
This page contains short sarcastic reviews in German, short cynical
commentaries in English, and iconized judgments on the children's theatre
festival Blickfelder 1997 as well as ``our
special festival-awards''.
|
|
The first weekend
The second week
The final week
The critics
Festival shows
not seen by us
... and our
winners are
The other
webpages of Zurich's Cynical Theatre Guide
Links to
theatre bills on the web
The
editorOur ruling of thumbs ought to be understood in the following way:


means terragreat


means gigagreat

means megagreat
means kilogreat

means great (= slightly
above average professional quality)

means very good (= average
professional quality or slightly below)
means good

means nice (= average
amateur theatre quality)


means not really convincing
and a
+ further thumbs
means that one might also consider it that way (though we don't)
Recommendations with respect to the age of the young audience are reflected
by the ball-icons chosen by us (and are based on the recommendations published
by the organizers of the festival):
indicates heatre shows especially dedicated
to children younger than 7 years of age are indicated by an orange ball.
indicates theatre shows especially dedicated
to people older than 6 years of age and younger than 11 years of age are
indicated by a green ball.
indicates theatre shows especially dedicated
to children older than 10 years of age and younger than 15 years of age
are marked with a blue ball.
indicates theatre shows especially dedicated
to young people older than 14 years of age are marked with a white ball.
Ihre Kommentare richten Sie bitte an den gemeinen
Rezensenten
.
(
welcome!)

Blickfelder calls itself a festival
for a young audience -- and indeed it is. The presumptive naive audience
is not bothered with too much artistic quality but rather it is entertained
in a socially prospective way which, no doubt, will yield a generation
of smart grown-ups.
There were no sex, no crime, at least not in bright light, not even love. There was just pleasure, nice sounds, `L'homme de Spa', a nice female dancer in red, Brigitta Schrepfer - book a lesson in her fitness studio if she has got one - with a nice male partner, the author Peter Rinderknecht, nice puppets, `Theater Eggs Press', nice (geile) street dancers, `M.B.D.T. & IF', and a nice mystery shadow play, `Amoros & Augustin', the latter being quite a puzzle to the grown-up (semi-)professional audience, which unfortunately missed its intention completely. Luckily, some director solved that puzzle finally, but as at that time his speech suffered from a minor lack of lucidity, it cannot be reported here. There was even more fun, when some Austrian had to ask his (club-)president, to cut his hair, him suffering from a spontaneous statement of disagreement by an addressed member of the audience which had taken the form of a flying chewing gum.
Well, theatre-going is always a dangerous adventure, and
having a good time may not be the worst. However, it was strikingly apparent
that the shows simply were not intended as pieces of art. ......

Die
Schauspiel Akademie Zürich (SWITZERLAND)
präsentierte in Zusammenarbeit mit dem Theater
Tuchlaube im GZ Buchegg mit Ich war
die acht Beine und mein Bruder der Rest ... sehr professionelles
modernes Kindererzähltheater, schaffte es aber nicht, ihrem Anspruch,
die schmerzliche Seite von Verwandlungen und das Glücksgefühl
der Erneuerung zu zeigen, gerecht zu werden. Für das teils ganz junge
Publikum waren die Erzählung zu kompliziert und für das ältere
Publikum stellte sich die Frage nach dem Zweck der Übung recht schwierig.
Dass die Musikinstrumente als verschlungene Rohre ein Abbild des Erzählstils
waren, der die Geschichte sich gegenseitig unterbrechen liess, war zwar
ein netter Regieinfall, doch einen tieferen Sinn hinter der Erzählstruktur
begriff der hier schreibende Rezensent nicht.
Alles in allem: 
künstlerisch harmlos, 
pädagogisch nicht uninteressant, aber doch zu wenig gehaltvoll;


