Zuercher Theaterkritiken 1994 - 1996,
der Gemeinheiten dritter Teil
(PAGE 5 of Zurich's Cynical Theatre Guide)



This page is the third out of four ZZT-Webpages which with reviews (in German) of theatre shows (including drama, ballet, contemporary dance, children's theatre) performed in Zurich, Switzerland, between January 1994 and June 1996. A list of all reviews may be found below. For further information - both in English and in German - about Zurich's rich theatre scene, go to the starting page of Zurich's Cynical Theatre Guide!

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Sämtliche Kritiken sind Originalkritiken aus den Jahren 1994 - 1996. Sie repräsentieren nicht notwendigerweise die heutige Meinung des Autors !!!






List of German reviews 1994-96 from to

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SUNSHINE -- Amerikanische Peepshow

oder


Eine provinzielle Liebesgeschichte


Mit Geschick und Gespür fürs Provinzielle hat Andreas Storm, ein Schüler der SAZ\footnote{Schauspielakademie Zürich} im Theater Heddy Maria Wettstein 'Sunshine' von William Mastrosimone inszeniert mit Marianne Thiel und Thomas Bischofsberger in den Hauptrollen und sich selbst in einer Nebenrolle als masturbierender Peepshowfreier. Es gelingt ihm dabei die Zürcher Mode des nackten geschlechtsverkehrenden Fleisches auf der Bühne mit dem Zürcher Publikumsanspruch auf harmlose Unterhaltung zu kombinieren. Was dabei herauskommt sind Amore, Amore und viele Lacher.

Im Mittelpunkt dieser amerikanischen, fast bedingungslos positiven Liebesgeschichte steht die Fähigkeit des Menschen sich zu verändern. Das Beispiel geben zwei junge gescheite Leute, eine Peepshowtänzerin und ein Sanitäter. Sie überzeugen mit witziger Schlagfertigkeit, Weisheit und Einsichtigkeit. Und zwar wirklich. Was auf der Bühne passiert ist glaubwürdig und überzeugend: fesselndes naives junges Theater. Nur menschliche Abgründe fehlen, seltsamerweise ohne dass es Löcher in den psychischen Landschaften gäbe. Probleme gibt es zwar viele, doch sind sie alle irgenwie harmlos. So ist denn das happy end dieser happy sex story auch ein vorläufiges und bedeutungsloses, was auch genau das Thema von Storms Inszenierung fern dem modernen mitteleuropäischem Theater ist: jungfräuliche Jugend in der amerikanischen Provinz, voll Hoffnung und Talent zur Veränderung und mit starker, ruhiger Vernunft ausgestattet, die ihre schweren Probleme vorläufig meistert.

Es gibt an Sunshine wenig auszusetzen und viel zu loben. Trotzdem ist Sunshine nur gutes Theater und für die drei SAZ-SchülerInnen nur ein Gesellen-, nicht aber ein Meisterstück.

Es wird schlicht und einfach eine nette provinzielle, dem internationalen Zeitgeist entsprechende, Liebeskiste zwischen der Peepshowtänzerin und dem Sanitäter mit amüsantem Witz, psychologischer Präzesion und kindlicher Poesie erzählt, oder, anders ausgedrückt -- um uns diesmal nicht die Damen von der Nzz, sondern die gnädige Frau Löffler\footnote{eine vom Profil gefeuerte und mit Schreibverbot belegte Theaterkritikerin} zum Vorbild zu nehmen -- Sunshine ist eine Ansammlung von Banalitäten\footnote{Die gnädige Frau würde vermutlich liebevoll von Ungenauigkeiten sprechen, aber das sind ja schon wieder nur Gemeinheiten.}.

Marianne Thiel stellt glaubwürdig und überzeugend die Peepshowtänzerin Sunshine dar, eine junge Frau in einer hoffnungslosen, aber scheinbar keineswegs ernsten Lage. Sie ist verheiratet mit einem 5-Tage-zärtlich-25-Tage gewalttätigen kaputten Typen, der ihr mit gemeinsamem (Selbst-)mord droht, sie übt einen Beruf aus, indem Lüge, gegen sich selber und zu anderen wesentliche Vorraussetzung für ein bescheidenes sich Erheben über das (schöne) Mittelmass ist, sie ist gescheit und total unlogisch in emotionalen Angelegenheiten, sie ist kindlich und lernwillig, manchmal provokant pubertär und auch abgedroschen erfahren, bisweilen ist sie inkonsequent hilflos und bei manchen Gelegenheiten professionell brutal, und all diese einander chaotisch widersprechenden Eigenschaften werden von Marianne Thiel einleuchtend konsequent und natürlich dargestellt, wobei sie, wie die beiden männlichen Schauspieler, von der intimen Nähe zwischen Bühne und Zuschauern im Heddy Maria Wettstein profitiert.

