Blickfelder Festival 1997 -
Theatre for a Young Audience
(PAGE 15 of Zurich's Cynical Theatre Guide)
 

This page contains short sarcastic reviews in German, short cynical commentaries in English, and iconized judgments on the children's theatre festival Blickfelder 1997 as well as ``our special festival-awards''.
 

 
Visit our festival page BLICKFELDER 1998 (March 4 - March 22, 1998)!
 

Contents of this page:

 
 

Our ruling of thumbs ought to be understood in the following way:

  means terragreat
means gigagreat
means megagreat
means kilogreat
means great (= slightly above average professional quality)
means very good (= average professional quality or slightly below)
means good
means nice (= average amateur theatre quality)
means not really convincing
and a  + further thumbs means that one might also consider it that way (though we don't)
 

Recommendations with respect to the age of the young audience are reflected by the ball-icons chosen by us (and are based on the recommendations published by the organizers of the festival):
indicates heatre shows especially dedicated to children younger than 7 years of age are indicated by an orange ball.
indicates theatre shows especially dedicated to people older than 6 years of age and younger than 11 years of age are indicated by a green ball.
indicates theatre shows especially dedicated to children older than 10 years of age and younger than 15 years of age are marked with a blue ball.
indicates theatre shows especially dedicated to young people older than 14 years of age are marked with a white ball.

Ihre Kommentare richten Sie bitte an den gemeinen Rezensenten . ( welcome!)
 
 

 
 


Blickfelder -- the first weekend

Blickfelder calls itself a festival for a young audience -- and indeed it is. The presumptive naive audience is not bothered with too much artistic quality but rather it is entertained in a socially prospective way which, no doubt, will yield a generation of smart grown-ups.

There were no sex, no crime, at least not in bright light, not even love. There was just pleasure, nice sounds, `L'homme de Spa', a nice female dancer in red, Brigitta Schrepfer - book a lesson in her fitness studio if she has got one - with a nice male partner, the author Peter Rinderknecht, nice puppets, `Theater Eggs Press', nice (geile) street dancers, `M.B.D.T. & IF', and a nice mystery shadow play, `Amoros & Augustin', the latter being quite a puzzle to the grown-up (semi-)professional audience, which unfortunately missed its intention completely. Luckily, some director solved that puzzle finally, but as at that time his speech suffered from a minor lack of lucidity, it cannot be reported here. There was even more fun, when some Austrian had to ask his (club-)president, to cut his hair, him suffering from a spontaneous statement of disagreement by an addressed member of the audience which had taken the form of a flying chewing gum.

Well, theatre-going is always a dangerous adventure, and having a good time may not be the worst. However, it was strikingly apparent that the shows simply were not intended as pieces of art. ......
 
 

Blickfelder -- das erste Wochenende

Kindertheater heute, so erfuhren die ZuschauerInnen am ersten Blickfelderwochenende ist etwas für (minderjährige oder erwachsene) Kinder, nicht für Kunstinteressierte, woraus wir freilich, offene für jede Form von Pädagogik, gleich etwas lernen. Und zwar was? Sollten Sie diese Frage richtig beantwortet haben, dürfen Sie hier weiterlesen. Andernfalls klicken Sie hier!
 

Die Schauspiel Akademie Zürich (SWITZERLAND) präsentierte in Zusammenarbeit mit dem Theater Tuchlaube im GZ Buchegg mit Ich war die acht Beine und mein Bruder der Rest ... sehr professionelles modernes Kindererzähltheater, schaffte es aber nicht, ihrem Anspruch, die schmerzliche Seite von Verwandlungen und das Glücksgefühl der Erneuerung zu zeigen, gerecht zu werden. Für das teils ganz junge Publikum waren die Erzählung zu kompliziert und für das ältere Publikum stellte sich die Frage nach dem Zweck der Übung recht schwierig. Dass die Musikinstrumente als verschlungene Rohre ein Abbild des Erzählstils waren, der die Geschichte sich gegenseitig unterbrechen liess, war zwar ein netter Regieinfall, doch einen tieferen Sinn hinter der Erzählstruktur begriff der hier schreibende Rezensent nicht.
Alles in allem:  künstlerisch harmlos,  pädagogisch nicht uninteressant, aber doch zu wenig gehaltvoll;
 