Die letzten Nachrichten von der Bounty
(Amoros & Augustin, FRANCE) blieben im Theaterhaus Gessnerallee
mysteriös, zumindest das erwachsene Publikum konnte den Zweck der
billigen Schattenübung nicht erkennen. Die braven Kinderlein hatten
soundso ihren eigenen Spass beim Kaugummiwerfen und bei den amüsanten
Erotikschattentäzen (wobei nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden
kann, dass die Mädchen das tatsächlich begeisterte.)
Alles in allem:
...
künstlerisch unbedenklich, fast völlig unbedenklich, wenn auch
handwerklich interessant,
pädagogisch
eher von zweifelhaftem Wert;

Die
Tanzgruppen M.B.D.T. & IF (FRANCE)
begeisterten in der Aktionshalle der Roten Fabrik zwar die NZZ, weil für
einmal angeblich der Raum ausgefüllt wurde von den Solotänzern;
der hier schreibende Rezensent langweilte sich aber ziemlich bei dieser
postmodernen post-Al-Bundy Veranstaltung für ein 4-Minuten-Publikum.
Renitenten "DJ Bobo"-Rufe und die schleimende Musterschüerbegeisterung
erwiesen der mehr oder weniger beliegigen Aneinanderreihung von Solo- und
sinnlosen Gruppenszenen, die freilich pro forma eine ganze (kaum misslungene)
Kurzchoreographie beinhaltete, aber die ihr gebührende Gerechtigkeit.
Wenn auch die Soloauftritte teils technisch bemerkenswert waren, insbesondere
die Kopfpirouetten, scheitert der Versuch Collectif
Mouv' , Strassentheater als abenfüllendes Bühnentheater
zu präsentieren, an den fehlenden gestalterischen Ambitionen.
Alles in allem: 
künstlerisch harmlos, ![]()

pädagogisch von unbekanntem Wert (die Lehrer hat es teils begeistert);

Im Puppentheater
wurde das Festival mit dem "Bär
auf dem Försterball" vom Theater
Eggs Press (GERMANY) eröffnet, das zwar anfänglich
mit netten Puppentheatergags faszinierte, doch letztendlich nicht über
zynische Ansätze hinauskam. Dass nicht klar wurde, ob die Meinung
nicht tatsächlich mit der Darstellung übereinstimmte, stellt
immerhin einen gewissen Reiz dar. Bei genauerem Nachdenken schwant einem
diesbezüglich freilich Schlimmes. Wie auch immer, viele Kinder waren
wohl überfordert, und auch von den Erwachsenen, so steht zu befürchten,
ward die Veranstaltung naiv konsumiert.
Alles in allem: 
künstlerisch harmlos, 
![]()
pädagogisch eher wenig geeignet für präpubertäre Kinder
(im Widerspruch zur Altersangabe im Programm);
Das Theater
en gros et en detail (SWITZERLAND) zeigte im Fabriktheater
der Roten Fabrik mit dem Ungefähr
nettes gymnastikinspiriertes Tanztheater das zugunsten einer fröhlichen,
amüsanten Unterhaltung des jungen wie älteren Publikums auf küstlerischen
Tiefgang verzichtete, wohl nicht ganz freiwillig, sondern gefangen im Thema,
das halt am Theater der Beliebigkeit sehr nahe steht. Ballettös herumzuhüpfen
erwies sich für die Tänzerin Schrepfer auf der kleinen Bühne
als schwierig realisierbar ohne sich der Lächerlichkeit preiszugeben.
Ihr Partner, der Kindertheaterautor Peter Rinderknecht, trug - im physischen
Sinn des Worts - allzudick auf, und schaffte es trotzdem nicht sie an die
Wand zu tanzen. Das transportierte Klischee, das dicke Menschen auch Sprachschwierigkeit
haben, zeigte überdies in peinlicher Weise die mangelnde intellektuelle
Präzesion bzw. Durchdachtheit der Produktion - auch wenn es nur Ausdruck
des Themas sein sollte. Die pädagogischen Absichten blieben übrigens
auch eher unklar.
Alles in allem: 

