Aktuelle Zürcher Theaterkritiken '97/98
March 17, 1998
 
 
 
Einige Festivalkommentare zu den Blickfeldern 1998
(in der von uns auf der Festivalseite gepflegten anderen Form,
damit nicht wieder einige junge Germanistinnen in unseren Texten ertrinken)
 
 
Theater Spilkischte (Schweiz): Zum Fressen gern im Fabriktheater der Roten Fabrik
für Kinder ab 7 und Frauen  

Die Regierung (Schweiz): Regierung spielt Autofahren im Schauspiel Akademie Theater
  für Erwachsene und andere

 
 

 



 

Schicksale in der SAZ -- Olé! Arriva! Arriva! D'ddldm~dm~dm~dm~dm~~~~~~~~~

eine Produktion mit dem SchauspielstudentInnen im 3. Jahr; Regie: kitz-Direktor M. Diaz; letzte Verantwortung: SAZ-Direktor P. Danzeisen;
Kritikkizze, 28.1., in Arbeit;

Die Nacht ist Szene oft, erhellt nur von Regieideen bei Shakespeare. Doch wenn die grossen Kinder Liebe spielen, dann wird es heller, wenn auch - zum Glück - nicht ganz. Der Einführung kurzer Sinn. Marcelo Diaz, der Direktor des Theaters an der Sihl, versucht sich als Regisseurdramaturg und patscht Liebesszenen aus den Stücken `Hamlet', `Wie es Euch gefällt', `Ein Sommernachtstraum' und `Romeo und Julia' zu einer `Schicksale'-Collage zusammen, dass den einen der Schauer überrieselt und den anderen es eine wahre Freude ist, nämlich ihm und seinen jungen DarstellerInnen. Ob Artisten, Samurais oder shakespearesinistre Gestalten, zur Kunst erklärt sind alle Theater. Und da dieses alles darf, fängt es in der SAZ schon gleich ganz übel an mit dem Versuch, `positive' Massenhysterie durch Musik zu erzeugen. Für einmal ein Musikantenstadel an der Gessnerallee. Olé! Und geht dann in eine Schületheatermoderation à la "... und jetzt laufen die Shakespeareprotagonisten ein ...' über. Wer geht, der soll dies schon in den ersten 5 Minuten tun, so er den Mut hat vor aller Augen frevelhaft dem jungen Blute zu entsagen. Olé! Olé!

Danach gelingt in sporadischen, aber doch zahlreichen Einzelszenen, mit dem einen oder anderen Regiegag - nicht alle davon neu, aber einige recht gut - überzeugender Sinn und es entsteht Spannung, auch wenn die dramaturgischen Spannungsbögen separiert voneinander ablaufen und zu keinen Gemeinsamkeiten finden, ganz abgesehen von der alles zermanschenden Zwischenmoderation. Wo ein zugrunde liegendes Konzept doch behauptet wird, werl irgendwie und sowieso, entsteht hässlich unfärbige Vagheit und Nichtigkeit, die - aber - meist durch die kindlich peinsame Pänetranz der Moderation überkleistert wird. Olé! Olé! Die im Titel angekündigte Schicksalidee bleibt jedenfalls Geheimnis des dramarisierenden Regisseurs.

Dessen Sündenregister im übrigen und weil wir gerade dabei sind, noch ein längeres in dieser Produktion. Ganz oben an der dritten Stelle nach Auftakt und Moderation steht darauf die Gestalt des Pucks: feist und beschränkt walzt sie durch die Gegend und träufelt - elegant gemeint - den schlafenden Schlampen und Schwänzen aus der Stadt stehenden Fusses die rechten Wendungen von der hohen Hand auf die Augen, wenn er nicht der Lustigkeit halber sie auch - versehentlich und folgenlos - der Moderatorin ins Auge spritzt. Man hat sich offensichtlich etwas gedacht dabei, aber was? Olé?