Die letzten Nachrichten von der Bounty (Amoros & Augustin, FRANCE) blieben im Theaterhaus Gessnerallee mysteriös, zumindest das erwachsene Publikum konnte den Zweck der billigen Schattenübung nicht erkennen. Die braven Kinderlein hatten soundso ihren eigenen Spass beim Kaugummiwerfen und bei den amüsanten Erotikschattentäzen (wobei nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden kann, dass die Mädchen das tatsächlich begeisterte.)
Alles in allem:  ... künstlerisch unbedenklich, fast völlig unbedenklich, wenn auch handwerklich interessant,  pädagogisch eher von zweifelhaftem Wert;
 

Die Tanzgruppen M.B.D.T. & IF (FRANCE) begeisterten in der Aktionshalle der Roten Fabrik zwar die NZZ, weil für einmal angeblich der Raum ausgefüllt wurde von den Solotänzern; der hier schreibende Rezensent langweilte sich aber ziemlich bei dieser postmodernen post-Al-Bundy Veranstaltung für ein 4-Minuten-Publikum. Renitenten "DJ Bobo"-Rufe und die schleimende Musterschüerbegeisterung erwiesen der mehr oder weniger beliegigen Aneinanderreihung von Solo- und sinnlosen Gruppenszenen, die freilich pro forma eine ganze (kaum misslungene) Kurzchoreographie beinhaltete, aber die ihr gebührende Gerechtigkeit. Wenn auch die Soloauftritte teils technisch bemerkenswert waren, insbesondere die Kopfpirouetten, scheitert der Versuch Collectif Mouv' , Strassentheater als abenfüllendes Bühnentheater zu präsentieren, an den fehlenden gestalterischen Ambitionen.
Alles in allem:  künstlerisch harmlos,  pädagogisch von unbekanntem Wert (die Lehrer hat es teils begeistert);
 

Im Puppentheater wurde das Festival mit dem "Bär auf dem Försterball" vom Theater Eggs Press (GERMANY) eröffnet, das zwar anfänglich mit netten Puppentheatergags faszinierte, doch letztendlich nicht über zynische Ansätze hinauskam. Dass nicht klar wurde, ob die Meinung nicht tatsächlich mit der Darstellung übereinstimmte, stellt immerhin einen gewissen Reiz dar. Bei genauerem Nachdenken schwant einem diesbezüglich freilich Schlimmes. Wie auch immer, viele Kinder waren wohl überfordert, und auch von den Erwachsenen, so steht zu befürchten, ward die Veranstaltung naiv konsumiert.
Alles in allem:  künstlerisch harmlos,   pädagogisch eher wenig geeignet für präpubertäre Kinder (im Widerspruch zur Altersangabe im Programm);
 

Das Theater en gros et en detail (SWITZERLAND) zeigte im Fabriktheater der Roten Fabrik mit dem Ungefähr nettes gymnastikinspiriertes Tanztheater das zugunsten einer fröhlichen, amüsanten Unterhaltung des jungen wie älteren Publikums auf küstlerischen Tiefgang verzichtete, wohl nicht ganz freiwillig, sondern gefangen im Thema, das halt am Theater der Beliebigkeit sehr nahe steht. Ballettös herumzuhüpfen erwies sich für die Tänzerin Schrepfer auf der kleinen Bühne als schwierig realisierbar ohne sich der Lächerlichkeit preiszugeben. Ihr Partner, der Kindertheaterautor Peter Rinderknecht, trug - im physischen Sinn des Worts - allzudick auf, und schaffte es trotzdem nicht sie an die Wand zu tanzen. Das transportierte Klischee, das dicke Menschen auch Sprachschwierigkeit haben, zeigte überdies in peinlicher Weise die mangelnde intellektuelle Präzesion bzw. Durchdachtheit der Produktion - auch wenn es nur Ausdruck des Themas sein sollte. Die pädagogischen Absichten blieben übrigens auch eher unklar.
Alles in allem:   künstlerisch harmlos, wenn auch schon fast bedenklich,  pädagogisch nicht uninteressant, eher für Erwachsene geeignet
 