Thomas Bischofsberger, im Slip ein Zuckerl für das weibliche Publikum, spielt nicht ganz so überzeugend wie Marianne Thiel und hat anfangs stimmliche Startschwierigkeiten. Im Laufe des Abends gibt er aber dem Sanitäter\footnote{An den Namen des Sanitäters kann sich der Kritiker leider nicht erinnern, aber teilen sie es mir bitte jetzt nicht alle per E-Mail mit.} Gestalt und Profil, einem grundgeraden Mann, der mitten im Leben der Provinz steht, überzeugt (ohne davon moralisches Aufsehen zu machen), dass die Peepshowfreier alle pervers sind und Frauen, die sich von Männern verprügeln lassen noch grössere Schweinehunde sind als die Männer, die Frauen verprügeln, aber selbstverständlich bereit, eine Liebesaffäre mit einer Peepshowtänzerin zu beginnen -- oder sie zumindest zu ficken oder zu retten. Dabei enthalten sich Storm und Bischofsberger jeder Andeutung eines naheliegenden Zynismus.

Auch wenn nebenbei die Oberfläche aufgerauht wird, wobei sich etwa herausstellt, dass der Sanitäter bisweilen lebensunwertes Leben sich vom Leben verabschieden lässt, anständiger, vernünftiger und problemloser als Bischofsbergers Sanitäter und auch Thiels Peepshowtänzerin kann man kaum sein. Was waren das für glückliche Zeiten als wir auch noch so waren, so durch und durch, und uns die Mütter die Brust gaben!

Trotz einiger Längen und einiger kindischer Liebesgeschichte-trivialitäten -- erste Zärtlichkeiten darzustellen überfordert den jungen Regisseur, was man ihm angesichts der vielen üblen Vorbilder nicht vorwerfen kann, immerhin geht er bei seinen diesbezüglichen Imitationen recht publikumsschonend\footnote{ohne dass man als Zuschauer unter kalten Rückenschauern leiden müsste} vor -- ist Sunshine ein spannender und amüsanter Theaterabend, der vor allem das weibliche Publikum lautstark erheitert.\footnote{Aber es gibt natürlich auch für die Männer faszinierende Einblicke, welche der Tagikritikerin offensichtlich, obwohl sie die Cleanheit der Inszenierung betont, einige Schwierigkeiten bereitet haben.}

Nicht fertiggeworden ist Andreas Storm mit dem happy end des Dramas. (Der Sanitäter holt Sunshine aus dem Peepshowgewerbe.) Zwar wird dem schwachbrüstigen Schluss Mastrosimones ein bisschen Gehalt gegeben durch eine vorgebliche Durchlüftungspause kurz vor dem guten Ende, welche Distanz schafft zwischen dem teilweise dramatischen Mittelteil, der mit dem Scheitern der Amore zwischen Sunshine und ihrem Sanitäter endet, und dem aufgesetzten happy end in der Peepshow, doch danach enthält sich der Regisseur jeder Interpretation und lässt die beiden Hauptdarsteller mit dem Text alleine. Und der klingt gerade in den Peepshowszenen -- zumindest für europäische Ohren -- unrealistisch und begründet den glücklichen Ausgang der Liebesgeschichte mit dem Versuch eines Peepshowstammkunden von Sunshine ein Photo gegen ihren Willen zu machen. Über die Zukunft des Paares sagt er gar nichts und erzählt für diesen Zweck zu viel. Hier drückt sich die Regie vor der Auseinandersetzung mit dem Stück -- mit dem Erfolg eines episodenhaften Nachgeschmacks.

Alles in allem ist Sunshine eine der besten Aufführungen dieser (Zürcher) Theatersaison, doch sie ist auch ein vernichtendes Urteil über die Arbeit in der SAZ. Was ist das Ziel der Regieausbildung in der SAZ? Nachwuchs für die Met zu produzieren?

Diese Frage ist natürlich ein bisschen ungerecht: verglichen mit den meisten jungen Theaterproduktionen Zürichs -- mit Ausnahme derjenigen des kitz -- ist Sunshine das Wien vor den Toren St.Pöltens, nur dass halt auch Wien St.Pölten ist, ganz wie im richtigen Leben.

Vermutlich leidet Storm auch noch an den Spätfolgen von Gangway, einer völlig gescheiterten Produktion der SAZ im letzten Herbst zum Thema EWR-Nein, an der er als Schauspieler mitwirkte. Deren Peinlichkeit bestand neben der Unmöglichkeit, die Handlung in real time zu verstehen, vor allem in der unpassenden Jugend der Darsteller (abgesehen davon, dass diesen angeblich\footnote{gemäss deren Aussagen} in der vom Kritiker konsumierten Vorstellung unglücklicherweise ein Lapsus nach dem anderen unterlief\footnote{Die diesbezügliche Nachstellung nach der Vorstellung in der Tram 4 hat den Kritiker damals recht aufgestellt, %aber dies erwähne ich nur um dem %Herrn Hummel, dessen Hang zur Aristokratie in letzter Zeit bedenkliche Formen % annimmt -- seit neuestem gilt sein Interesse den Königen ?!! -- eine Freude %zu machen und ihn auf andere Gedanken zu bringen. ...}). Trotzdem könnte Mitte der 90'er Jahre auch ein junger Regisseur ein bisschen mehr Realismus und vielleicht ein bisschen weniger Reinlichkeit bieten. Cleanen Sonnenschein gibt es auch im Kino, und zwar professioneller und billiger\footnote{Preise ohne Gewähr: 20 Franken (Legi 15 Franken), Loge 30 Franken (Legi 25 Franken)}.