Wie überhaupt die Produktist ion reich ist, an sich etwas Gedachtem. Und der Verdacht keimt bald einmal auf, dass hier einer schlicht einige sausprobiert hat. Die SchauspielschülerInnen tragen keine Masken, sondern sie spielen sich selber. Dies wirkt echt und in Ansätzen auch reizvoll, es langweilt aber auch, soferne man nicht sehr viel Interesse dem Dargestellten entgegenbringt, oder, schlimmer, es belustigt. Symptomatisch für letzteres präsentierten gerade die seligen Heiterkeitsausbrüche der Szene angesichts des Selbstmords Ophelias dem Regisseur ein vernichtendes Urteil über seinen natürlichen Umgang mit den DarstellerInnen. Olé!

Alles in allem, ist die Produktion Schicksale ein im Einzelnen bemerkenswerter und als Zwischenbilanz für die jungen Darsteller durchaus vielversprechender Abend, der aber auch zeigte, wie weit der Weg für die Darsteller zur Schauspielerei noch ist und bisweilen die Gunstbereitschaft des Publikums ein kleines bisschen strapazierte. Regisseur Diaz hat die Gelegenheit genutzt zu experimentieren, den Kindern etwas beizubringen und - vor allem - selber Spass zu haben. Und das Publikum hat die Gelegenheit in die fröhliche Intimität dieses Treibens einzutauchen und den Reiz der Jugend zu geniessen. Die Schauspielkunst aber liegt jenseits dieser knackigen Tollheiten. Sie ist finsterer sozusagen, nicht heller.

Wie auch immer, Theaterinteressierten sei der  Besuch empfohlen!

(Und seiens ein bisschen nett zu den jungen Leuten und applaudierens fleissig!)
 
 



 
 
 

Zeitgenössische Schweizer Tanztage '98, Zürich, 1. Tag -- jâ gâhts no!

draft of a commentary, Jan 30;

Theaterhaus Gessnerallee presented contemporary dance as 3 French radio dramas: Haïkus urbains (choreographed by Yann Marusich), L'armour de la fille et du garçon (Pascal Gravat & Prisca Harsch), and  Un instant (noemi Lapzeon). Considering these shows due to invited choreographers as representatives of the state of the art would compel one to demand an immediate stop of any public fundings for dance. We do not mean to criticise that such are indeed subsidized, as eaxh of them was in its own way somewhat attractive, but we do criticize that they were chosen as representatives of Swiss dance.

Contemporary dance which cannot express itself without language is simply absurd. However, all three shows were grounded on their relations to the carpet of noise, consisting in parts - or as a whole in Lapzeon's show, respectively - of spoken text. Dance has often been called a universal language, and so did the organizer of the `Schweizer Tanztage' in his introduction. The selected shows have proven the opposite: Dance may be understood as an exclusive spectacle for the those who have got culture, i.e. they speak the right language. Well, at least one might guess that this was the idea of the organizers from the French speaking part of Switzerland. But maybe, on the contrary they intend to teach us, that only those who do understand the language of art, will eventually be able to realize that it lacks the skill of expressing itself properly ...

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Zeitgenössische Schweizer Tanztage '98, Zürich, 2. Tag -- jâ, gâht no!
Kurzkritik zur Präsentation der einen Hälfte der Schweizer Auswahlplattform für den internationalen Bagnolet-Wettbewerb, in Arbeit, 30.1.98;

Am meisten überzeugen von den gezeigten 4 Produktionen konnte das Heimspiel "Terrain fragile" von Jaccard/Schelling/Bertinelli (wenn auch der Bezug zwischen den schönen Kritiken aus der Pressemappe bzw. der dort abgedruckten Eigeninterpretation und der gezeigten Choreographie nicht gerade augenscheinlich war). Allerdings fehlt es der Produktiom aus dem Jahre 1996 in manchen Szenen noch an Stringenz und an Kraft, etwas zu kommunizieren - sie hat sich sozusagen noch nicht selbst gefunden: mal ist etwas da auf der Bühne, mal erscheint dies gerade beobachtete etwas nur eine Projektion gewesen zu sein. Worum es denn ging fragen Sie? Um interpretierbare Bewegungen, ja. einen Tanz ruckender Puppen, zwei männliche an Fäden hängend, voll Ungeduld, ihre Röcke, sich darin drehend, und eine weibliche, engelhaft, daran hernunterschwebend, die Männer(spieldosen)bedienerin. Um Mutationen, Entkleidungen zu silbernen Geschöpfen, aber um mehr aber dann doch nicht.