Dass Luftsäulen Töne erzeugen können, auch in Flaschen, das zeigte uns schliesslich der L'homme de Spa in der Aktionshalle der Roten Fabrik, Max Vandervorst (BELGIUM). Die dürftige Idee wurde durch einen lokalen Museumsführer zwar - langweilig - aufgefettet, stellte aber trotzdem drastisch die künstelerische Anspruchslosigkeit des Eröffnungsteils des diesjährigen Programms zur Schau. Gezeigt wurde ein Mittelding zwischen Kinder- und Hauptabendfernsehprogramm-Gastauftritt, das mit einfachen Melodien auf Plastikflaschen und in Mikrofonständer eingefräste Flöten das am Sonntagnachmittag hauptsächlich jugendliche oder noch &aumltere Publikum durchaus glänzend unterhielt - und wohl auch bei einem Kongresshauspublikum kindliche Begeisterung auslösen würde.
Alles in allem:  künstlerisch unbedenklich,  pädagogisch recht nett;
Unser Vorschlag: eine Migros-Tournee mit dem Duo Corti-Vandervorst.
 
 

 
 

Blickfelder -- the second week

Professional critics appeared to be quite enthusiastic about the shows presented at the first weekend - for various different reasons: the `Theater en gros et en detail' is Swiss (and has indeed proven to be quite conscious of what people want to see), M.B.D.T. & IF are moving and exotic, L'homme de Spa is fun, ..., and the professional critics probably lack the latter. ....

On the contrary this week presented a few rather remarkable shows, aesthetically intrigueing, politically moving, or highly artistic theatre - and obsolete revolutionary nonsense. `Stella den Haag' presented its theatre with television, which still lacks compositional maturity, but might be further worked out to become a really great show. `Engsteatret Gruppe 38' stirred up the public audience against book-learning in order to present an aesthetically brilliant `eternal triangle' of esoteric foolishness and common sense. `Theater Credo' presented its famous adaption from Gogol's `The Coat' as a most professional show for adults based on the dramatic means of children's theatre. And `Theater Laboratorium Oldenburg' showed its exceptional political education for people around 10 years of age, `Der kleine Herr Winterstein', which defines a new German history including the past trains to extinction as one of its roots. Whether that is politically correct appears to be an unsettled question. (However, neither political nor dramatic correctness have ever been long lasting measures of its quality. After all, for what purpose should correct theatre be subsidized by the state?) ....

.... .... ..... We would also like to change our verdict upon `Ungefär' (Theater en gros et en detail) slightly. It lacks some dramatic consequence as its sense of reality is quite questionable. Still, there is some fascinating impetus in its underlying idea of `somewhat'. ... ... ...
 
 

Blickfelder -- die zweite Woche

Die zweite Woche brachte - soweit der Rezensent das umfangreiche Geschen verfolgen konnte - hochprofessionelles, bemerkenswertes zweifelhaftes und politisches bedeutendes Theater nebst grobem, schlagendem Unfug:

Im Rain of sounds von John Agard (BRITISH GUYANA, ENGLAND) konnten die ZuschauerInnen - trotz der für den Erzähler wie vor allem für sie selber drückend engen Platzverhältnisse (und eines veritablen Organisationschaos an der Kasse, das zu einer viertelstündigen Verspätung fürte) - die Erfahrung machen, dass im Englischen ,bei entsprechender rhythmischer Gestaltung, die in der lokalen deutschschweizer Autorenszene so beliebte Wortreiterei durchaus eingeschränkt faszinieren kann. Dafür strapazierte John Agard mit seinen instrumentalen Darbietungen die freundliche Gesinnung des Publikums einigermassen. Ein relevantes Urteil über seine küstlerischen Qualitäten, als Autor wie als Poet performer, erlaubte der Rahmen allerdings nicht. Immerhin - dies war für den mit anglikanischer Petik wenig vertrauten Rezensenten alleine schon eine bemerkenswerte Erfahrung - gewinnen die grossteils recht bekannten Gedichte: "Giraffen brauchen keine Stöckelschuhe ...", "... und die zweite Hälfte der Geschichte erzähle ich beim nächsten mal", etc., wesentlich an ästhetischem Unterhaltungswert in seiner Live-Interpretation gegenüber ihrem Papiergehalt.
Alles in allem:  künstlerisch harmlos,  pädagogisch wertvoll, insoferne die Darstellung der Kuriose englischer Geschichtsschreibung vielleicht eine kritische Rerezeption der diversen mitteleuropäischen Geschichtsschreibungen zu veranlassen vermag
 