künstlerisch harmlos, wenn auch schon fast bedenklich, 

![]()
pädagogisch nicht uninteressant, eher für Erwachsene geeignet


Dass Luftsäulen Töne erzeugen können, auch in Flaschen,
das zeigte uns schliesslich der L'homme
de Spa in der Aktionshalle der Roten Fabrik, Max
Vandervorst (BELGIUM). Die dürftige Idee wurde
durch einen lokalen Museumsführer zwar - langweilig - aufgefettet,
stellte aber trotzdem drastisch die künstelerische Anspruchslosigkeit
des Eröffnungsteils des diesjährigen Programms zur Schau. Gezeigt
wurde ein Mittelding zwischen Kinder- und Hauptabendfernsehprogramm-Gastauftritt,
das mit einfachen Melodien auf Plastikflaschen und in Mikrofonständer
eingefräste Flöten das am Sonntagnachmittag hauptsächlich
jugendliche oder noch ätere Publikum durchaus glänzend unterhielt
- und wohl auch bei einem Kongresshauspublikum kindliche Begeisterung auslösen
würde.
Alles in allem:
künstlerisch unbedenklich, 
pädagogisch recht nett;
Unser Vorschlag: eine Migros-Tournee mit dem Duo Corti-Vandervorst.


Professional critics
appeared to be quite enthusiastic about the shows presented at the first
weekend - for various different reasons: the `Theater en gros et en detail'
is Swiss (and has indeed proven to be quite conscious of what people want
to see), M.B.D.T. & IF are moving and exotic, L'homme de Spa is fun,
..., and the professional critics probably lack the latter. ....
On the contrary this week presented a few rather remarkable shows, aesthetically intrigueing, politically moving, or highly artistic theatre - and obsolete revolutionary nonsense. `Stella den Haag' presented its theatre with television, which still lacks compositional maturity, but might be further worked out to become a really great show. `Engsteatret Gruppe 38' stirred up the public audience against book-learning in order to present an aesthetically brilliant `eternal triangle' of esoteric foolishness and common sense. `Theater Credo' presented its famous adaption from Gogol's `The Coat' as a most professional show for adults based on the dramatic means of children's theatre. And `Theater Laboratorium Oldenburg' showed its exceptional political education for people around 10 years of age, `Der kleine Herr Winterstein', which defines a new German history including the past trains to extinction as one of its roots. Whether that is politically correct appears to be an unsettled question. (However, neither political nor dramatic correctness have ever been long lasting measures of its quality. After all, for what purpose should correct theatre be subsidized by the state?) ....
.... .... ..... We would also like to change our verdict upon `Ungefär'
(Theater en gros et en detail) slightly. It lacks some dramatic consequence
as its sense of reality is quite questionable. Still, there is some fascinating
impetus in its underlying idea of `somewhat'. ... ... ...
Im Rain
of sounds von John
Agard (BRITISH GUYANA, ENGLAND) konnten die ZuschauerInnen
- trotz der für den Erzähler wie vor allem für sie selber
drückend engen Platzverhältnisse (und eines veritablen Organisationschaos
an der Kasse, das zu einer viertelstündigen Verspätung fürte)
- die Erfahrung machen, dass im Englischen ,bei entsprechender rhythmischer
Gestaltung, die in der lokalen deutschschweizer Autorenszene so beliebte
Wortreiterei durchaus eingeschränkt faszinieren kann. Dafür strapazierte
John Agard mit seinen instrumentalen Darbietungen die freundliche Gesinnung
des Publikums einigermassen. Ein relevantes Urteil über seine küstlerischen
Qualitäten, als Autor wie als Poet performer, erlaubte der Rahmen
allerdings nicht. Immerhin - dies war für den mit anglikanischer Petik
wenig vertrauten Rezensenten alleine schon eine bemerkenswerte Erfahrung
- gewinnen die grossteils recht bekannten Gedichte: "Giraffen brauchen
keine Stöckelschuhe ...", "... und die zweite Hälfte der Geschichte
erzähle ich beim nächsten mal", etc., wesentlich an ästhetischem
Unterhaltungswert in seiner Live-Interpretation gegenüber ihrem Papiergehalt.
Alles in allem: 
künstlerisch harmlos,
pädagogisch
wertvoll, insoferne die Darstellung der Kuriose englischer Geschichtsschreibung
vielleicht eine kritische Rerezeption der diversen mitteleuropäischen
Geschichtsschreibungen zu veranlassen vermag
Sehr professionell mit den Mitteln des Kindertheaters
gestaltetes Erwachsenentheater bot das Theater
Credo (BULGARIA) mit ihrer Gogol-Adaption Der
Mantel. Dass sie dabei nicht immer die Spannung beim
Rezensenten aufrecht erhalten konnten, mag daran gelegen haben, dass das
abermalige lange Warten an der Kassa (trotzdem er bereits im Besitz einer
Eintrittskarte war) ihn vorher genervt hatte. Einige Szenen wirkten freilich
schon einigermassen ausgelatscht und brachten erst nach Minuten die vorhersehbare
Pointe. Und eine tiefere Meinung wurde nicht klar herausgearbeitet. Möglicherweise
gewinnt aber die Produktion im Fall eines genauen Bewusstseins des Gogolschen
Textes bei der BesucherIn.
Alles in allem:
künstlerisch bedenklich, aber nicht allzu schwer
pädagogisch ebenfalls;