"Wörter, nichts anderes als Wörter existieren zwischen uns" und dem Publikum: Der zweiten Choreographie des Abends, "Palabras" von Marcela San Pedro mangelte es ein bisschen an innerem Kontext, an Eindrücklichkeit. Wie die Arbeiten der eingeladenen Choreographen am 1. Tag spielt auch in diesem Tanz der Text eine grosse Rolle. Der Liebesschmerz ist Routine, die kleine Perversion bekannt (und hier nicht genannt) und der Rücken entzückend, doch die Spannung fehlt.

Alsdann folgte Ariella Vidachs lehrreiches "Experiment", ein interaktives System ohne Improvisation und ohne Witz, aber dafür ein weit über den diesbezüglichen, üblichen Unfug sich erhebender Versuch von Multimediakunst. Die Zutaten sind nicht gerade neu, aber mit handwerklichem Geschick zusammengefügt. Videokameras erfassen die Bewegungen der TänzerInnen, das Computersystem gibt diese einerseits auf einer graphischen Oberfläche, die auf eine Leinwand gebeamt wird, leicht verfremdet wieder als Teil einer zwei+epsilon-dimensionalen virtuellen visuellenWelt, andererseits in Form von Geräuschen, welche den Eindruck geben, akkustische Reaktionen der virtuellen Welt auf die Bewegungen, das Eindringen, das Durchgleiten der Körper zu sein.  angesichts der Parallelaktion von Tanz und Computerreflektion kommt einem schnell einmal die Ungleichheit des Ähnlichen in den Sinn, es bleibt aber unklar, ob dies der Mailänder Künstlerin beim Entwurf ihres Werks auch so ging. Der Tanz selber verkümmert vor der Videoleinwand und fortschreitend mit der Aufführung verkümmerte auch die Aufmerksamkeit des Rezensenten.

Trotzdem ist das Experiment lehrreich - vor allem deshalb, weil es zum Nachdenken über das Schlagwort interaktiv anregt. Soweit für die ZuschauerInnen wahrnehmbar wird nichts beeinflusst im oder hinter dem Computer, die Aktion findet nur im Benutzerraum, d.h. auf der Bühne statt. Dort aber werden Choreographien vollzogen, in denen die Folge der Benutzeraktivitäten statisch vorgegeben ist und nicht reagiert wird, sondern die im Vorhinein berechnete Aktion vollzogen wird. Die Interaktion ist so schlicht eine Schimäre. Leider eine ernste.

Nach diesem weiterbildenden philosophischen Ausgang dröhnte die Orma Dance Promotion das Publikum mit Enrico Musmecis Penthiselea zur Musik von Hugo Wolf schliesslich und zu schlimmer letzt in einen versöhnlichen Schlussschlaf, welcher dem Rezensenten mit Ohrenstöpseln sanft untermalt wurde durch ewig wiederkehrendes Gelächter in seiner näheren,offiziell beschilderten, Umgebung. Leider sind diese Paradoien auf das kjlassische Ballett immer zu kurz. So wankte er wahrhaft trunken von Angeboten aus dem Theater zum MacDonalds. Uahhh! Uahhhh! Ahhhh! "Alles völlig bescheuert."
 



 
 
 

Romulus der Grosse -- eine Hendlgeschichte, oder der goldene Mittelweg zwischen Peinlichkeit und Kunst

zweite Version, 18.1.97;

Resultat:

Das dramatische Duell Poulets in spe gegen Schauspieler endet - trotz der taktischen Finte, den Publikumsliebling Hubert Kronlachner als Darsteller des Kammerdiener Achilles einzusetzen, mit der (knappen) Niederlage der Hühner.