Sehr professionell mit den Mitteln des Kindertheaters gestaltetes Erwachsenentheater bot das Theater Credo (BULGARIA) mit ihrer Gogol-Adaption Der Mantel. Dass sie dabei nicht immer die Spannung beim Rezensenten aufrecht erhalten konnten, mag daran gelegen haben, dass das abermalige lange Warten an der Kassa (trotzdem er bereits im Besitz einer Eintrittskarte war) ihn vorher genervt hatte. Einige Szenen wirkten freilich schon einigermassen ausgelatscht und brachten erst nach Minuten die vorhersehbare Pointe. Und eine tiefere Meinung wurde nicht klar herausgearbeitet. Möglicherweise gewinnt aber die Produktion im Fall eines genauen Bewusstseins des Gogolschen Textes bei der BesucherIn.
Alles in allem:  künstlerisch bedenklich, aber nicht allzu schwer  pädagogisch ebenfalls;
 

Die französischsprachige Produktion Venetie der Theatergruppe Stella den Haag (NETHERLANDS) hätte ein anspruchsvolles erwachsenes Publikum wohl stark polarisiert. Im kitz-Theater l&oumlste sie aber bei Jugendlichen wie Erwachsenen - in der Freitagvorstellung - allgemeine kindliche Begeisterung aus. Der Szenegag, ein bisschen auch noch die Kinderwelt als Nintendoabenteuerspiel darzustellen, schwebt als der Inszenierung zugrundeliegendes Gesamtkonzept im Niemansland der Träme, deren tiefere Bedeutung niemanden interessiert - symptomatisch für eine Produktion, die im Augenblick durchaus zu fesseln vermag, und ästhetisch interessant mit verfremdeten Fernsehbildern als zentralem Bühnenerzählmoment umzugehen vermag, die aber keine dahinterstehende Idee kommuniziert.

Stimmungen sind Stella Den Haag vor allem wichtig und werden so vermittelt wie es das Fernsehen lehrt, mit schwellender Musik. Der in der Mitte der Bühne stehende Fernseher zeigt dazu modern-surreale Meereslandschaften und Traumgeschichten, welche alte Märchengfiguren, Hexe und b&oumlser Riese, berückend interpretieren. Das Eintauchen der beiden DarstellerInnen in diese Fernsehwelten wird als theatralisches Spannungselement verwendet, das handlung und Bilder verbindet. So entsteht ein dramaturgisches Gerüst, das einen grossen Theaterabend tragen könnte. I, derzeitigen Reifezustand aber verpflichtet sich die Vorstellung postmoderner Neoromatik: "Ich waas zwoa net, wo i hinfoa, dafuea is es schee." Wirklich Sinnvolles zu sagen hat man ja heuzutage nichts mehr.
Alles in allem:  künstlerisch harmlos, wenn auch fast bedenklich - mit einem Versprechen für die Zukunft  pädagogisch interessant, aber doch zweifelhaft;
 

Fische fallen nicht vom Himmel, glückliches leben zerrüttet letztendlich doch die Psyche, lächelnde Hexen, oder weiche Süsse, immer ein furchtbarer Mädchenkrampf. Das alles wissen wir, trotzdem nimmt eine/n Und sie lebten glücklich der Egnsteatret Gruppe 38 (DANMARK) mit, tunkt die Frauengesichter in warme Süsse und verzerrt intellektuellen Ernst zur breiten unentschiedenen Grimasse. Die Intrige war die falsche Rechnung: `Wenn man 6000 Kilometer tief ein Loch bohrt, kommt man im indischen Ozean heraus'. Man darf das glauben und kann trotzdem erwachsene Kinder verzaubern. Nur glücklich, so hatte man den Eindruck, wird man selber dabei nicht.