Es ist zu hoffen, dass sich die SAZ in Zukunft höhere Ziele setzt als nettes junges Theater zu produzieren. Im übrigen kann es allerdings nach menschlichem Ermessen fast ausgeschlossen werden, dass es dem geschätzten Leser schadet, wenn er sich selbst ein Urteil bildet und hingeht,\footnote{Aufführungen finden statt vom 8.6. bis 25.6. jeweils Mittwoch bis Samstag 20.00. Reservationen sind unter der Telephonnummer (01) 251 86 28 möglich.} -- sei es nur, um zu staunen, welch Insel der Seligen Zürich auch heute noch in den Köpfen der Menschen ist -- und wie international oder zumindest amerikanisch--international diese aggressionslose Zürcher Nettigkeits- und Artigkeitsmentalität ist, wenn sie sich mit ein bisschen Sex schmückt.

Leichte Theaterkleidung ist empfehlenswert.






Der Mensch, das Tier und die Tugend
(Der Preisverleiher, das Netzhemdchen und die Preisträgerin)


Eine frigide, sexualneurotische Ehefrau und der arschwackelnde, mitleidsbeflissene Lehrer ihres Sohnes haben mitsammen ein Kind gezeugt und schieben es rechtzeitig dem Ehemann, einem von seiner fetten, hässlichen, neapolitanischen Zweitfrau unterdrückten Seebärn, der zu Hause den Mann von Charakter spielen möchte, unter, indem sie ihm mit Pharmaka einheitzen und auf diese Weise zur Erfüllung seiner ehelichen Pflichten bringen. So weit, so originell, oder auch nicht. Doch die Regie in der Schauspielhausproduktion versucht erst gar nicht die Skurillität in Pirandellos Geschichte herauszustellen, sondern konzentriert sich auf deren Erzählung -- mit dem bemerkenswerten Erfolg, dass sie das Stück als dämlich entlarvt und sich selbst, zumindest in der Rezeption der Tagi-Kritik, als genial darstellt.

Vermutlich nicht ganz ohne Absicht, erzeugt die Regie den Eindruck, ein überflüssiges Stück gerettet zu haben. Ebenso die Schauspieler. Sie setzen sich selbst hervorragend in Szene auf Kosten von Pirandellos Geschichte. Das führt zu einer Menge Unklarheiten und Ungereimtheiten -- die Sexualität des Lehrers etwa bleibt völlig unklar -- und dem Eindruck, einige der Charaktere seien schlicht überflüssig.

Die mehr oder weniger Sinn gebende schauspielerische Egozentrik freilich ist das eigentliche Thema des Abends und des Stücks. Pirandellos Stück ist weder pubertärer Ulk, noch allzu erwachsener Schwank, sondern, entweder selbstloseste Dramaturgie oder schweinisch gemeine Hinterlist. Nicht bürgerliche Moral, nicht die Unterdrückung der Männer durch neurotische Frauen, nicht die Ausbeutung der Wissenschafter durch weibliche Hysterien sind das Thema dieses Stücks, sondern schauspielerische Exzentrizität und Egomanie. Pirandello hat, wie sie da so sagen, den Schauspielern aufs Maul geschaut, und lässt sie, auf seine Kosten, frei und hemmungslos spielen. Und die Schauspieler nützen ihre Chancen, mit Gefühl für das rechte Mass .

Das Unzusammenhängende einzelner Auftritte macht deshalb Sinn, und entspricht der Natur des Stücks, weil es den Schauspielern Gelegenheit gibt, frei von Konkurrenz ihre schauspielerische Butterseite zu zeigen. Dabei stört es wenig, dass es gewisse Brüche gibt, und es den Schauspielern nicht völlig gelungen ist ihre Rollen kontinuierlich und (psycho)logisch konsequent als Einheiten zu gestalten. Sie verstehen es in den jeweiligen Szenen zu faszinieren, die Augenblicke -- dramaturgisch recht skrupellos -- zu gestalten.

Dem Zuschauer wird so Hypokratie pur serviert, vor allem dank der in diesen Belangen ausserordentlichen DarstellerInnen des Menschen in Gestalt des Lehrers und der Tugend in Gestalt der herumvögelnden Ehefrau. Für das Gehabe des Menschen, eines wirklichen Menschen, und der Tugend, einer wahrhaften Tugend, ist ein grobes deutsches Wort wie Verlogenheit schlicht und einfach unschicklich, das darf man nur mit dem edlen und erhabenen Klang der Hypokratie anzudeuten wagen.

