum Mitfühlen mit einem virtuellen Wesen möglich (ein Ansatzpunkt
auch für eine erwachsene Auseinandersetzung mit der Frage der Wahrnehmung
fremder Wesen)
... für die einen ist es etwas, das beisst, die anderen fordern
es zum Beissen auf um sich gegen den Missbrauch durch böse Menschen
zu wehren
... und dann natürlich die Sache mit den Wissenschaft(l)ern: Was
sind das?
... zuerst einmal meistens Menschen (ein billiger Witz der mit einer
möglichen Tiefe kokettiert, denn ob das etwas, das auf die Welt gekommen
ist ein Mensch ist, schon oder wieder oder erst am Ende der wissenschaftlichen
Behandlung, ist eines der beiden Grundmotive des Märchens, das der
teils moralischen, teils sozialen Verhaltensfrage gegenübersteht)
und Männer, könnte man hinzufügen
... die viel schaffen und viel wissen oder umgekehrt
... oder nein, solche, die viel schaffen und wenig wissen, die das,
was sie nicht wissen, aufschreiben und dann messen (was soll aus dieser
Jygend werden, die so was im Theater zu hören kriegt, meiomeiomei)
... alles in allem: der Wissenschafter ist ein begeisterter, didaktisch
völlig unterbelichteter, Laienpädagoge mit dem Ziel die Wesen
zu Menschen zu machen (dessen Messwut im übrigen schon in deb Kindern
als wertfreier Drang angelegt ist)
... dies Masse sind ganz und gar nicht normal, sagt der Wissenschafter,
und bereitwillig stimmt das junge Publikum ein
... wenn auch die Aufführung in einigen Details noch einer Überarbeitung
bedürfte - Unterschied und Ähnlichkeit von Wissen und Kennen
bedürften beispielsweise einer präziseren Herausstellung, auch
der Messvorgang, bei dem der Wert dadurch abgelsen wird, dass der Blick
das Massband vom Messwert zum Anfang abgleitet ist unverstänlich,
etc. - so gelingt es Magrit Gysin doch, den Gehalt des Märchens sichtbar
zu machen, diätverträglicher -fast ohne Schmalz, Klischee, Nettigkeit
und Müttergeruch - und doch urtümlich, original oder wie man
es auch immer nennen will
... die Reaktionen zeigen, dass Theater schon bei den Kleinen funktioniert,
wie bei den Grossen
alles in allem: 
Burrp!: Sokken im
GZ Buchegg

ab 5 Jahren
... die Produktion erinnerte den Rezensenten an sein präschriftliches
Comicslesen (im sogenannten Vorschulalter)
... ohne Worte, ein almständiges Kammerspiel, mit Telephon und
einem zoombaren Fenster zur (Berg-)Welt, welches mit comicartigen Zeichnungen
ausgeblendet wird
... voll selbstgestrickter, teils absurder Komik, nomen est omen ...
... zentraler Gag ist die fastphilosophische Abhandlung zum Thema `Bild
der Frau'
... nämlich das Frauenbild in der Gesellschaft als Ikone, surreale,
metavernetzte, elektrische Mutter, Talisman und beständiger Wert,
Pin-Up und Pfand
... trotzdem primär für kleine Kinder
alles in allem (vom Standpunkt eines Erwachsenen aus betrachtet):
Puppentheater Bleisch: Mirko, das Borstenkind im
Puppentheater
ab 6 Jahren
... ein Märchen zwischen Himmel und Erde aus der Sicht zweier
Waldleute
... da fängt beinahe Theater an auf der Bühne, die alte Geschichte
von der Mutter, die den Schwiegersohn zivilisieren will
... und dann gleitet die ganze Chose doch in die erwartete Esoterik
ab
... und ein 3-Hilfsmittel-Märchen wird so langweilig aufgeführt,
wie möglich: es blitzen 3 Bauwerke (schon vorher) silbern, golden
unddiamant, es treten vier Zaubermächte auf, drei in entsprechenden
Farben, es wischen drei entsprechend schöne Kleider über den
Hintergrund, und das Zaubermittel der ersten, nicht entsprechenden Zaubermacht
bringt die Geschichte schliesslich zum glücklichen Abschluss
... auch wenn die Produktion ihre Qualitäten hat, an einem Festival
ist sie fehl am Platz
... immerhin, die zwei Waldleute wirken echt
alles in allem:
Speelteater Holland: Kläuschen,
irgendwo anders in der Aktionshalle der Roten Fabrik

ab 6 Jahren
.... Musiktheater, Puppenspiel und Schauspiel um die kindlichen, mythischen
Ideen uber den Tod in grandiosen Bildern und der richtigen Dosierung von
Rührung, Humor und Spannung - eine durchaus zutreffende Beschreibung
durch die Festivalorganisatoren
... oder die Abwesenheit des Schreckens in der Jugend
... was einem das Speeltheater Holland da alles erzählt ... und
was wir uns da alles anhoren, ganz ungepeinigt von der abstrakten Peinlichkeit
des Inhalts, das ist ein starkes Stück
... es philosophisch auseinanderzuklauben hiesse Zürcher Kultur
schreiben (wenn Sie, geschätzte LeserIn diese Bosheit verstehen wollen)
... drum schreiben wir einfach
alles in allem:
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