Pädagogisch wertvoll mag die physigionomische Opposition des Schwesternpaares sein, das zum Unglauben des einst reichen, nunmehr aber nurmehr sein Schulwissen besitzenden, Jasper das Leben der biblischen Himmelsvögel lebt. Beides zwar esoterische Schlampen, ist die jügere ein blondes grosses weiches sanftes blindes Ding, während der äteren die wunderliche Verkrampfung in dem kleinen Schlaraffenland bereits das Gesicht gezeichnet hat. Die Vorstellung überwindet diese maskenhaften Prägungen und damit verbundene abschreckende Assoziationen, vor allem dank der die Zauberwelt kontrastierenden, dem eigenen Hunger gehorchenden, männlichen Konsequenz, und am Ende wird tatsächlich auf der Bühne gebratener Fisch gegessen - selten so modern zeitlos, hätte die `Zeit' wohl geschrieben. Trotzdem, für Kinder ist die Moral zweifelhaft.
Alles in allem:   künstlerisch harmlos,  ... pädagogisch schon recht interessant,
 

Politisches Kindertheater von einer zweifelhaften, letztendlich, wie der Rezensent meint, richtigen (wenn auch nicht unbedingt rechten) Moral bot Der kleine Herr Winterstein. Für manche Bodenständige vielleicht in seiner Bedeutung schwer erfassbar erzählt das Theater Laboratorium Oldenburg (GERMANY) eine neue deutsche Geschichte, die skrupellos über die Grenzen der Scham hinweg ihre jüdischen Wurzeln als ihr Erbe reklamiert. Das resultierende Kindertheater bedient sich virtuos der Stilelemente des heutigen Esoterikschaustellungsgeschäfts um ganz altmodisch das Publikum zu rühren, wahrt dabei aber immer den Anstand und die Billigkeit. "Man kann sich das Ende nicht aussuchen" denn "jedes Ende ist auch ein Anfang" ist die erzählerische Klammer vom Drachen der aus dem Kinderbuch fl&uul;chtet zum Zug des Winterstein in den Tod. Dazwischen wird das Schauspiel eines zynisch betrachtet reichen und unnötig verspielten Lebens fesselnd erzählt, wobei selbst die wenigen vermeintlich falschen Töne im grösseren Zusammenhang eine intrigante Bedeutung bekommen.
Alles in allem:  künstlerisch schwer bedenklich,   pädagogisch sehr wertvoll, auch für Kinder über 12
 

Der tiefere Sinn der Selbstfeierungsproduktion Anthologia der Comediants Barcelona (SPAIN) zu ihrem eigenen 25. Geburtstag blieb dem mitteleuropäischen Rezensenten leider verborgen. Möglicherweise ist sein negatives Urteil durch das für die katalonischen Angelegenheiten fehlende tiefere Bewusstsein bedingt, und wird der Show nicht völlig gerecht, welche sich als heillosses stilistisches Mischmasch pr&aumsentierte. Die pädagogisch moralische Qualitäten der Comediants ässerten sich darin, dass sie Schwänze mit Schweizer Kuhglocken assozierten und damit ein lustiges Genitalspiel auff¨hrten - vor den Augen des Familienpublikums. Zu guter letzt prügelten sie dieses dann aus dem Saal, wobei sie leichtere Verletzungen in Kauf nahmen. Zwar bewiesen sie uns damit unsere motralische Schwäche, fast alle, einschliesslich des ansonsten schwer gelangweilten Rezensenten, lachten zum b&oumlsen Spiel, aber sie brachten auch ihre eigenen dramatischen Unfähigkeit auf den Punkt: Bewegung gelingt dieser Theaterform aus den 70'ern nur mehr durch Gehirnerschütterung. Aber das störte die Katalonen auch wenig. Sie freuten sich der Chuzpe, die Veranstalter bei der Probebesichtigung mit einer anderen Show reingelegt zu haben, und waren ansonsten mit ihrer eigenen Geschichte voll beschäftigt. .....
Alles in allem:   künstlerisch eher unbedenklich,  pädagogisch mehr als zweifelhaft
 
 
 

 
 

Blickfelder -- the final week

After a painful Monday evening with Verdi and Shakespeare (Un bacio ... un bacio ancor ... un altro bacio) as a double Pavarotti - emotion as two faces, music as two volumes - and some addittional minor auditory damage free of charge, the festival went on with low ups (Tölpelhans) and deep downs ( Le Bal Perdu) in order to be shown the chequered flag from the Swiss Press one day before its official end. As a consequence we experienced the great show Alles frei - Stuhl besetzt in a depressed atmosphere with approximately 4 paying visitors.