Allerdings scheint diesen Lügen, neben dem Tier in Gestalt des Seebärn im sexy Neglig\`e, einem schwarzen Netzhemd, aus dem sich seine angegrauten Brusthaare herauskrauseln, auch die Regie zum Opfer gefallen zu sein. Das Stück endet als Farce, statt die Farce des impotenten Humors zu entlarven, den Pirandello uns aufdrängt. Fünf Mal hat der Seebär in der Nacht nach seiner Pharmabehandlung seine Frau gevögelt, offensichtlich dazu mehrmals seine Haushälterin, und so tänzelt am Morgen nach dieser in jeder Hinsicht schwülen Nacht der Mittvierziger gemäss den Gesetzen der Logik der Bernhardtheaterkomödie leichtfüssig zum nächsten Fick, um in Form zu bleiben. Und die vordem frigide Ehefrau folgt ihm, würdevoll ihrem ehemaligen Liebhaber, dem Lehrer, entschwebend.

Die Inszenierung verwirklicht konsequent Pirandellos Theaterkonzept, leider ein bisschen zu konsequent. Ironie fehlt ihr völlig, oder diese ist so zynisch verpackt, dass selbst der für seine Bösartigkeit bekannte Verfasser dieses Texts sie nicht bemerkt hat.

Alles schwebt in einem weichen Schleier von softem volkstümlichen Komödienhumor, selbst der an sich gar nicht in die verlogen schöngeistige Szenerie passende Seebär. Symbolisch wird dies dargestellt durch eine nackte, nur mit einem blauen Schleier bedeckte Traumdame, welche bisweilen vor den Augen des Lehrers über die Bühne gleitet. Pirandellos Zynismus bleibt für das Publikum ebenso ungreifbar, wie für den Lehrer dieser schöne Frauenkörper, wobei mir unklar ist, ob dies an der Regie oder doch an Pirandello liegt: zu viel passt in diesem Stück nicht zusammen.

Leider verliert sich im Humor auch der Sinn des Stücks und übrig bleiben nicht viel mehr als harmlose Unterhaltung und schauspielerisch grossartige Einzelleistungen -- fast ein jeder der Darsteller ist ein Diva, in mehrfachem Sinn.

Ähnlich gesichtslos wie das auf schauspielerische Brillianz eingestellte Regiekonzept ist auch das Bühnenbild. Schöne, geometrische Dekoration, die wenig bis gar nichts zum Verständnis des Stücks beiträgt.

Alles in allem ist "Der Mensch, das Tier und die Tugend " ein interessanter, sehenswerter Theaterabend, mit einer guten, aber letzten Endes zu distanzierten Regie, die es zwar mit dem Geschichtenerzählen nicht so genau nimmt, aber den Schauspielern Gelegenheit gibt, ihre (sanften) Säue reichlich rauszulassen.

Mich hat der Abend an eine Preisverleihung im Schauspielhauskeller vor drei Jahren erinnert, deren würdige weihevolle Erhabenheit durch den Zwischenruf eines ordinären Österreichers zerstört wurde. Ungerechterweise, denn was kann schon eine schöne Frau dafür, dass sie so sensibel ist. Und dass sich die Preisträgerin damals nicht bei allen ihren Teddybären und Bettdeckchen bedankt hat, die sie durch ihre Jugend geleiteten, wird doch sicher jeder nur ein bisschen menschliche Mensch verzeihlich finden, und es liegt sicher nur daran,\footnote{ohne dass ich mich selber loben möchte,} dass sie von diesem ungalanten österreichischen Subjekt gestört wurde. Theater ist schliesslich ein Ort des gegenseitigen Verständnisses und des Menschseins, oder. -- Wenn ich mich recht erinnere wurde damals der Preis durch den Menschen an die Tugend verliehen, und wenn nicht, so hätten sie es gut sein können.

Sie, das heisst der Mensch, das Netzhemdchen, und die Tugend haben eines gemeinsam, das geheimnisvoll Wunderbare menschlicher Hypokratie, und das zeigen sie uns mit der hervorragendsten Grosszügigkeit. Man könnte fast glauben, sie meinten es ehrlich. Und im übrigen und überhaupt sind sie, das muss man ehrlich zugeben, ganz und gar deliziös. Mit der Tugend ist es halt wie mit den Frauen/Männern/Austern, am besten schmeckts auswärts.






Trüber Spätherbst in Zürich --
ein Brief an Freunde und Bekannte

Das derzeitige Angebot der Zürcher Theater ist, unter Vorbehalt des von mir noch ungesehenen sexuellen Drangs von F.X. Kroetz im Schauspielhaus, grösstenteils welk bis verblichen.