Die französischsprachige
Produktion Venetie der
Theatergruppe Stella den Haag (NETHERLANDS)
hätte ein anspruchsvolles erwachsenes Publikum wohl stark polarisiert.
Im kitz-Theater löste sie aber bei Jugendlichen wie Erwachsenen
- in der Freitagvorstellung - allgemeine kindliche Begeisterung aus. Der
Szenegag, ein bisschen auch noch die Kinderwelt als Nintendoabenteuerspiel
darzustellen, schwebt als der Inszenierung zugrundeliegendes Gesamtkonzept
im Niemansland der Träme, deren tiefere Bedeutung niemanden interessiert
- symptomatisch für eine Produktion, die im Augenblick durchaus zu
fesseln vermag, und ästhetisch interessant mit verfremdeten Fernsehbildern
als zentralem Bühnenerzählmoment umzugehen vermag, die aber keine
dahinterstehende Idee kommuniziert.
Stimmungen sind Stella Den Haag vor allem wichtig und werden so vermittelt
wie es das Fernsehen lehrt, mit schwellender Musik. Der in der Mitte der
Bühne stehende Fernseher zeigt dazu modern-surreale Meereslandschaften
und Traumgeschichten, welche alte Märchengfiguren, Hexe und böser
Riese, berückend interpretieren. Das Eintauchen der beiden DarstellerInnen
in diese Fernsehwelten wird als theatralisches Spannungselement verwendet,
das handlung und Bilder verbindet. So entsteht ein dramaturgisches Gerüst,
das einen grossen Theaterabend tragen könnte. I, derzeitigen Reifezustand
aber verpflichtet sich die Vorstellung postmoderner Neoromatik: "Ich waas
zwoa net, wo i hinfoa, dafuea is es schee." Wirklich Sinnvolles zu sagen
hat man ja heuzutage nichts mehr.
Alles in allem: 

![]()
künstlerisch harmlos, wenn auch fast bedenklich - mit einem Versprechen
für die Zukunft 
pädagogisch interessant, aber doch zweifelhaft;
Fische fallen nicht vom Himmel, glückliches
leben zerrüttet letztendlich doch die Psyche, lächelnde Hexen,
oder weiche Süsse, immer ein furchtbarer Mädchenkrampf. Das alles
wissen wir, trotzdem nimmt eine/n Und
sie lebten glücklich der Egnsteatret
Gruppe 38 (DANMARK) mit, tunkt die Frauengesichter
in warme Süsse und verzerrt intellektuellen Ernst zur breiten unentschiedenen
Grimasse. Die Intrige war die falsche Rechnung: `Wenn man 6000 Kilometer
tief ein Loch bohrt, kommt man im indischen Ozean heraus'. Man darf das
glauben und kann trotzdem erwachsene Kinder verzaubern. Nur glücklich,
so hatte man den Eindruck, wird man selber dabei nicht.
Pädagogisch wertvoll mag die physigionomische Opposition des Schwesternpaares
sein, das zum Unglauben des einst reichen, nunmehr aber nurmehr sein Schulwissen
besitzenden, Jasper das Leben der biblischen Himmelsvögel lebt. Beides
zwar esoterische Schlampen, ist die jügere ein blondes grosses weiches
sanftes blindes Ding, während der äteren die wunderliche Verkrampfung
in dem kleinen Schlaraffenland bereits das Gesicht gezeichnet hat. Die
Vorstellung überwindet diese maskenhaften Prägungen und damit
verbundene abschreckende Assoziationen, vor allem dank der die Zauberwelt
kontrastierenden, dem eigenen Hunger gehorchenden, männlichen Konsequenz,
und am Ende wird tatsächlich auf der Bühne gebratener Fisch gegessen
- selten so modern zeitlos, hätte die `Zeit' wohl geschrieben. Trotzdem,
für Kinder ist die Moral zweifelhaft.
Alles in allem:
![]()