.....
 
 

Blickfelder -- die letzte Woche

Nach unerfreulichem Beginn und einem wenig erhebenden Auf und Ab im Laufe der Woche ein unkonzentriertes Finale mit nur einem Dutzend ZuschauerInnen (inklusive Freikarten), so erlebten wir die traurig stimmende Schlusswoche des heurigen Festivals. Einen nicht unwesentlichen Anteil an diesem für seine Zukunft möglicherweise fatalen Festivalendes hatten die Festivalmacher Sonanoni und Lunin, die beide schon vor Festivalschluss NZZ und Tagi davon überzeugten, dass das heurige Festival eine ihrem Wesen nach beliebige Anhäfung von mittelmässigem und schlechten Theater gewesen sei, ohne einen einzigen echten Höhepunkt. Diese Behauptung ist nicht nur falsch, sie steht auch im krassen Widerspruch zur breiten Publikumsmeinung, welche "Der kleine Herrn Winterstein" als faszinierendes Theater wahrnahm, um es im Politstil der NZZ zu formulieren.

.....

Volkstheater wie es im Buche steht bot das Teatro delle Briciole (ITALY) mit Un bacio ... un bacio ancor ... un altro bacio. Und der selbstmeinend kulturelle Teil desselbigen war dementsprechend begeistert - endlich einmal lustig, und viel billiger als die drei grossen Tenöre! Geboten wurde neben einem Gehörschaden für jene, die das Pech hatten direkt neben einem der Lautsprecher zu sitzen, Pavarottismus gemischt mit Publikumsaction. Kinder erhalten, so sie zu diesem intimen Zeltspectaculum auf der Hauptbühne der Schauspiel Akademie verschleppt werden, peinlichen Einblick in die billige, um nicht zu schreiben stumpfsinnige, Emotionswelt der Erwachsenen, die in der Musik nur die Unterscheidung von laut und leise kennt.
Alles in allem:   künstlerisch bestenfalls harmlos, aber recht eigentlich unbedenklich  pädagogisch lehrreich
 

Äusserst anspruchsvolles Kindertheater bot Baggard Teatret (DENMARK) mit der Märchenerzählung Tölpelhans, welche dem alten Märchen modernes Leben gab. Der Versuch klassisches Märchentheater durch einen einzigen Darsteller und eine Harfinistin erzählen zu lassen als postmodernes Erwachsenentheater scheiterte letztendlich sehr ehrenvoll an wenigen Unzulänglichkeiten von Geschichte, Regie und Spiel. Peter Seligmann demonstriert als Erzähler grosse schauspielerische Begabung, doch man nimmt ihm in der letzten Szene nicht ab, dass der Kuss der harfenspielenden Prinzessin ihn wirklich so verwirrt, dass er dabei den Text vergisst. Das Vorspiel vor der Theatertüre bezieht sich nicht wirklich auf das nachfolgende und die Schlusspointe kommt sehr trocken weil zu abstrakt. (So schreiben Theaterkritiker, aber Dramatiker sollten das nicht nachahmen.) Schliesslich bedürfte die Gestalt des Vaters einer Weiterentwicklung: Ihre Beziehung zu den restlichen Gestalten bleibt unklar.
Alles in allem:   künstlerisch bemerkenswert, aber nicht völlig gelungen  pädagogisch wertvoll
 

Mit modernem Opernregietheater im Puppentheaterformat quäte die Puppenbühne Demenga/Wirth (SWITZERLAND) im Puppentheater das grossteils entsprechend veranlagte Publikum mit ihrer Bilderinterpretation - von Szenen kann wegen der fehlenden Handlung kaum sprechen - der Orffschen Carmina Burana. Dabei wird den ZuschauerInnen eine durch und durch triste, heutigen Mittelalterklischees oder besonders repressiven christlichen Glaubensvorstellungen anverwandte, drückende Sicht auf das menschliche Leben suggeriert - in Opposition und fataler Passform zur Musik. Der Bezug zu den Texten ist ein nichttrivialer, und konnte vom des Lateinischen entwöhnten Rezensenten nicht immer hergestellt werden. Immerhin regt diese Produktion zum Nachdenken an über Orffs berühmt intuitiv sprachsicherer Musik in ihrem Bezug zum Text. Dabei wird aber auch das Manko recht deutlich, nur Konservenmusik - von guter aber nicht überragender Tonqualität - vorgesetzt zu bekommen, weshalb die Produktion im küstlerischen Niemansland intellektueller Demonstrationen dahinhungert. (Eine Adaption für eine grössere Bühne mit Orchester scheint kaum möglich.) Ob Kinder mit dieser Produktion etwas anfangen können erscheint mir recht zweifelhaft. Für ältere Gymnasiasten wäre sie aber sehenswert.
Alles in allem:   künstlerisch bemerkenswert, aber (beabsichtigterweise) blutleer   pädagogisch interessant
 