'Torquato Tasso' im Schauspielhaus stellt die Frage nach den dramatischen Fähigkeiten des Geheimrats Goethe, die Zofen nach den Nehmerqualitaeten, oder besser Ausdauer- und Dulderqualitäten des Publikums -- mit der chauvinistischen Botschaft 'drei Frauen sind erträglicher als zwei'. Die gerade zu Ende gegangene Aufführungsreihe 'Wahlverwandtschaften nach Goethe' frönte trotz einiger guter Einfälle der Neuen Neumarktlangeweile (wodurch es die intensive kommentierende Teilnahme des Publikums provozierte). Die Wiederaufnahme des 'Orchesterdieners' im Schauspielhauskeller ist trotz einer passablen schauspielerischen Leistung schlicht überflüssig. Die Produktion 'Dämmerstunde' des Vaudevilletheaters tut vor allem ihrem Namen Genüge, insofern es dem Zuschauer leicht gemacht wird in den Schlaf hinüberzudämmern, angesichts der völligen Konzeptlosigkeit der Dramaturgie. 'Blaue Stunde' im Kammertheater Stok und 'Eli', eine Produktion des Theaters 58, im Theatersaal Rigiblick werden nur ab einer Mindestzahl von 10 Zuschauern gespielt, also oft gar nicht -- wofür man vielleicht (vor allem im Fall der unerträglichen Hänssler im Kammertheater Stok) dankbar sein sollte. 'Wirklich schade um Fred' im Theater Heddy Maria Wettstein ist, von wenigen Ausnahmen abgesehen, nur in Verbindung mit einem Abendessen konsumierbar, gemäss der alten Weisheit 'wer ordentlich frisst, merkt nicht, was er (im Theater) konsumiert'.

Die 'Sommergäste' im SAZ-Theater zeigen immerhin jugendliche Frische bei halbprofessionellen Leistungen, was freilich nicht wirklich zum Gelingen des Regiekonzepts beitraegt, dem es an Überzeugungskraft fehlt, das Zerfallen der Aufsteigergesellschaft darzustellen. 'Die Nacht des Orpheus' im kitz-Theater geriert sich sogar geradezu ekstatisch, und schaut dem Publikum aus direkter Nähe dynamisch in die Augen, doch die dargestellte Begräbniszeremonie dient letzten Endes nur zur Selbstbefriedigung der Schauspieler. Die sich hektisch durch die Gegend reissenden Schauspieler hasten nur am Publikum vorbei und unternehmen keinen Versuch, es mitzunehmen ins Geschehen. Dabei sind die ersten zehn Minuten wunderschön und erzeugen bei manchem Zuschauer tiefe Glücksgefühle. Doch die wesentliche bleibende Erfahrung ist die ermüdende Langeweile statischen Glücks, denn das Begräbnisspiel wird früh zum Porno mit ewiggleicher Mechanik, dem man als Unbeteiligter nur mit grosser Willensanstrengung folgen kann.

Einziger Lichtblick in diesem herbstlichen Komposthaufen -- abgesehen von den hier nicht besprochenen Operninzenierungen, man kann ja immer mal wieder in die Zauberflöte gehen -- einziger nicht ganz heller Lichtblick ist 'Was ihr wollt oder zwölfte Nacht'. Wenn der Darsteller des Herzogs Orsino nicht so unbegabt wäre, oder sein Text nicht so blöd, man müsste fast sich zu einer gemässigten Begeisterung hinreissen lassen, bei diesem originalen Schüttelbier, der realistisch, zynisch, modern und witzig erzählt von diesem Schmarrn mit Ohren, der Liebe, oder wie sie da so sagen. Manch einer von der Universität erscheint sich da selber auf der Bühne als Haushofmeister Malvolio. Und wenige im Publikum wollen verstehen, dass der vermeintlich schwache Schluss hinreichend und notwendig ist in dieser Aufführung, die dem Shakespeare auf die Feder geschaut hat. Wenn Theater der Liebe Nahrung ist, spielt weiter! Aber im Grunde sind das lauter Gemeinheiten -- wie immer.

Unter anderem ebenfalls zu sehen\footnote{aber von mir noch nicht gesehen} sind derzeit, beziehungsweise demnächst, 'Die wilde Sophie', ein Kindertheater im Schauspielhauskeller, 'Erinnerungen an Felix Fechenbach', eine szenische Lesung im Puppentheater, 'A convergence of distance', (vermutlich improvisierter) Tanz des Seefeld-Tanzprojekts in der Roten Fabrik, 'Du bist meine Mutter', eine Produktion von E. Scanzi im Theater an der Winkelwiese, 'Hexen', Unterhaltung im Komedies Variet\'e Ludwig 2, und 'Die tolle Rosita', Unterhaltung im Berndhardtheater.