künstlerisch harmlos, 
...
pädagogisch schon recht interessant,
Politisches Kindertheater
von einer zweifelhaften, letztendlich, wie der Rezensent meint, richtigen
(wenn auch nicht unbedingt rechten) Moral bot Der
kleine Herr Winterstein. Für manche Bodenständige
vielleicht in seiner Bedeutung schwer erfassbar erzählt das Theater
Laboratorium Oldenburg (GERMANY) eine neue deutsche
Geschichte, die skrupellos über die Grenzen der Scham hinweg ihre
jüdischen Wurzeln als ihr Erbe reklamiert. Das resultierende Kindertheater
bedient sich virtuos der Stilelemente des heutigen Esoterikschaustellungsgeschäfts
um ganz altmodisch das Publikum zu rühren, wahrt dabei aber immer
den Anstand und die Billigkeit. "Man kann sich das Ende nicht aussuchen"
denn "jedes Ende ist auch ein Anfang" ist die erzählerische Klammer
vom Drachen der aus dem Kinderbuch fl&uul;chtet zum Zug des Winterstein
in den Tod. Dazwischen wird das Schauspiel eines zynisch betrachtet reichen
und unnötig verspielten Lebens fesselnd erzählt, wobei selbst
die wenigen vermeintlich falschen Töne im grösseren Zusammenhang
eine intrigante Bedeutung bekommen.
Alles in allem: 
künstlerisch schwer bedenklich, 
![]()
pädagogisch sehr wertvoll, auch für Kinder über 12


Der tiefere Sinn der Selbstfeierungsproduktion Anthologia
der Comediants Barcelona (SPAIN)
zu ihrem eigenen 25. Geburtstag blieb dem mitteleuropäischen Rezensenten
leider verborgen. Möglicherweise ist sein negatives Urteil durch das
für die katalonischen Angelegenheiten fehlende tiefere Bewusstsein
bedingt, und wird der Show nicht völlig gerecht, welche sich als heillosses
stilistisches Mischmasch pr&aumsentierte. Die pädagogisch moralische
Qualitäten der Comediants ässerten sich darin, dass sie Schwänze
mit Schweizer Kuhglocken assozierten und damit ein lustiges Genitalspiel
auff¨hrten - vor den Augen des Familienpublikums. Zu guter letzt prügelten
sie dieses dann aus dem Saal, wobei sie leichtere Verletzungen in Kauf
nahmen. Zwar bewiesen sie uns damit unsere motralische Schwäche, fast
alle, einschliesslich des ansonsten schwer gelangweilten Rezensenten, lachten
zum bösen Spiel, aber sie brachten auch ihre eigenen dramatischen
Unfähigkeit auf den Punkt: Bewegung gelingt dieser Theaterform aus
den 70'ern nur mehr durch Gehirnerschütterung. Aber das störte
die Katalonen auch wenig. Sie freuten sich der Chuzpe, die Veranstalter
bei der Probebesichtigung mit einer anderen Show reingelegt zu haben, und
waren ansonsten mit ihrer eigenen Geschichte voll beschäftigt. .....
Alles in allem:
![]()

künstlerisch eher unbedenklich,
pädagogisch
mehr als zweifelhaft

.....
.....