Drei Versuche:
Kinder, so meint man, sagen die Wahrheit - nur welche? Jene über die Musik, oder jene über die Musikerziehung? Jene, welche am Schluss vor Begeisterung trampeln, oder jene, welche den Sound mit Schwätzen und Kichern abrundeten und kurz vor Schluss mit Klatschen und flippen das Ende ihrer Qual herbeifeiern?
Als umwerfende Parade skuriller ... Instrumente ward Le Bal Perdu, das `musikalische Spektakel' von La Fanfare du Loup et le Theatre du Loup (SWITZERLAND) angeküdigt durch die Festivalmacher, und dies zu recht! Hingestreckt von der Langeweile lümmelte Der Rezensent in seinem Sitz um nach 1 1/2 Stunden zu erleben, was schon nach den ersten Minuten avantgardistischer Musikveranstaltung klar war, ein Ende mit konventionell schöner Musik.
Die gebotene Perfektion war ässerst befriedigend, auszusetzen wäre allenfalls das Fehlen musikalischen Gehalts. Doch wo, wie das Programm hervorhob, eine der "innovativsten, humorvollsten und musikalisch hochkarätigsten Theatergruppen" des Landes am Werk ist, ist dieser soundso von geringem Interesse.

Und der Humor hätte - das geben wir ohne Häme unumwunden zu - auf einem Festival für Theatergruppen mit geistigen behinderten SchauspielerInnen durchaus Chancen auf einem Platz im vorderen Mittelfeld. Freilich, was weiss man, was diesen Welschen nicht alles zuzutraun ist. Am Ende wollten sie sich nur über die Zürcher lustig machen, oder.
Alles in allem:  künstlerisch unbedenklich, fast völlig unbedenklich, wenn auch von den Instrumententechnik her interessant  ... pädagogisch ebenso
 

Im Wettstreit mit dem Zürcher Schauspielhaus erlitt das kitz-Theater als Gastgeber der Produktion Alles frei - Stuhl besetzt des theater carroussel (GERMANY) ein ruinöses wirtschaftliches Debakel, und rettete sogar künstlerisch nur einen knappen Punktesieg über die Zeit.

Am letzten Festivaltag gab es geschätzte 3.5 zahlende ZuschauerInnen - inklusive einem ganzen Kind im Kindergartenalter - und selbst die herbeigetrommelten FreikartenempfängerInnen konnten diese Zahl nur zu einem ungefähren Dutzend auffetten. In dieser kärglichen Atmosphäre schafften es weder Er, der Sesselbesetzer, noch Sie, die letztendlich erfolgreiche Sesselentsatzerin, sich auf ihre jeweilige Partitur zu konzentrieren. Szenenweise schienen sie die Bühne bereits vorzeitig verlassen zu haben. Ihre schmälich verlassenen Pappfiguren bewiesen aber auch an diesem verregneten Sonntagnachmittag ihren Witz und pochten auf ihr Leben um manches überzeugender als Ingmar Bergmanns Ehepaar von der Berliner Schaubühne ihres derzeit am Zürcher Pfauen routiniert abspielt. Den Widrigkeiten eines zuschauermässig unterbesetzten Kammerspiels und der Sensibilit&aumlt von Schauspielerstimmungen zum Trotz, zeigten sie dem harten Kern der Kritikungläbigen faszinierend einfaches Erwachsenentheater in der komplexen Leichtigkeit des Kinderseins. Wer nicht dabei war, der hat es auch nicht verdient Genaueres zu erfahren.