nachtschatten -- Vanilletheater

Die Produktion "nachtschatten" der cie n'est-ce pas setzt weibliche Massstäbe und provoziert das männliche Publikum, soferne es überhaupt die Gefährlichkeit dieser Produktion bewusst mitbekommt. Zuerst wird die ZuschauerIn mit konventionellem, pseudoinhaltlichem modernem Tanz, wie er Mode ist in Zürich, gelangweilt, was nachher die ZuschauerIn zur reflexartigen dankbaren Begeisterung verleitet, wenn das ganze ideologisch tranige Bühnengeschehen zum Leben erwacht und die Compagnie feurig wild über den Boden kugelt. Diese Szene mündet nach kurzzeitigem verfrühten Schlussapplaus (bei dem wohl der Wunsch Mutter des Gedanken war) im Höhepunkt des ganzen Stücks: der banalen Verzückung, die einige einfache lustige Bewegungen beim Frauenensemble verursachen -- so wie es bei uns Jungen üblich war, als wir 15 waren (she was brown and I was pretty green). Danach, klingt das Geschehen nach einigen, mehr oder weniger geometrischen, spritzigen Spaziergängen und einigen zweisamen Zärtlichkeiten (im Ensemble) aus, indem man zur Tagesordnung, zum Empfang des, nunmehr angebrachten, Applauses übergeht; die nachtschatten sind vorüber, allerdings nicht beim Kritiker -- obwohl er sich spontan, dafür gibts ZeugInnen, begeistert geäussert hat (wer sehr gelangweilt worden ist, ist nachher leicht zufriedenzustellen).

"nachtschatten" ist Theater mit einer Botschaft: Frauen wollen glücklich sein, ohne männlichen (ideologischen oder tatsächlichen) Ballast, oberflächlich glücklich im Augenblick, darin liegt ihre Kraft. Die Damen, die dies tanzen, besitzen, abgesehen von einem distanziertem verhältnis zur Gross- und Kleinschreibung (männliches TeufelInswerk ?) beschränkte tänzerische Begabung und zeigen gewisse Konditionsschwächen. Aber alle haben eine bemerkenswerte persönliche (weibliche) Ausstrahlung, und die KritIkerin hat dies genossen, umso mehr, als der erste Teil eine sehr wohltuende Abrechnung mit dem Zürcher Tanztheaterschmonzes ist, den sie(???) in letzter Zeit ertragen hat. Die männliche Frage nach der Absicht bleibt natürlich, ebenso wie die grundsätzliche Ablehnung der dargestellten Botschaft durch den Kritiker ? "nachtschatten" ist bedenkliches Theater und es ist zu hoffen, dass dadurch nicht allzuviele junge, tüchtige Männer verdorben werden durch den Konsum dieses Vanilletheaters.

Cave nachtschattem! Schauen Sie sich lieber "Der Name der Rose" an.}






Driving Miss Daisy -- Zürcher Schauspielertheater

Die Produktion "Driving Miss Daisy" überzeugt durch starke Bühnenpräsenz der drei Darsteller. Erählt wird, mit unaufdringlichem Humor, die Geschichte einer reichen jüdischen Witwe, der von ihrem Sohn ein Chauffeur, ein Schwarzer, aufgedrängt wird. Die Inszenierung enthält sich dabei jeder Stellungnahme und fast jeder Erklärung. Von den Charakteren wird überzeugende Menschlichkeit ausgestrahlt, aber trotzdem bleibt beim Zuschauer eine gewisse Leere zurück.

Die Geschichte erstreckt sich über einen Zeitraum von vielen Jahren, und besteht aus kleinen, zum Teil stark unzusammenhängenden, Szenen, deren Thema die Möglichkeit des Zusammenlebens von Menschen aus verschiedenen Bevölkerungskreisen ist. Problemen werden unterspielt, mögliche Peinlichkeiten vermieden. Gegen den Rassen- und Klassenhass setzt die Regie die menschliche Präsenz der Schauspieler.

Dieses typische Züricher Theaterkonzept hat im Rahmen des Hechtplatztheaters Erfolg, vor allem dank der guten Schauspieler, ohne wirklich zu faszinieren. Zuschauern empfehle ich einen Sitzplatz in einer der vorderen Reihen, nicht unbedingt in der ersten Reihe.






Sommertheaterfest 96 --
Tiefen und Untiefen der Zuercher Theaterwelt


Der Sommer von 69, er war wohl besser als der von 96. Obwohl die Saison noch nicht ganz zu Ende ist, feierte die Szene letztes Wochende den Theaterkehraus, im Kunsthaus beim Morgenessen am Sonntagmorgen. Manche Fragen einer halb durchsessenen, halb durchtanzten Nacht blieben dabei offen -- war Schwientek als Jandler besser oder als Landler --, andere waren geklärt -- Rezensenten gehören an den Computer, nicht auf den Tanzboden.