Volkstheater wie
es im Buche steht bot das Teatro delle
Briciole (ITALY) mit Un
bacio ... un bacio ancor ... un altro bacio. Und
der selbstmeinend kulturelle Teil desselbigen war dementsprechend begeistert
- endlich einmal lustig, und viel billiger als die drei grossen Tenöre!
Geboten wurde neben einem Gehörschaden für jene, die das Pech
hatten direkt neben einem der Lautsprecher zu sitzen, Pavarottismus gemischt
mit Publikumsaction. Kinder erhalten, so sie zu diesem intimen Zeltspectaculum
auf der Hauptbühne der Schauspiel Akademie verschleppt werden, peinlichen
Einblick in die billige, um nicht zu schreiben stumpfsinnige, Emotionswelt
der Erwachsenen, die in der Musik nur die Unterscheidung von laut und leise
kennt.
Alles in allem:
![]()

künstlerisch bestenfalls harmlos, aber recht eigentlich unbedenklich 
pädagogisch lehrreich
Äusserst anspruchsvolles Kindertheater
bot Baggard Teatret (DENMARK)
mit der Märchenerzählung Tölpelhans,
welche dem alten Märchen modernes Leben gab. Der Versuch klassisches
Märchentheater durch einen einzigen Darsteller und eine Harfinistin
erzählen zu lassen als postmodernes Erwachsenentheater scheiterte
letztendlich sehr ehrenvoll an wenigen Unzulänglichkeiten von Geschichte,
Regie und Spiel. Peter Seligmann demonstriert als Erzähler grosse
schauspielerische Begabung, doch man nimmt ihm in der letzten Szene nicht
ab, dass der Kuss der harfenspielenden Prinzessin ihn wirklich so verwirrt,
dass er dabei den Text vergisst. Das Vorspiel vor der Theatertüre
bezieht sich nicht wirklich auf das nachfolgende und die Schlusspointe
kommt sehr trocken weil zu abstrakt. (So schreiben Theaterkritiker, aber
Dramatiker sollten das nicht nachahmen.) Schliesslich bedürfte die
Gestalt des Vaters einer Weiterentwicklung: Ihre Beziehung zu den restlichen
Gestalten bleibt unklar.
Alles in allem:
künstlerisch bemerkenswert, aber nicht völlig gelungen
pädagogisch wertvoll

Mit modernem Opernregietheater
im Puppentheaterformat quäte die Puppenbühne
Demenga/Wirth (SWITZERLAND) im Puppentheater das grossteils
entsprechend veranlagte Publikum mit ihrer Bilderinterpretation - von Szenen
kann wegen der fehlenden Handlung kaum sprechen - der Orffschen Carmina
Burana. Dabei wird den ZuschauerInnen eine durch
und durch triste, heutigen Mittelalterklischees oder besonders repressiven
christlichen Glaubensvorstellungen anverwandte, drückende Sicht auf
das menschliche Leben suggeriert - in Opposition und fataler Passform zur
Musik. Der Bezug zu den Texten ist ein nichttrivialer, und konnte vom des
Lateinischen entwöhnten Rezensenten nicht immer hergestellt werden.
Immerhin regt diese Produktion zum Nachdenken an über Orffs berühmt
intuitiv sprachsicherer Musik in ihrem Bezug zum Text. Dabei wird aber
auch das Manko recht deutlich, nur Konservenmusik - von guter aber nicht
überragender Tonqualität - vorgesetzt zu bekommen, weshalb die
Produktion im küstlerischen Niemansland intellektueller Demonstrationen
dahinhungert. (Eine Adaption für eine grössere Bühne mit
Orchester scheint kaum möglich.) Ob Kinder mit dieser Produktion etwas
anfangen können erscheint mir recht zweifelhaft. Für ältere
Gymnasiasten wäre sie aber sehenswert.
Alles in allem:
künstlerisch bemerkenswert, aber (beabsichtigterweise) blutleer
pädagogisch interessant