Spielbericht:

Sämtliche Darsteller zeichnen sich durch brav professionelles Spiel aus. Trotz umfänglicher Würdigung der kindlich-zynischen Dramaturgie Dürrenmatts (in der Romulus 20 Jahre geherrscht hat vor seiner Abdankung) vermeiden sie mit erwähnenswerter Souveränität ein peinliches Sketch-Debakel, ohne sich freilich dem Ernst der Geschichte jemals erfahrbar zu nähern. Diesen führt einzig Mathias Redlhammer vor als von den Germanen geschändeter edler Römer Aemilian. Allerdings stört auch er nicht ernsthaft die idyllische Harmlosigkeit des Hühnerhofs, in dem der gemütvolle Kaiser Jürg Cziesla alias Romulus mit Koch und Kammerdienern haust - und auf seinen Opfertod wartet, wie sich im 2. Teil herausstellt.

In der guten Tradition samstagabendlicher Fernsehquizsendungen gestaltet sich Romulus Enthüllung seiner jahrzehntelang befolgten Strategie gegenüber seiner Frau mehr zur Abrechnung von Ehegründen eines alten Ehepaares denn zu einem dramatischen Moment der Wahrheit. Der nachfolgende Kaisermord wäre eine Farce - Romulus Verurteilung seiner Mörder mit Ausnahme Aemilians sind nur Worte, weder hohl noch von Gewicht - wenn nicht die Nachricht von der Ankunft der Germanen die grenzdebile Schar von letzten römischen Würdenträgern in die Luft schlüge. Die erweisen sich dann exemplarisch freilich als noch grössere Schwätzer als der Kaiser und unterwerfen sich prompt - dürrenmatt so logisch.

Die Anleihen von Regie und Bühnenbildgestaltung am Kindertheater und an Beckett sind unübersehbar - entsprechend gespalten reagierte die Presse. Zitiert wird - wer hätte das gedacht !! - das Endspiel, oder auch nicht, zumindest nur ein bisschen. Die Situation ist von Anfang an unwirklich: Ein Rom, dass nur mehr aus einem Bauernhof besteht, in einer heutigen Welt, in der die Hochfinanz als weltweit agierende Hosenfirma ihre Fäden zieht. Und ein Kaiser, der mit den letzten Blättern seines goldenen Lorbeerkranz seine Rechnungen bezahlt, ein gewandter Glatzkopf als vereitelter Romaufkäfer und ein Theoderich als zweite einer Doppelrolle, deren erste als androgynes Hosenmodell den Kaiser vom Hosenkonzept überzeugen soll.

Letztendlich scheitert die assoziationsreiche Inszenierung (und an Dürrenmatt) an sich selbst, oder plakativer formuliert, am realitätsnahen Herumspazieren der Hühner auf der Bühne und dem daraus resultierenden märchenartigen Eindruck der Palastszenerie. Mag der buntfarbige Bühnenhintergrund auch kitschig wirken, so begrüdet er doch kinem schrägen Humor, der Idee und Wirklichkeit in Einklang bringen könnte. Andererseits aber bleibt Dürrenmatts Geschichte als ernsthafte historische Möglichkeit im vorgestellten Szenario nicht vorstellbar.

Romulus' jenseits von abgeklärtes Opfer-Kalkül, Rom durch seine Herrschaft den Germanen zur Beseitigung auszuliefern, erscheint unglaubwürdig, seine Existenz ohne Hinterland eine absurde Theateridee. Das tumbe Deutschtum der wilden Germanensöhne im zweiten Teil läft in einem abstrakten Raum ab, dessen ästhetischer Bezug zur postpost Atmosphäre des ersten Teils sich zumindest dem Rezensenten nicht erschloss. Es erinnert an filmische Glanzleistungen a la "Als die Frauen noch Schwänze hatten", doch damit hat es sich. Bindeglied der Szenenfolge ist nur Cziesla, der irgendwie und sowieso unbeeindruckt im grunzzufriedenen schauspielerwo spielt, weit weg oder überdrüber irgendwelchen tödlichen Wirklichkeiten.