Nicht alle freilich zeigten Committment, manch ein Wissenschafter oder eine Kritikerin verschwand schon früh in der Nacht, andere UtoquaibadibewohnerInnen entgingen zweifelhaften Bekanntschaften knapper. Und nicht jedes Angebot des Abends wurde genutzt. So blieb der Erkenntnisgewinn gering und im zufälligen Detail verhaftet: Was man mit einer Dame macht, die nachts um 2 nicht nach Hause gehen will, erfuhren wir auf entzückende Art schon vor Mitternacht -- einfach süss, die SAZ-Kinder, die uns das zeigten; was man mit einer machen sollte, die morgens um fünf nach Hause geht, hätte man gerne auch gewusst -- süss wäre allerdings in diesem stadtbekannten Fall eine unzulässige und schwerstbedenkliche Verharmlosung gewesen.

Doch von dererlei zur Bitterkeit des Lebens, oder zur Zweifelhaftigkeit des Kritikers: Brilliant, so hörte er, war gegen eins in der Früh eine Mundharmonika mit Brustkorb auf der grossen Pfauenbühne, so lalala leider nur die drei multilingualen professionelle Damen, die wir im Keller darunter aussassen. La Lupa soll um Mitternacht gepreist worden sein, gekreischt haben aber auch noch andere vorher auf der grossen Bühne: Immerhin die SC-- Schwestern, Sara Capretti und Sybille Courvoisier, verbreiteten kurzzeitig am frühen Abend ein wenig Charme.

Die Frauendichtkunst, das ward uns in der Winkelwiese am späten Nachmittag exemplarisch vorgeführt, liegt einerseits im Argen, und ist andererseits (nicht gleicherseits) ordentlich männlich--chauvinistisch dominiert: Bei der Frauenlesung sprach die Hälfte der Zeit ein Mann: über den unpassenden Ort, weil ein Theater, über das gestiegene Niveau der Frauen und über die Udenkbarkeit des Dichtens am Computer. Ein junges, vielleicht zweiundzwanzigjähriges Ding, hat uns dann am Ende freilich fasziniert mit klassischen, am Computer geformten, Gedichten -- womit wir uns, objektiv betrachtet, als die wahren moralischen Schweine, und also vermutlich als bedenkenlos grundanständig erwiesen haben.

Manche Höhepunkte des Festes waren altbekannt, und werden darum hier nicht neu besprochen, zumal Positives aus grundsätzlichen Erwägungen hier nur an-, aber nicht durchklingen soll. Und einige Höhepunkte fielen möglicherweise der Parallelisierung zum Opfer. So war dem Rezensenten, die zweite konsumierte Produktion, um viertel vor fünf am Nachmittag, 'Ich bin Legion' des guten alten Seefeld Tanzprojekts der eigentliche Festgenuss, eine Performance, die mit Theater für einmal wirklich ins Publikum ging. (Nur wirklich negative Menschen würden noch anmerken, dass den DarstellerInnen der Mut zum Strassentod am Ende fehlte.)

Tiefpunkt des Festes war die miserable Verpflegung: viel zu wenig von der versprochenen Multikultinahrung, um halb drei überhaupt nichts Essbares mehr weit und breit, und um fünf auch kein Bier mehr -- da wird das Saufen mühsam, und es bleibt einem nur mehr die Bewegung.

Begonnen hat für uns das Fest im übrigen, und überhaupt, aber das sind nun wirklich Gemeinheiten, mit einem hübschen, wenn auch harmlosen, Porno: 'Herzstück'. Allein die dadurch dokumentierte Gesinnung der Festmacher rechtfertigt die zukünftige kulturelle Unverzichtbarkeit dieser Veranstaltung. Dass es dann an gefährlichen Untiefen fehlte, bestätigt nur ...

Vor allem aber, es war so billig!!

Und cool!

Und servus






Der reizende Reigen des reizenden Herrn Arthur Schnitzler, oder
Eine Hure, ein Nationalrat, eine Schauspielerin und viele Abgeschmackte


Wenn der nichterwähnte, aber ebenfalls zweifelsohne reizende Herr Schwab im nicht immer wirklich reizenden Text Zweifel offen gelassen hat, so sind sie in der SHZ--Kellerinzenierung untergegangen: Die einzige echte Sympathieträgerin des Stücks ist die Hure\footnote{ zumindest mit den Augen des Sektionschefs Tuzzi, eines ebenfalls reizenden Herrn, betrachtet} denn sie lebt in Einklang mit ihrer Sprache, diese allerdings nicht mit der Welt. Ihre als Illusionenverkäuferin gelebte Menschenanalyse stösst einen Reigen des das Geschäft $\goth{Sex}$ Erledigens an, der so widerwärtig er sich im Detail abspielt, sie, die in der ersten Szene gewalttätig um ihren Mehr\-wert betrogen wurde, in der letzten doch noch reichlich entlohnt, durch einen das Warme suchenden Nationalrat. Auch dieser ist ein Sympathieträger der Produktion, da er halbwegs mit seiner eigenen Sprache zu Rande kommt -- freilich nicht ganz ohne Verlogenheit, denn die Sau tut sich selbst am meisten leid, aus eher fadenscheinigen Gründen. Als dritte im Bunde der Gerechten, das heisst der professionellen Wortdreher, fungiert die Schauspielerin, die zwischen den Furzen von Kunst und Karriere, will heissen Dichter und Politiker, sich ihre Orgasmen holt.