Drei Versuche:
Kinder, so meint man, sagen die Wahrheit - nur welche? Jene über
die Musik, oder jene über die Musikerziehung? Jene, welche am Schluss
vor Begeisterung trampeln, oder jene, welche den Sound mit Schwätzen
und Kichern abrundeten und kurz vor Schluss mit Klatschen und flippen das
Ende ihrer Qual herbeifeiern?
Als umwerfende Parade skuriller ... Instrumente ward Le
Bal Perdu, das `musikalische Spektakel' von La
Fanfare du Loup et le Theatre du Loup (SWITZERLAND) angeküdigt
durch die Festivalmacher, und dies zu recht! Hingestreckt von der Langeweile
lümmelte Der Rezensent in seinem Sitz um nach 1 1/2 Stunden zu erleben,
was schon nach den ersten Minuten avantgardistischer Musikveranstaltung
klar war, ein Ende mit konventionell schöner Musik.
Die gebotene Perfektion war ässerst befriedigend, auszusetzen
wäre allenfalls das Fehlen musikalischen Gehalts. Doch wo, wie das
Programm hervorhob, eine der "innovativsten, humorvollsten und musikalisch
hochkarätigsten Theatergruppen" des Landes am Werk ist, ist dieser
soundso von geringem Interesse.
Und der Humor hätte - das geben wir ohne Häme unumwunden zu
- auf einem Festival für Theatergruppen mit geistigen behinderten
SchauspielerInnen durchaus Chancen auf einem Platz im vorderen Mittelfeld.
Freilich, was weiss man, was diesen Welschen nicht alles zuzutraun ist.
Am Ende wollten sie sich nur über die Zürcher lustig machen,
oder.
Alles in allem:
künstlerisch unbedenklich, fast völlig unbedenklich, wenn auch
von den Instrumententechnik her interessant
...
pädagogisch ebenso


Im Wettstreit mit dem Zürcher Schauspielhaus erlitt das kitz-Theater
als Gastgeber der Produktion Alles
frei - Stuhl besetzt des theater
carroussel (GERMANY) ein ruinöses wirtschaftliches Debakel,
und rettete sogar künstlerisch nur einen knappen Punktesieg über
die Zeit.
Am letzten Festivaltag gab es geschätzte 3.5 zahlende ZuschauerInnen - inklusive einem ganzen Kind im Kindergartenalter - und selbst die herbeigetrommelten FreikartenempfängerInnen konnten diese Zahl nur zu einem ungefähren Dutzend auffetten. In dieser kärglichen Atmosphäre schafften es weder Er, der Sesselbesetzer, noch Sie, die letztendlich erfolgreiche Sesselentsatzerin, sich auf ihre jeweilige Partitur zu konzentrieren. Szenenweise schienen sie die Bühne bereits vorzeitig verlassen zu haben. Ihre schmälich verlassenen Pappfiguren bewiesen aber auch an diesem verregneten Sonntagnachmittag ihren Witz und pochten auf ihr Leben um manches überzeugender als Ingmar Bergmanns Ehepaar von der Berliner Schaubühne ihres derzeit am Zürcher Pfauen routiniert abspielt. Den Widrigkeiten eines zuschauermässig unterbesetzten Kammerspiels und der Sensibilität von Schauspielerstimmungen zum Trotz, zeigten sie dem harten Kern der Kritikungläbigen faszinierend einfaches Erwachsenentheater in der komplexen Leichtigkeit des Kinderseins. Wer nicht dabei war, der hat es auch nicht verdient Genaueres zu erfahren.
Alles in allem:
künstlerisch schwer bedenklich
pädagogisch sehr wertvoll