Alles in allem:   künstlerisch schwer bedenklich   pädagogisch sehr wertvoll

 
 

Blickfelder -- the critics

Nice people, in general. If they had time to go to theatre, well, one nevers knows, what might happen then.

Still, their commentaries always contain positive criticism, that is ideas how to improve the quality of the festival. And finally, they have decided, that `Blickfelder' is Europe's most important festival of theatre for a young audience. If the rest of Europe did support the festival committee with good productions, it might even become better. As there is little hope in that respect, however, they suggest, that more local productions might help, ...

..... As with respect to some suggestions for an improvement of the artistic quality of the festival as they have been expressed by the Swiss press:

 
 
 

Blickfelder -- die lieben KollegInnen

Die AugurInnen waren, sie schreiben es ganz ehrlich, enttäuscht, und das trotz ihrer prophetischen Fähigkeiten, die es ihnen (unter anderem) ermöglichten, noch bevor die letzte Premiere stattgefunden hatte, ein Festivalresume zu verfassen. Die Rede ist von den lieben KollegInnen von NZZ und Tagi, welchen man vor allem eines hochanrechnen muss, ihre Ehrlichkeit und Transparenz. Denn sie lassen ohne Winkelriede durchblicken, aus welchem Brunnen ihre kritische Analyse angeblich gehoben wurde: dem der Frustration der Festivalorganisatoren Sonanoni und Lunin.

Der schlus, den die Journaille zieht: Das bedeutendste europäische Kindertheaterfestival soll aufgrund der mangelnden Qualität des ausländischen Angebots in Zukunft sein künstlerisches Niveau durch vermehrte Eigenproduktionen mit Leuten der Klasse eines Rinderknecht heben. Nicht ganz so lustig, wie weiland der im Tagi von einer Kritikerin geässerte Wunsch, den Regisseur Storm zu masturbieren, aber doch von profunder kabarettistischer Qualität ...

Huhu, jodeldu, jodelda, jodeljodel, kommodl, ...

Nein, obige ist natürlich eine unfaire Kritik, welche zum einen - wir könnens nicht lassen - verschweigt, dass auch das Gegenteil des oben Zitierten von den kritisierten Presseleuten behauptet wurde - denn wer vieles bringt wird ... - und zum anderen die Notwendigkeiten professioneller Publizistik ignoriert, für die die SchreiberInnen selber am wenigsten können. Trotzdem, vielleicht ...

.....

 
 

Festival shows not visited by us

Martha M. Offene Theaterproduktion (SWITZERLAND)

Der Affe auf dem Dach Die kleinste Bühne der Welt (GERMANY)

Fräulein Tong Tong Theater Waldspeicher (GERMANY)

Van Gogh Casa degli Alfieri (ITALY)

Blauzone Post No Bills (SWITZERLAND) ... a revival of the show presented already last year at the festival, then we could only recommend it to real men, i.e. 

Il valzer del caso Casa degli Alfieri (ITALY)

Mütter Theatergroep Wederzijds (NETHERLANDS): ... we were told that eventually the audience realizes that the two men on stage will not be able to give birth to children; despite of the appealing idea of male motherhood a rather shallow show, they said, ...

Buchettino Societas Raffaello Sanzio (ITALY): ... some critics believe that this kind of theatre ought to be the future of `Blickfelder', ... the audience takes the seats in small beds for children ...

L'accalappiatopi Teatro delle Briciole (ITALY): ... der Rattenfängern von Hameln ..., a fairy tale, presented first by the `Teatro delle Briciole' in 1986 ...

Le animucce do Cechov Teatro delle Briciole (ITALY): not part of the official festival program

 
 

... and our winners are

........

We have taken our time and we have considered 17 out of 26 productions presented as part of the festival. As a result we would like to award our

 
 
 
 

 
 

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EDITOR:

Dipl. Ing. Dr. phil. Reinhard Riedl
Institut für Informatik
Universität Zürich
Winterthurerstrasse 190
CH-8057 Zürich
Tel.: 41 - 1 - 635 43 27
Fax.: 41 -1 - 635 68 09
e-mail: riedl@ifi.unizh.ch
URL (home page): http://www.ifi.unizh.ch/~riedl.html

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by Reinhard Riedl