Die übrigen Figuren des Schnitzlerschen Reigens der Liebe scheitern, zumindest im Schauspielhauskeller, an ihrer geschwollenen Sprache nestroyanischer Abstammung. Dies hängt an ihrer Übereinstimmung mit der Welt, vor allem aber an der biederbürgerlichen Regie und den beschränkten darstellerischen Qualitäten der SchauspielerInnen. Moderne Theaterzeitgeistautoren wie Schwab, Jelinek, oder Mamet führen, auch wenn dies den Zürchern nicht gefallen mag, NZZ -- Stadt und Kanton docet, exempla obscurant, auf der Bühne intellektuelle Auseinandersetzungen, welche das traditionelle Theaterrepertoire nicht bieten kann, und Schwab ist einer der allerschlimmsten von diesen. Während Mamet psychologisch interpretiert werden kann zum Zwecke der Erhebung zum Frauenfeind, während Jelinek realistisch interpretiert werden kann, aus dem gleichen Grund und auch zur Wehrung der einzelnen Eber -- ists ein Gerücht das der Neumarktdirektion zuviel einzelne, anscheinend ! notabene schweinische Männer im Publikum sind? -- ist Schwab ein Wortkünstler der sich der Publikumsaufklärung verweigert. Er zwingt die Darsteller\footnote{im Fall des reizenden Reigens zumindest bis zum produzierten Beweis des Gegenteil} mit um-, aus- und eingedrehten Ausdruckshülsen bewaffnet anzutreten, welche drauf- und danebenschiessen, und dies überfordert die DarstellerInnen mehr oder weniger.

Der Festangestellte ist die Antithese zu den drei Professionellen, ein Amateurphilosoph, der fast überzeugt als einer, der viel mehr und viel weniger als dumm ist, und die Moral des Spiels begreift, das er zusammen mit der Hure eröffnet. Was folgt sind fade grosssprecherische oder kleinmütige Gesellen und Gesellschafterinnen, ein jeder, eine jede auf ihre Weise abgeschmackt -- ebenso wie manche Textpassagen, und unsere eigene Wirklichkeit. Der Chef benutzt die arbeitssuchende Sekretärin, der philosophierende Hausbesitzer benutzt die Mieterin, der Dichter benutzt das Dummchen und die Schauspielerin, dabei Schwab als Nestroyaner outend statt als Lippizzaner. Sie alle kommen beim Sex nicht auf ihre Kosten, denn, so kann man es interpretieren, ihren Worten fehlt die erotische Übereinstimmung von Gedachtem und Gefühltem. Die Schwabsche Sprache wird von den meisten SchauspielerInnen im Munde geführt, als wäre sie ihre eigene, ohne dass sie sie beherrschen. Inhalt und Form sind zwar untentwirrbar in dieser Geschichte, doch auch Regie und SchauspielerInnen, von den drei ruehmlichen ausnahmen abgesehen, haben sie für ihre Darstellung nicht entwirrt, weshalb die Produktion szenenweise zur gewaltig überklug sprachelnden Langeweile gerät.

Hauptsächlich, wenn auch nicht ausschliesslich, ist die Sache mit dem Sex in diesem Reigen ein Nehmen der Männer und ein Hinnehmen der Weiber. Wenn er sich zum Kreis schliesst, hat als einzige wirklich Lust an der Sache Sex die Schauspielerin empfunden, denn ihr gerät die Kunst des Schauspielerns zum Gefühl. Spass gemacht hat es auch dem Weh von einem Politiker, der naiv und anspruchlos zufrieden durch das Leben krabbelt. Und die Hure mit den prächtigen prallen Schenkeln wurde von ihm zumindest 'brav' finanziell entschädigt. Ihre Lust ist die Geschichte, die er ihr erzählt. Dieser Schluss immerhin ist tröstlich philosophisch, und geriete er in die Hände der Wissenschaft, möchte er gar als Entwicklungszyklus interpretiert werden, von der Tat, über die böse Erkenntnis und die wirtschaftliche Praxis, bis zur finanziellen Kultur, welche die eigentlich geistige ist. So dreht uns Schwab am Ende über seine Hure doch noch eine Illusion an, wie es sich gehört für ein anständiges Theater! Aber vielleicht ist auch das nur eine Illusion, denn eigentlich war vieles an diesem Theaterabend doch recht blöd -- und fad.





EDITOR:

Dipl. Ing. Dr. phil. Reinhard Riedl
Institut für Informatik
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