Nice people, in general. If they had
time to go to theatre, well, one nevers knows, what might happen then.
Still, their commentaries always contain positive criticism, that is ideas how to improve the quality of the festival. And finally, they have decided, that `Blickfelder' is Europe's most important festival of theatre for a young audience. If the rest of Europe did support the festival committee with good productions, it might even become better. As there is little hope in that respect, however, they suggest, that more local productions might help, ...
..... As with respect to some suggestions for an improvement of the artistic quality of the festival as they have been expressed by the Swiss press:
We do not believe that children's theatre should
try to become firmly established in bed! We do not believe that self-produced
shows as `Ungefähr' indicate a prospective way into the future! And
we do not believe most of the other recommendations published in Swiss
newspapers!
We do not believe that any concept different
from trying to select and present the best European theatre shows under
the constraints that nearly all of them have to be easily understood by
an audience the majority of which is German speaking - but also familiar
with the passive use of English language -, and the largest minority of
which is Italian speaking. (As comprehensibility does not necessarily imply
a particular language of presentation that does not exclude shows in other
languages. In particular there is considerable interest in Zurich as part
of Switzerland in shows presented in French.)
On the contrary, we do believe that the festival
could gain from the establishment of a professional festival director who
is able to give new impulses of particular artistic nature to the festival
and who is able to set up a more unique identity of the festival. So far
the Blickfelder Festival is one among the many European theatre festivals
- only characterized by the fact that it pretends to address a young audience.
However, for political reasons a professional festival management will
not be set up. Therefore we doubt that self-produced shows will have the
desired artistic quality - apart from the fact that they are much too expensive
for a low-budget festival.
Thus there seems to be only one way out of the
dissatisfaction with this year's festival: an extensive search - conducted
all over Europe - for artistic quality in children's theatre plus educating
the local critics ...
Der schlus, den die Journaille zieht: Das bedeutendste europäische Kindertheaterfestival soll aufgrund der mangelnden Qualität des ausländischen Angebots in Zukunft sein künstlerisches Niveau durch vermehrte Eigenproduktionen mit Leuten der Klasse eines Rinderknecht heben. Nicht ganz so lustig, wie weiland der im Tagi von einer Kritikerin geässerte Wunsch, den Regisseur Storm zu masturbieren, aber doch von profunder kabarettistischer Qualität ...
Huhu, jodeldu, jodelda, jodeljodel, kommodl, ...
Nein, obige ist natürlich eine unfaire Kritik, welche zum einen - wir könnens nicht lassen - verschweigt, dass auch das Gegenteil des oben Zitierten von den kritisierten Presseleuten behauptet wurde - denn wer vieles bringt wird ... - und zum anderen die Notwendigkeiten professioneller Publizistik ignoriert, für die die SchreiberInnen selber am wenigsten können. Trotzdem, vielleicht ...
.....


Martha
M. Offene Theaterproduktion
(SWITZERLAND)
Der
Affe auf dem Dach Die
kleinste Bühne der Welt (GERMANY)
Fräulein
Tong Tong Theater
Waldspeicher (GERMANY)
Van
Gogh Casa degli
Alfieri (ITALY)

Blauzone
Post No Bills (SWITZERLAND)
...
a revival of the show presented already last
year at the festival, then we could only recommend it to real men, i.e. 
Il
valzer del caso Casa
degli Alfieri (ITALY)

Mütter
Theatergroep Wederzijds
(NETHERLANDS): ... we were told that eventually the audience realizes that
the two men on stage will not be able to give birth to children; despite
of the appealing idea of male motherhood a rather shallow show, they said,
...

Buchettino
Societas Raffaello Sanzio
(ITALY): ... some critics believe that this kind of theatre ought to be
the future of `Blickfelder', ... the audience takes the seats in small
beds for children ...

L'accalappiatopi
Teatro delle Briciole
(ITALY): ... der Rattenfängern von Hameln ..., a fairy tale, presented
first by the `Teatro delle Briciole' in 1986 ...

Le
animucce do Cechov Teatro
delle Briciole (ITALY): not part of the official festival
program

We have taken our time and we have considered 17 out of 26 productions presented as part of the festival. As a result we would like to award our
SPECIAL THANKS as second prize to Alles frei - Stuhl besetzt of theater carroussel, and by our
SPECIAL THANKS as third prize to Der Mantel of Theater Credo .

Related Pages:
EDITOR:
URL (home page): http://www.ifi.unizh.ch/~riedl.html
URL (this page) http://www.ifi.unizh.ch/~riedl/Blickfelder97.html

by Reinhard Riedl