Gezeichnet wird so mehr ein Sittengemälde eines - hochkarätigen - Schauspielerstalls denn eine eigentümliche geschichtliche Episode: Anne-Marie Blanc tritt auf, weil sie schon bei der Uraufführung vor 50 Jahren dabei, Gardi Hutter tritt auf, weil sie Käse ist (und versucht vor jedem Akt den Vorhang zu bemalen) und Kronlachner schlurft vermutlich auf, weil sich mittlerweile nicht einmal mehr sein Kontrabass regelmässig ausverkaufen lässt. Und die Regie verzichtet auf die Anklage Romulus, auf die die erklärtermassen von Dürrenmatt beabsichtigte Freisprechung folgen könnte, weil das gebildete Publikum seinen Dürrenmatt schon in- und auswendig kennt.

Und die jungen, die Dürrenmatt nicht verstehen, die finden sich das Schwertschwingen Theoderichs und andere Gags lustig. .....
 
 
 


Die Schwärmer im Schauspielhaus -- gnadenlos Musil

erste Version, 17. Jänner;
Intellektuell, esoterisch, Musil, Robert. Viel Weises, Ernst Stötzner in der Hauptrolle. Und eine kokette Handfläche, ein nackter Oberkörper, der Zigarette, dem stumpfen Messer nah, spricht österreichisch. Es braucht nur alles gehörig genug übertrieben zu werden, und schon überzeugt es die Leute, sagt der gehahnreite einflussreiche Ordinarius - und meint damit wohl den gestaltenden Eingriff der Regie, die jedweder Übertreibung zu entsagen vermag.

Das Szenario ist, wie es bei Musil üblich ist. Tina Engel und Ernst Stoetzner spielen cool philosophisch ambitionierten PD für Medizin und geistesverwandte, wenn auch nicht wirklich verständige Ehefrau, Wolfgang Maria Bauer anselmt kopfverwindend den Aussteiger und Anne Tismer verinnerlicht schief das esoterische Frauenzimmer, Schwägerin des PD und Ehefrau seines ordinarialen vätzerlichen Freunds Josef. Zeitlos alle, weder damals, und noch weniger heute.

Opfer dieser Schaustellerei wird Ludwig Böttger als Dektektiv Stader, dessen Text vom Wissenschaftlichen im Detektiven im allgemeinen Sinnnirwana vollends blödsinnig wirkt. Manches böte sich da an, doch die Dramaturgie verehrt wohl Franz Joseph H. (und wird konsequenterweise im Web-Programm gleich gar nicht erwähnt). Dafür kann sich Gerd Böckmann als hölzerner Josef gut in Szene setzen, zumal er sich nicht an heutigen Realitäten messen muss.

Geredet wird - naturgemäss - viel, interpretiert entsprechend musilant sparsam. So kommt die Unspielbarkeit des in allen Charätären gescheiten Texts recht gut zur Geltung. Dort wo es sinnvoll möglich ist, erzeugen Pausen zur lokalen Sinnverkehrung von Sätzen Interesse und Spannung. In Textpassagen ohne Argumente aus dem scheinbaren Gegenteil hingegen, gehen die Darsteller vollkommen in die Sprache ein, dass die Gedanken des Publikums leicht enteilen können.

Die Psychologie bleibt dabei aussen vor. Die eigenartige Atmosphäre der kleinen Gesellschaftserneuerer-Gesellschaft, in der anspruchsvolle Wortschwalle selbstverständlich und die Sprachdukten mehr als nur ähnlich sind, wird hinter den wahnlosen Fluchtideen der frigiden, nach Demütigung schmachtenden Gattin Josefs versteckt. Die im Hintergrund sichtbare, unscharfe, saftige Natur deckt dazu als Metapher das Spezielle der Szene zu, statt es zu kontrastieren, und hindert so ebenfalls die Einordnung des Geschehens.

Die Zuschauer erleben eine wirklichkeitsnahe und doch nicht ganz fassbare, eine im naiven Detail unstimmige Traumwelt, deren letzte Konklusion die ist, dass Intellekt konsequent verstanden doch nur wieder Esoterik ist. Hier und jetzt und heute oder damals historisch betrachtet gibt es nicht.

Modern weil zeitlos also. Aber immerhin gut übertrieben. Wussten Sie übrigens, dass aus Modern Moder wird, wenn ein Rezensent sich ein bisschen schwer tut beim Tippen? (vermutlich eine freudsche fehlleistung - grins)
 
 



copyright by Dipl. Ing. Dr. Reinhard Riedl